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Augsburg

02.12.2019

5G-Mobilfunk-Ausbau macht Augsburgern Sorgen

Bislang befinden sich Mobilfunkantennen häufig auf solchen Sendemasten wie hier am Holzweg im Bärenkeller.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Vodafone will in Augsburg einen Teststandort fürs 5G-Netz einrichten. Bei der Stadt rechnet man künftig mit hunderten neuen Antennen. Was sind die Folgen?

Autonom fahrende Autos, Busse und Lastwagen sollen die Zukunft im Straßenverkehr sein. Damit sie fahren können, muss das Mobilfunknetz in Städten und Gemeinden ausgebaut werden, und zwar mit der neuen und leistungsfähigeren Generation 5G. In Augsburg soll es in Kürze einen ersten Teststandort geben. In der Bevölkerung löst die Aussicht auf hunderte neue Mobilfunkantennen in der Stadt schon jetzt Sorgen aus.

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Franz Hiemer und Stefan Klein vom städtischen Umweltamt beschreiben die aktuelle Situation bei 5G so: "Die Mobilfunkbetreiber wissen noch nicht genau, was sie in Augsburg vorhaben." Vodafone habe der Stadt jedoch mitgeteilt, dass in Augsburg ein erster Teststandort aufgebaut wird und Anfang kommenden Jahres in Betrieb gehen soll. Ein bestehender Sendemast bei der Abfallverwertungsanlage AVA in Lechhausen soll mit der entsprechenden Technik bestückt werden.

5G-Ausbau: Bisher 220 Standorte für Antennen werden in Augsburg nicht reichen

Momentan geht es erst einmal um einen Test an einem eher abgelegenen Standort im Stadtgebiet. Wenn aber der Ausbau des neuen 5G-Netzes in größerem Umfang beginnen sollte, gibt es eine große Herausforderung. Klein sagt, "man braucht etwa alle hundert Meter eine Antenne, um eine lückenlose Verbindung zu halten." Denn die neuen kleinen Antennen haben eine wesentlich geringere Reichweite als diejenigen der bisherigen Mobilfunk-Generationen.

Die Folge ist aus Sicht von städtischen Experten, dass Mobilfunkbetreiber wie Telekom, Vodafone und Telefonica mit ihren bisher 220 Standorten für Antennen in Augsburg nicht mehr auskommen werden. Im Umweltamt geht man davon aus, dass zusätzlich noch "einige hundert Standorte" benötigt werden. Hiemer sagt, es gebe den Wunsch von Betreibern, dafür kommunale Infrastruktur zu nutzen. Demnach würden Antennen künftig nicht nur auf Hausdächern oder frei stehenden Masten positioniert werden. Vielmehr würden die "small cells" für 5G praktisch flächendeckend überall in der Stadt verteilt senden. Klein sagt, als weitere Standorte für die neuen Antennen kämen beispielsweise Laternen, Verteilerkästen, Werbeflächen, Haltestellen oder auch Münz-Telefonsäulen in Frage.

Auch Telefonsäulen kommen als Standort für sogenannte "small cells" infrage.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Hunderte neue Mobilfunkantennen überall in der Stadt? Diese Aussichten lösen nicht nur bei Stadträten Unbehagen aus. Gabriele Thoma (SPD) sagte kürzlich im Umweltausschuss, "für mich hört sich das wie ein Großversuch an". Stadtrat Christian Pettinger (ÖDP) sieht die 5G-Technologie vom Grundsatz her kritisch. Es sorgt sich wegen möglicher negativer Folgen für die Gesundheit von Mitbürgern, so lange die medizinische Unbedenklichkeit der Strahlenbelastung für Mensch und Umwelt nicht nachgewiesen sei. Pettinger kritisiert weiter, bislang gebe es praktisch auch noch keine sinnvollen Anwendungen, die auf die neue Mobilfunkgeneration angewiesen seien. Die aktuellen Drahtlos-Technologien seien für Normalverbraucher ausreichend.

Besorgte Bürger wenden sich an die Stadt Augsburg

Nicht nur Stadträte sind skeptisch. Bei der Stadt haben sich auch schon Bürger gemeldet, die sich wegen der höheren Frequenzen der neuen Mobilfunkgeneration Sorgen um ihre Gesundheit machen. Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) reagiert nun mit einer Ankündigung. Danach wird die Stadt einen runden Tisch zum geplanten Ausbau des neuen Mobilfunknetzes einrichten. Dort sollen sich Betreiber, Kommune und Mobilfunkkritiker zusammensetzen, um über neue Standorte für 5G-Antennen in Augsburg zu beraten.

Ein ähnliches Gremium gab es schon, als der Mobilfunk in Deutschland eingeführt wurde. Auch vor Jahren hatten Bürger große Ängste. Damals habe sich der runde Tisch bewährt, sagen die Experten im Umweltamt. Die letzte Sitzung hatte das Gremium in Augsburg 2005. Damals war der Hauptausbau für das UMTS-Netz abgeschlossen.

Über einen neuen runden Tisch hinaus sieht Umweltreferent Erben kaum Möglichkeiten für die Stadt, aktiv zu werden. "Wir sind Erfüllungsgehilfen bundesweiter Strategien", sagt er. Auch vom Baurecht her gibt es für Kommunen kaum eine Handhabe gegen neue Sendemasten. Bis zu einer Höhe von zehn Metern ist für den Bau in der Regel keine Genehmigung erforderlich. Nur in einigen wenigen Fällen ist eine Zustimmung der Kommune nötig, beispielsweise, wenn es um Antennen auf denkmalgeschützten Gebäuden geht. Für die entsprechende Kontrolle, ob die geltenden Strahlengrenzwerte eingehalten werden, ist wiederum die Bundesnetzagentur zuständig. Sie ermittelt in einer "Standortbescheinigung" die nötigen Sicherheitsabstände von Mobilfunkanlagen.

Wie ein Wissenschaftler der Hochschule die Lage einschätzt

Wissenschaftler wie der Augsburger Professor Reinhard Stolle sehen noch Aufklärungsbedarf über Nutzen und Risiken der neuen Mobilfunkgeneration. Der Experte für Hochfrequenztechnik an der Hochschule Augsburg sagt, "momentan braucht man als Privatkunde 5G eher nicht". Er kennt jedoch einige Unternehmen in der Region, die das neue Angebot gerne nutzen würden. Stolle sagt, beispielsweise bei der Automatisierung von Industrieanlagen sei die neue Technik nötig. Sie könne große Datenmengen sehr viel schneller und sicherer als bisher übertragen. Beispielsweise könnten in einer Fabrik mit Hilfe von 5G elektronische Geräte direkt auf einem laufenden Montageband drahtlos und kundenspezifisch programmiert werden.

Stolle hat auch zu möglichen Gefahren der neuen Mobilfunkgeneration eine Meinung. Eine entscheidende Eigenschaft von 5G sei, dass die Strahlenbelastung auch bei mehr Antennen geringer wird, sagt er. Um Energieverbrauch und Störungen zu reduzieren, würden die Wellen zielgerichteter auf die Endgeräte gelenkt. Der Professor für Elektrotechnik sagt weiter, schädliche Wirkungen seien bislang nicht wissenschaftlich belegt. Es werde weiter an dem Thema geforscht. Sein Fazit: "Man sollte die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Es gibt aber keinen Anlass, in Panik zu verfallen."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: 5G-Mobilfunk: Die Stadt muss beim Ausbau mitreden

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