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Bildung

29.05.2020

Ab ins virtuelle Klassenzimmer

Patrick Noack hat mit seiner Firma Meetzi ein virtuelles Klassenzimmer programmiert. Die Webanwendung wird inzwischen nicht nur von Schulen für das Homeschooling genutzt, sondern auch im Bereich der interkulturellen Kommunikation.
Bild: Leonhard Pitz

Ein Augsburger Unternehmen hat eine Software für den Unterricht zu Hause entwickelt. Auslöser war unter anderem der Wunsch, Daten nicht auf ausländischen Servern speichern zu müssen

Mit dem Absinken der Infektionszahlen dürfen auch immer mehr Schüler zurück in ihre Klassenräume. Doch allein die Tatsache, dass auch nach Pfingsten Klassen nur im wöchentlichen Wechsel vor Ort unterrichtet werden sollen, zeigt: Homeschooling wird Schüler und Lehrer noch länger beschäftigen. In der Krise haben viele Lehrer auf unterschiedliche Wege zurückgegriffen, um ihren Schülern digitales Lernen zu ermöglichen. Ein virtuelles Klassenzimmer kommt von der Augsburger Firma Lim-Tec.

Bereits Anfang März habe man sich Gedanken über das Thema Homeschooling gemacht, erzählt Patrick Noack, Geschäftsführer von Lim-Tec. „In meinem Freundeskreis sind relativ viele Lehrer, die zu Beginn der Krise nicht gewusst haben, was sie machen sollen“, so Noack. Bei vielen anderen Plattformen wie Zoom oder Microsoft Team sei das Problem, dass sich die Schüler dort registrieren müssen, sagt der 36-Jährige. „Mich wurmt das auch persönlich, dass da immer US-Anbieter genommen werden, obwohl die Daten dann auf fremden Servern gespeichert werden und der Datenschutz kritisch ist.“

Noack wollte das nicht hinnehmen und programmierte deshalb mit seiner Firma Meetzi etwas Neues. Der Name sei eine Kombination aus den Begriffen Meeting und Jitsi, erklärt er. Jitsi ist eine Open-Source-Software, die – ähnlich wie Skype oder Zoom – Videokonferenzen ermöglicht und auf der das Klassenzimmer von Lim-Tec basiert.

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Doch bei Meetzi kann man nicht nur per Videochat miteinander reden. Man kann auch gemeinsam an einem Textdokument arbeiten oder auf eine digitale Tafel malen. Noack betont die geringen Einstiegshürden seiner Software. Man könne Meetzi einfach und anonym im Browser bedienen, eine Registrierung sei nicht notwendig. Zudem laufen die Daten über deutsche Server.

Das Server-Management ist das eigentliche Kerngeschäft von LimTec. Das Unternehmen hat sich auf Serverlösungen für Cloud- und Shopsysteme spezialisiert. Gemeinsam mit zwei Schulfreunden habe er die Firma einen Tag nach seinem 18. Geburtstag gegründet, erzählt Noack. Während seines Informatik-Studiums an der Universität Augsburg lief die Firma weiter. Danach sei die Firma so groß gewesen, dass er direkt Vollzeit einstiegen sei, so Noack weiter. 2016 zog die Firma von Unterschleißheim nach Augsburg, auch weil weitere Kollegen von der Universität kamen. „Irgendwann waren die Augsburger im Team einfach in der Mehrheit“, sagt Noack. In Unterschleißheim sind noch die Server untergebracht, auf denen jetzt auch Meetzi läuft.

Ein Vorteil, der Andreas Müller von der dortigen Therese-Giehse-Realschule überzeugt hat. „Ich weiß, wo die Server stehen und dass die Datenschutzproblematik zu 100 Prozent abgeklärt ist.“ Als Beauftragter der Schule für Mebis, das Internetportal des bayerischen Kultusministeriums, sei er mit verschiedensten Möglichkeiten des Online-Lernens in Berührung gekommen. Meetzi bekomme die positivsten Reaktionen, sowohl von Lehrer wie auch von Schüler- und Elternseite, sagt Müller. Von der Software habe er auch durch persönliche Kontakte zu Noack erfahren.

Neben der stabilen Verbindung schätzt der 35-jährige Deutschlehrer vor allem, dass Meetzi auf Feedback reagiert habe. „Mittlerweile hat das Programm mehr Funktionen. Ich kann als Lehrer die Tafel sperren, sodass keiner meiner Schüler etwas löschen kann, und ich kann externe Inhalte wie Geo-Gebra oder Youtube-Videos einbinden.“ Müller zieht ein positives Fazit: „Das ist eine sehr coole und runde Sache, für eine Schule ideal einsetzbar.“

Doch nicht nur Schulen nutzen die Webanwendung von Lim-Tec. Auch die Mitgliederversammlung des Verbandes Deutsch-Japanischer Gesellschaften fand zuletzt über Meetzi statt. „Die Rückmeldungen der Teilnehmer – auch aus Japan – waren positiv bis begeistert“, sagt Daniel Beiter, der im Verband für IT-Fragen zuständig ist. Bereits zuvor seien Planungsgespräche der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Augsburg und Schwaben über das virtuelle Klassenzimmer gelaufen.

Wie die meisten verwendet auch die Deutsch-Japanische Gesellschaft das virtuelle Klassenzimmer kostenlos. „Wir sind sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit auch für ehrenamtlich Tätige gibt, die oftmals kein großes Budget haben“, so Beiter.

Meetzi soll auch kostenlos bleiben, versichert Noack. Doch langfristig will Lim-Tec mit dem virtuellen Klassenzimmer auch Geld verdienen. Deshalb können sich Schulen oder Firmen Meetzi auf die eigene Homepage und ins eigene Design integrieren lassen. „Aktuell zahlen wir noch drauf, wir hoffen aber, dass uns am Ende ein gewisser Prozentsatz bleibt, der auch die kostenpflichtigen Leistungen bucht.“

Nach Angaben des Unternehmens werden etwa 400 virtuelle Klassenräume pro Woche erstellt, 60 davon in der kostenpflichtigen Variante.

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