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Augsburg

29.11.2020

Adventssamstag in Augsburg: Einkaufen wird zur Geduldsprobe

Die Kunden der City-Galerie mussten am Samstag anstehen, um das Einkaufscenter betreten zu können.
Foto: Annette Zoepf

Plus An der City-Galerie in Augsburg heißt es am Samstag Anstehen, um Einlass zu erhalten. Wir sprachen mit Kunden und Händlern über die Corona-Maßnahmen und ihre Erwartungen.

Auf den ersten Blick ist am Samstag alles wie in den Jahren zuvor: Menschen laufen mit großen Einkaufstüten durch die Straßen, in der Hand den einen oder anderen Snack, manch einer verweilt sogar am Schaufenster. Auf den zweiten Blick machen sich schließlich die Unterschiede schnell bemerkbar. Die Passanten tragen Maske, Gastrobetriebe haben geschlossen oder bieten höchstens einen Verkauf zum Mitnehmen an und vor vielen Geschäften haben sich lange Schlangen von Menschen gebildet, die darauf warten, Eintreten zu dürfen. So auch bei der City-Galerie, wo sich die Reihe der wartenden Personen über den gesamten Willy-Brandt-Platz erstreckt. Da sich nach den verschärften Corona-Maßnahmen nur noch eine Person pro 20 Quadratmeter in dem Einkaufscenter aufhalten darf, müssen die Menschen warten, bis sie das Sicherheitspersonal hereinwinkt. Dazu braucht es vor allem eins: Geduld.

Am ersten Adventswochenende gab es Absperrungen und lange Warteschlangen vor dem Eingang zur City Galerie.
Foto: Annette Zoepf

„Ich warte jetzt schon 20 Minuten“, so Stefanie Besendorfer, die erst in der Mitte der Schlange steht. „Dabei brauche ich ja nur Druckerpatronen für die Arbeit.“ Dass so viel los ist, habe sie nicht gedacht. Gern gehe die 44-Jährige momentan nicht in die Stadt, da helfe auch Weihnachtsdeko nicht. „Es ist einfach kein Genuss. Es kommt auch keine gute Stimmung in der Stadt auf“, findet Besendorfer. Man könne sich nirgendwo hinsetzten und auch die Maske verhindere den Einkaufsgenuss. Hier vor der City-Galerie in einer Schlange zu stehen empfindet sie außerdem als wenig „sinnführend“, da der nötige Abstand nicht immer eingehalten werde.

City-Galerie: 30 Minuten Anstehen und noch nicht am Ziel

Schon fast 30 Minuten wartet eine junge Frau auf ihren Einlass. Sie möchte Geschenke kaufen. „Die, die jetzt in die Stadt kommen, versuchen eben, die lokalen Händler zu unterstützen, das mache ich auch“, sagt sie. „Aber man geht dieses Jahr zielgerichtet einkaufen, das gemütliche Bummeln fällt weg.“ Wer es in das Einkaufszentrum geschafft hat, muss dort teilweise auch noch vor den einzelnen Geschäften anstehen. „Mir macht das nichts aus“, sagt Florian Huber. Der 19-Jährige empfinde es sogar als angenehm, da man dieses Jahr wenigstens ohne Gedränge durch das Einkaufscenter laufen könne.

In der City-Galerie ist ausreichend Platz zwischen den Kunden.
Foto: Annette Zoepf
 

„Die Beschränkung der Fläche schmerzt, zumal wir ja vorher schon ein sehr gutes Hygienekonzept hatten“, sagt Axel Haug, Center-Manager der City-Galerie. „Eine Person pro 20 Quadratmeter - das bedeutet, dass jeder einen Abstand von fünf Metern zu seinen Mitmenschen hat“, erklärt Haug. Das erscheine ihm "recht übertrieben". Der Handel sei in diesem Jahr ohnehin stark gebeutelt. Umso glücklicher mache es den Center-Manager, dass die Bürger so viel Verständnis zeigten und sich bereitwillig in den Warteschlangen einreihten. „Die Menschen nehmen die Maßnahmen gut an“, findet er. Der Nachteil sei nur, dass sich die Kunden nach dem Anstehen länger in der City-Galerie aufhielten als sonst, was wiederum noch längere Wartezeiten für die anderen Personen bedeute. Am Ausgang der City-Galerie werden kleine Schokoladentäfelchen verteilt, ein kleiner Trost für das Warten.

Einkaufen: Vielen Kunden fehle die weihnachtliche Stimmung

Im Vergleich zu den Adventwochenenden in den vergangenen Jahren sei die Anzahl der Kunden deutlich reduziert, bestätigen Händler in der Innenstadt. Simone Nerdinger, Chefin der Confiserie Joh´s Becker am Judenberg, vermisst viele Kunden aus dem Umland. „Es kommen zwar Stammkunden, aber lange nicht so viele wie im letzten Jahr“, so Nerdinger. Die Menschen hätten Angst, vermutet sie.

Simone Nerdinger von "Joh´s Beckers Confiserie" merkt, dass sich das Kundenverhalten durch die Corona-Pandemie deutlich verändert hat.
Foto: Annette Zoepf

Es sei zwar mehr los als an den vergangenen Wochenenden, aber bislang würden die Kunden weniger Weihnachtsgeschenke kaufen, als viel mehr Süßwaren für den Eigenbedarf, um sich das erste Adventswochenende zu „versüßen“. Simone Nerdinger habe schon einige Gespräche mit Kunden geführt, die vor allem bemängelten, dass in der Stadt keine weihnachtliche Stimmung aufkäme. „Viele vermissen auch den Glühweinausschank, was ihrer Meinung nach einfach zum Weihnachtsbummel dazugehöre.“

Händler in Augsburg hofft auf den Dezember

Auch der Perlenmarkt in der Wintergasse hat es dieses Jahr nicht leicht. „Wenn es gut läuft, haben wir diesen November 40 Prozent vom Vorjahresumsatz und das wäre toll. Viele Kollegen trifft es aber noch härter“, sagt Inhaber Jochen Schwab. Dennoch scheint der Geschäftsmann zuversichtlich. „Wir sind immer das Geschenk in letzter Minute. Bei uns kommt es auf die Woche vor Weihnachten an“, sagt Schwab, der nun Hoffnungen in den Dezember steckt. Die Stimmung der Kunden, die in den Laden kommen, empfindet er als entspannt. „Man darf sich eben die Laune nicht verderben lassen.“

Lesen Sie dazu den Kommentar: Weihnachtseinkäufe: Der Kunde hat es in der Hand

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.11.2020

Die Warteschlange als Spreading Event.

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29.11.2020

Bei der City-Galerie mit Dutzenden von Einzelgeschäften war ein solcher Ansturm fast zu erwarten. Manche haben eben unbegrenzt Zeit und stehen gerne an. Ich nicht.

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29.11.2020

Gestern schrieben Sie noch:
"Die Orte wo es eng wird werden sehr sehr gering bleiben. An den meisten Einkaufspunkten wird es sehr sehr leer bleiben"

Sie drehen Ihr Fähnchen auch im Wind, wie es Ihnen gerade passt, nicht?

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30.11.2020

@Wolfgang B.
Kann mir nur Robert M.
Als ich am Samstag kurz vor Mittag im radio hörte, dass das Parkhaus voll und die Maximalanzahl erreicht ist und es Warteschlagen gibt, mußte ich an Ihren Beitrag denken. Aber um seine Kommentare von gestern gelich komplett zu vergessen muss man vermutlich wie Trump zu den "Extrem Priviligierten" gehören. Bekommen Sie die Corona-Impfung bevorzugt?

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29.11.2020

Nein Danke, dann eben nicht einkaufen in der Innenstadt. Den Online Handel nutzen. Soviel Lokalpatriotismus kann ich nicht aufbringen für sinnleeren Reglementierungen Berliner Polit Elite. Zwischendurch Hinsetzen und Kaffeetrinken geht auch ; dann bleib ich eben zu Hause- Kaffee aus der Küche und am Computer die Online Angebote nach Passendem absuchen ohne Maske und Türsteher. Ware kommt dann auch noch frei Haus.

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29.11.2020

So denke ich auch. Ich hab ja nichts gegen die Händler. Mein Protest richtet sich allein gegen die "sinnleeren Diktate" der Politik. Bis jetzt kostet dieses Verhalten wenigstens noch kein Bußgeld. Ich hoffe, ich hab da jetzt niemand einen Tipp gegeben, denn was in der Pandemie klappt ist der Bußgeldeinzug.

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29.11.2020

Verständlich, vor lauter Querdenken hat der eine und auch der eine andere natürlich keine Zeit den Einzelhandel zu stärkeren, den man doch auf den Demos als Grund gerne in den Vordergrund stellt.

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