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Augsburg

15.08.2016

Afraheim wird für die Renovierung geschlossen

Das Afraheim schließt Anfang 2017 wegen einer Generalsanierung für zwei Jahre.
Bild: SKF

Pflege Die Bewohner ziehen für zwei Jahre aus dem Domviertel ins Haus Lechrain in Lechhausen. Was bedeutet das Projekt für Senioren und Mitarbeiter?

Eine ungewöhnliche „Pflege-Wohngemeinschaft“ vereint das Afraheim des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) aus dem Domviertel und das Seniorenzentrum Lechrain der städtischen Altenhilfe in Lechhausen ab Februar 2017. 45 Bewohner des Afraheims ziehen für zwei Jahre ins Lechrain. Der SkF mietet dort eine ganze Etage an. Grund: Das 90 Jahre alte Gebäude im Kleinen Karmelitengäßchen muss generalsaniert werden. Die Kosten von über elf Millionen Euro bezahlt die Diözese Augsburg, der das Haus gehört. Der SkF versucht, die Folgen für Bewohner und Mitarbeiter möglichst verträglich zu gestalten. Und selbst das Haus Lechrain könne von der Lösung profitieren, hieß es bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Einrichtungsträger.

Bau steht unter Denkmalschutz

Die Baumaßnahme, der eine zweijährige Planungsphase voranging, wird nicht einfacher durch die Tatsache, dass der Bau aus dem Jahr 1928 unter Denkmalschutz steht. Allein drei Tiefkeller sind laut SkF-Geschäftsführerin Martina Kobriger bekannt. Dach und Fenster seien undicht, die Forderungen des neuen Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes nur bedingt umsetzbar. Vieles in dem Haus entspreche nicht mehr modernen Standards – bis hin zur Raumaufteilung und Größe der Zimmer. Der Bau muss entkernt werden, alle Leitungen werden neu verlegt. Kobriger weiß: „Das geht nur, wenn die Bewohner nicht im Haus sind.“ Lärm, Staub und Baufahrzeuge wären eine zu große Belastung für die Senioren, von denen viele dement sind, und auch für die Mitarbeiter. Ziel sei „ein neues Haus im alten Kleid“.

Die Suche nach einem Ausweichquartier gestaltete sich schwierig, denn nur wenige Bauten erfüllen die Pflegestandards. Die Einrichtung, die der SkF seit 1988 als Altenheim betreibt, hat 72 Plätze, davon 17 in der Gerontopsychiatrie. Momentan sind noch 64 belegt. Der SkF wurde schließlich im Haus Lechrain fündig, das die Stadt betreibt. Man sei sehr dankbar, dort eine Etage mieten zu können. Die städtische Altenhilfe tritt nicht erstmals als Vermieter auf. Im Servatiusstift (Antonsviertel) wohnen Menschen mit Behinderung während des Neubaus ihres Canisius-Hauses (Haunstetten).

Belegungsquote ist gestiegen

Sozialreferent Stefan Kiefer und Altenhilfe-Chefin Susanne Greger betonen, bei der Vermietung habe eine wichtige Rolle gespielt, dass der SkF ein gemeinnütziger Träger ist. Das Lechrain mit seinen 180 Pflegeplätzen hatte lange eine schlechte Belegungsquote. Mittlerweile sei diese auf 75 Prozent gestiegen und könnte weiter erhöht werden, so Greger. Trotzdem habe man sich für einen langsameren Aufbau entschieden. Sie denkt, dass die beiden Einrichtungen in Zeiten starker Umwälzungen im Pflegesektor voneinander lernen und beide profitieren können. Neben dem Pflege- und Wohnqualitätsgesetz steht schließlich auch das Pflegestärkungsgesetz im Raum, das neue Einstufungen bei den Pflegestufen mit sich bringen wird.

Der Umzug war dem SkF laut Kobriger auch wichtig, damit man die langjährigen Mitarbeiterinnen halten kann. Ohne sie wäre es schwierig, zwei Jahre später das Haus wieder aufzubauen. Rund 60 Kräfte hat das Afraheim nach Angaben seines Leiters Gerwin Pootemans; manche seien dort schon seit 35 Jahren tätig. Da nur 45 Senioren umziehen, werde man vielleicht bei einigen Mitarbeitern Stunden reduzieren müssen und bei befristeten Verträgen nicht verlängern können. Aber betriebsbedingte Kündigungen seien momentan nicht geplant.

Zuschuss von der Diözese

Leider könnten nicht alle Bewohner mit ins Lechrain. Den anderen werde man jedoch helfen, ein anderes Zuhause zu finden. Da die Zimmer in der Lechhauser Einrichtung größer, moderner und teurer sind, hat der SkF mit der Diözese ein Konzept erarbeitet, um die finanzielle Belastung der Senioren abzufedern: Sie müssen mehr zahlen, bekommen aber einen Zuschuss von der Diözese.

Auch für die „Sommerküche“ des Afraheims, die außer den Senioren 160 Kinder aus Kindertagesstätten beliefert, wurde eine Lösung gefunden. Sie mietet sich im Jakobsstift in der Altstadt ein. Dieses wird Ende Oktober geschlossen. Die Renovierung des teilweise denkmalgeschützten Baus hätte sich laut Kiefer nicht gelohnt. Als Nachfolge-Nutzung sind unter anderem Pflege-WGs oder Behindertenwohngruppen geplant.

Der Umzug der Senioren vom Afraheim ins Lechrain soll im Februar 2017, die Renovierung bis März 2019 beendet sein. Die Platzzahl wird in diesem Zuge auf 89 erhöht. Außerdem wolle die Einrichtung ihre Schwerpunktsetzung auf die palliative Betreuung und die Versorgung von alten Menschen mit Demenz ausbauen, hieß es bei der Pressekonferenz.

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