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Breitensport

06.11.2019

Albert Loderer: Der TSV Haunstetten ist sein Leben

2019: Am Donnerstag feiert Albert Loderer seinen 90. Geburtstag. Und immer noch ist er Stammgast in der Halle, die nach ihm benannt ist.
Bild: Siegfried Kerpf

Am Donnerstag wird Albert Loderer 90 Jahre. Sein Name ist untrennbar mit dem Verein verbunden. Bis 2003 leitete er die Geschicke. Heute ist er oft live dabei

Ein regnerischer Samstag im Oktober. Im Stadion an der Landsberger Straße kicken die Fußballer des TSV Haunstetten gegen den TSV Neusäß. Ein Derby. Auf der Tribüne der Sportanlage sitzt ein älterer, schlanker Mann mit grauen Haaren. Wie fast immer bei den Heimspielen des TSV Haunstetten. Auch bei den Handballern ist er Stammgast.

Dass er schnurstracks auf sein 90. Lebensjahr zusteuert, sieht man ihm nicht an. Auch wenn man sich mit ihm unterhält, vermutet man dies nicht, der Mann ist voll auf der Höhe des Geschehens. Es ist Albert Loderer, der Ehrenpräsident des TSV Haunstetten oder, wie viele behaupten, der "Mister TSV Haunstetten". Seit sagenhaften 80 Jahren ist er Mitglied in "seinem" Verein, am Donnerstag feiert er seinen 90. Geburtstag. Er ist, und das kann man mit fug und recht behaupten, eine lebende Legende.

1939 trat Albert Loderer dem TSV Haunstetten bei

Ortswechsel. Im heimischen Wohnzimmer, in dem auch ein Trimmgerät seinen Platz hat, erzählt Albert Loderer seine Geschichte. 1939 trat er in den TSV ein, spielte Fußball in der Jugendmannschaft. Seinen Vater verlor er im Krieg, nach dem Abitur 1950 begann er eine Lehre als Bankkaufmann bei der Dresdner Bank. Dem Geldinstitut blieb er bis 1989 treu, arbeitet dort viele Jahre als Direktor.

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Als er in den Vorruhestand ging, wurde aus seinem Engagement beim TSV Haunstetten ein Fulltime-Job. 35 Jahre führte er mit großer Energie einen der größten Augsburger Vereine, vorher war er Finanzexperte Fußball-Abteilungsleiter, Schriftführer, über Jahrzehnte Pressewart und kümmerte sich wie selbstverständlich bis vor einigen Jahren auch um den Rasen auf dem Sportgelände. Er führte 1972 den Trimmlauf ein, kam auch den sozialen Verpflichtungen des Großvereins nach. Er kümmerte sich um Zivildienstleistende und Drogenabhängige auf ihrem Weg zurück in ein normales Leben. Als Loderer 1968 an die Spitze des Vereins gewählt wurde, waren 2800 Personen in der Kartei gelistet. Später stieg die Zahl auf 4500, heute hat der Klub rund 3500 Mitglieder.

2003 Albert Loderer gibt sein Amt als 1. Vorsitzender ab.
Bild: Siegfried Kerpf

Eine vollautomatische Kegelanlage spülte Geld in die Kassen

Es waren zunächst harte Jahre, die er im Verein erlebte. Doch um gute Ideen war Albert Loderer nie verlegen. Ende der 1950er Jahre baute der Verein die erste vollautomatische Kegelanlage in Schwaben mit zwei Bahnen. Die Investition von 50.000 Mark lohnte sich, innerhalb weniger Jahre erwirtschaftete der Klub 250.000 Mark mit dieser Sportanlage. "Das war der Grundstock für wirtschaftlich bessere Zeiten", erzählt Albert Loderer, Man konnte den Tennisspielern aus der Klemme helfen, 1978 wurde die neue Anlage mit Frei- und Hallenplätzen, sowie einem Klubhaus fertiggestellt. "Gut angelegtes Geld", blickt das Geburtstagskind zurück.

1987 folgte dann das größte Projekt, der Verein baute an der Landsberger Straße eine Dreifach-Sporthalle, die nach ihm benannte Albert Loderer-Halle. Der Verein war nun für alle Hallensportarten hervorragend aufgestellt, gerade die Handballer erlebten in den folgenden Jahren einen regelrechten Boom. "Dass wir diese Halle bauen konnten, war in erster Linie ein Verdienst von Albert Loderer", erklärt Handballchef Herbert Vornehm, der den Ehrenpräsidenten seit gut 40 Jahren kennt. Auch Fußballchef Günther Schmidt ("ich kenne Loderer seit 50 Jahren") bezeichnet die Zusammenarbeit mit Multi-Funktionär Loderer als "sehr angenehm".

Freilich, es war und ist nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen in der Führungsetage des TSV Haunstetten. Dass die Fusion mit dem FC Haunstetten nicht zustande kam, war für Loderer die richtige Entscheidung. "Die Nachwuchsfußballer arbeiten gut zusammen, ansonsten pflegen wir jetzt eine gute Nachbarschaft", sagt er. Und auch den Bemühungen, eine weitere Sporthalle zu bauen, steht er kritisch gegenüber. Denn, um eine neue Sportstätte zu bauen, müsste der Fußballplatz verkauft werden und die alte TSV-Halle würde wohl der Spitzhacke zum Opfer fallen. Für Loderer ist dies kein Thema: "Die TSV-Halle ist die Seele des Vereins, der Platz seine Lunge", erklärt er. Basta. Gesundheitlich hat der Vater von drei Kindern und Opa von vier Enkelkindern, der viel mit dem Fahrrad unterwegs ist, seit mehr als einem Jahr Probleme. Die Schaufensterkrankheit (Gefäßerkrankung mit Schmerzen in den Beinen) macht ihm zu schaffen, das Gehen ist für ihn ab und an ein Problem.

Morgen hat der Verein zu einem Empfang für den Jubilar in die Albert-Loderer-Halle eingeladen. Dabei kann sich Loderer mit den Weggefährten vergangener Tage austauschen. Er wird sich freuen.

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