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Augsburg

19.04.2019

Anwohner fürchten die Leere im Schwabencenter

Viele Geschäfte im Schwabencenter stehen seit langem leer, nun will auch noch Edeka ausziehen.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Im Schwabencenter läuft es seit Jahren nicht mehr rund, nun will auch der Supermarkt ausziehen. Ein Nachfolger wird gesucht. Doch es gibt weitere Probleme.

Roland Walther ist wütend. 2005 hat er sich in einem der Hochhäuser beim Schwabencenter eine Wohnung gekauft. Alles schien perfekt: die Lage und die Einkaufsmöglichkeiten direkt in der Nähe. Doch nun reißen die schlechten Nachrichten aus dem Schwabencenter an der Friedberger Straße nicht ab: Der Edeka-Lebensmittelmarkt verlässt das Center, ebenso der Drogeriemarkt Rossmann und die Bäckerei Wünsche. "Die totale Misswirtschaft, die hier passiert", ärgert sich Roland Walther und fügt hinzu: "Ich bin sauer auf das Management, von dem niemand erreichbar ist."

Das Schwabencenter verliert zunehmend sein Kerngeschäft: die Nahversorgung. Tatsächlich war sie einmal das schlagkräftigste Argument dafür, im Schwabencenter Wohnungseigentum zu erwerben. Auch Appolonia Fiedler hat eine Wohnung dort, ihre Kinder haben sie ihr gekauft, "weil hier alles für mich erreichbar ist". Langsam aber wird es schwierig: "Jetzt, wo Edeka geht, wo soll ich denn einkaufen?"

Die Sanierung des Schwabencenters verzögert sich

Eigentlich sollte das Schwabencenter saniert werden, Mitte des Jahres sollten die Arbeiten starten. Es war geplant, die Passage zu verbreitern, Ladenflächen zu vergrößern, um sie für Filialisten interessanter zu machen, und alle Verkaufsflächen im Erdgeschoss zu konzentrieren. Vorgesehen war auch, das Schwabencenter, das künftig als "Forum Augsburg" firmieren soll, als Stadtteilversorgungs-Zentrum zu positionieren.

Denn auch Uwe Wegner von der Landholding Development AG (LDAG) Berlin, die von der Nanz-Investorengruppe mit dem 50 Millionen-Umbau des Schwabencenters betraut ist, bezeichnet die Nahversorgung als Alleinstellungsmerkmal des Zentrums. Er versichert: "Wir versuchen, einen Nachfolger für Edeka zu finden." Wie das funktionieren soll, ist allerdings nicht klar, denn das von der LDAG beauftragte Büro des Centermanagements ist seit Anfang April nicht mehr besetzt.

Etwas verklausuliert wird das von Uwe Wegner auch bestätigt: Das Schwabencenter werde nur noch kommissarisch verwaltet, sagt er – ohne diese Aussage zu präzisieren. Dass sich der geplante Umbau des Centers nun wieder verzögert, erklärt Wegner mit dem veränderten Kaufverhalten der Kunden durch den Onlinehandel. "Der Vermietungsmarkt hat sich verändert, weil der Online-Konkurrent uns Kopfzerbrechen bereitet. Dies gilt besonders für den Textilbereich und die Branche Unterhaltungselektronik, von denen wir uns ausgerechnet haben, dass sie ins Schwabencenter kommen."

Das Schwabencenter verliert zunehmend sein Kerngeschäft: die Nahversorgung.
Bild: Bernd Hohlen

Für Klaus Hollmann, 82, der in einem der Hochhäuser wohnt, sind das keine neuen Erkenntnisse. Der ehemalige Bauplaner sieht die teuren Erweiterungspläne fürs Schwabencenter wegen des Onlinehandels ohnehin sehr kritisch. Er hat einen anderen Vorschlag: "Bloß keine Vergrößerung der Passage." Stattdessen wünscht er sich auf dem Oberdeck neuer Parkgaragen Betreutes Wohnen oder ein Mehrgenerationen-Wohnhaus. Hollmann verweist auf das "Albaretto-Projekt" in der Bürgermeister-Ackermann-Straße, wo dies gut funktioniere.

Nahversorgung für die Anwohner kann auch kleinteiliger sein

Eine Planung, die Angela Kemming von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die das Sozialzentrum Herrenbach betreut und ihr Büro im Schwabencenter hat, gefallen könnte. Sie sagt: "Eine zweite City Galerie ist nicht notwendig. Die Leute, die hier wohnen und aus der Umgebung kommen, brauchen eine Nahversorgung und die kann auch kleinteiliger sein." Die Vorstellungen der LDAG gehen aber wohl in eine andere Richtung: "Es sollen in Zukunft weniger Geschäfte sein, dafür aber größere", sagt Wegner. Wie das alles zusammengehen soll, bleibt ungewiss.

Der Edeka-Lebensmittelmarkt verlässt das Center.
Bild: Silvio Wyszengrad

Gisela Mayo wohnt schon lange am Schwabencenter. Auch sie sagt: "Das Wichtigste hier ist der Supermarkt und das hat ja nichts mit Onlinehandel zu tun." Tatsächlich treffen hier zwei Welten aufeinander: Die Bewohner in und um das Schwabencenter, die mit dem Herzen argumentieren und ein soziales Miteinander bevorzugen, und die Investoren, die aus dem maroden Center ein florierendes "Einkaufs-Forum" machen möchten.

Spricht man mit den Händlern im Center, sind nur die Apotheke Don Bosco, Optiker Gronde und die Wöhrl Handels Gmbh, die das Lotto- und Zeitschriftengeschäft betreibt, bereit, ein Bekenntnis für die Zukunft im Schwabencenter abzugeben. Zwei weitere Geschäfte, die nicht genannt werden möchten, denken darüber nach, das Einkaufszentrum zu verlassen. Andere Ladeninhaber äußern sich gar nicht.

Händler investieren nicht, ohne die Zukunft zu kennen

Rainer Süßbauer, Geschäftsführer der Firma Wöhrl, sagt: "Wir haben insgesamt 18 Filialen in Bayern. Wir schließen Verträge über zehn Jahre ab. Es ist normal, nach dieser Zeit dann das Geschäft zu modernisieren. Wir haben aber den neuen Mietvertrag mit dem Schwabencenter zurückgegeben. Wir investieren keine sechsstellige Summe, ohne zu wissen, wie es weitergeht", sagt Süßbauer. Seine Aussage dürfte für viele gelten, die das Schwabencenter bereits verlassen haben. Wie geht es nun weiter? "Das Center steht für uns nicht infrage, bekräftigt Wegner. "Spätestens in drei, vier Monaten, maximal zum Jahresende, gehen wir mit konkreten Meldungen an die Öffentlichkeit", sagt er. "Wir wollen ja keine heiße Luft verbreiten."

Lesen Sie hier den Kommentar von Nicole Prestle: Schwabencenter: Fehler liegen im Management

In unserem neuen Podcast "Augsburg, meine Stadt" hören Sie, wie sich der Einzelhandel in Augsburg entwickelt:

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19.04.2019

Der Wert des Schwaben- Center definiert sich alleine noch über den Grundstückswert. Die Häuser in Ihrer Baustruktur sind veraltet. Jeder Euro der da noch investiert wird ist einer zuviel. Über die Ladenpassage braucht man nicht mehr zu reden.

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