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Kultur

05.02.2015

Architekten prüften Abriss

Wie lange wird man hier noch ins Theater gehen? 2016 muss das Große Haus voraussichtlich geschlossen werden. Doch die Sanierung wird teurer als gedacht. Wie es nun weitergeht, ist offen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Sanierung des Theaters wird teuer. So teuer, dass die Stadt sie sich alleine nicht leisten kann. Nun wird überlegt, welche Lösungen es geben könnte

Der Schock über die Kosten der Theatersanierung sitzt tief: 118 Millionen müssen ins Große Haus investiert werden, weitere 70 bis 90 Millionen kämen für den Neubau von Werkstätten und Probebühnen dazu. Die Sanierung – seit den 80er Jahren viel diskutiert, aber nie so greifbar wie jetzt – scheint damit wieder ins Wanken zu geraten.

Schuld ist die angespannte Finanzlage Augsburgs: Die Stadt hat für eine so große Investition in ein Einzelprojekt nicht genug Geld. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Freistaat die Höchstförderung von 45 Prozent zugesagt hat. Denn da nicht alle Ausgaben gefördert werden, blieben trotz des Zuschusses allein fürs Große Haus noch rund 80 Millionen Euro an der Stadt „hängen“. Diese Summe würde auf vier bis sechs Jahre verteilt.

Wie viel Geld das ist, machen Vergleiche deutlich: Für die Erneuerung städtischer Schulen mit einem Gesamtvolumen von 26 Millionen Euro muss Augsburg dieses Jahr bereits 21 Millionen Schulden aufnehmen. Für alle Bereiche – Kultur, Bildung, Straßenbau, Umwelt... – stehen dieses Jahr 80 Millionen Euro an Investitionen im Etat. Damit ist nur ein Bruchteil der Maßnahmen bezahlt, die zu bewältigen wären.

Hinter den Kulissen wurden unter Politikern und Kulturschaffenden gestern viele Lösungen diskutiert. Käme es billiger, das Große Haus abzureißen und ein neues Theater zu bauen? Das Planungsbüro Achatz hat diese Variante laut Baureferent Gerd Merkle geprüft. Problematisch sei, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht. „Die zuständige Behörde würde einen Abriss nie genehmigen“, sagt Merk-le. Zudem käme ein Neubau nicht billiger: „Das Musiktheater Linz, eine vergleichbare Bühne, kostete 180 Millionen Euro.“ Die Ausgaben für den Abbruch des Großen Hauses kämen in Augsburg noch dazu.

Interessant erscheint vielen nun wieder eine Verstaatlichung des Theaters. Es würde damit in die Trägerschaft des Freistaats übergehen, der dann auch für den Bauunterhalt zuständig wäre. Diese Möglichkeit wurde oft diskutiert. Im Fall der Stadt- und Staatsbibliothek löste die Verstaatlichung vor Jahren die Geldsorgen der Stadt. Die letzte Übernahme eines kommunalen bayerischen Theaters durch den Freistaat gab es 2003: Damals übernahm das Land Bayern das Nürnberger Dreispartenhaus.

Denkbar für Augsburg ist auch, dass die Feuerwehr über 2016 hinaus Sondergenehmigungen für den Spielbetrieb gibt. Das Sanierungsproblem wäre damit aber nicht gelöst, es wäre aufgeschoben. Merkle betonte gestern auf Nachfrage, dass es sich bei den aktuellen Plänen nicht um eine „Luxuslösung“ handelt: Um die behindertengerechte Sanierung, die Ertüchtigung des Bühnenturms und die Neuordnung von Werkstätten und Probebühnen komme man nicht herum. „Von all diesen Dingen hängt die Spielfähigkeit des Theaters ab.“

Egal, wie es mit der Sanierung nun weitergeht, eine Entscheidung ist aber offenbar gefallen: Die Kongresshalle soll während der Theaterschließung zur Ersatzspielstätte werden. "Seite 14

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