Nach jahrelangen Verhandlungen und mehrmonatigen Verzögerungen haben Stadt, Stadtwerke und Bahn am Donnerstag den Vertrag zum Umbau des Hauptbahnhofs geschlossen. Die Arbeiten zur Untertunnelung des Bahnhofs für Tram und Fußgänger von der Innenstadt hinüber ins Thelottviertel laufen allerdings schon seit vergangenem Sommer auf vollen Touren. Erst jetzt wurde abschließend geregelt, wie die Kosten zwischen den Partnern aufgeteilt werden.
Stadt und Bahn veröffentlichten dazu am Donnerstag eine vierseitige Presseerklärung, die aber konkrete Fakten schuldig bleibt. Weder zu den aktuellen Gesamtkosten des Projekts noch zur Aufteilung wurde etwas bekannt. Nach Informationen unserer Zeitung geht man inzwischen aber von deutlichen Teuerungen aus.
114 Millionen Euro Baukosten
Baustellen: Großprojekte in der Region
Die A 8 ist eine der längsten Baustellen Bayerns. Bis zum Jahr 2010 wurde die Strecke zwischen München und Augsburg sechsspurig ausgebaut. Seit Herbst 2011 ist das 41 Kilometer lange Teilstück zwischen Augsburg und Günzburg an der Reihe. Bis zum Jahr 2015 sollen die Arbeiten dort abgeschlossen sein.
Der Ausbau der A 8 stellt die Planer vor besondere Herausforderungen, weil sich auf dem Abschnitt zwischen Augsburg und Günzburg rund 50 Brücken befinden. Außerdem entstehen auf dieser Strecke drei neue Parkplätze bei Horgau, Zusmarshausen und Scheppach und die Raststätte bei Burgau soll ausgebaut werden.
Die Pläne zur Elektrifizierung der Allgäubahn, der rund 220 Kilometer langen Zugstrecke zwischen München und Lindau, reichen bis ins Jahr 1978 zurück. Jedoch wurde die Umsetzung dieses Projekts bisher immer wieder verschoben.
Dennoch wird entlang der Allgäubahn wohl schon bald eine weitere Großbaustelle in Bayern entstehen. Die Deutsche Bahn rechnet mittlerweile damit, die Elektrifizierung der Stecke bis zum Jahr 2020 umzusetzen. Mit knapp 300 Millionen Euro wird der Ausbau allerdings um ein Drittel teurer als ursprünglich geplant.
Die Neugestaltung des Königsplatzes ist momentan Augsburgs Brennpunkt Nummer Eins. Der Umbau findet im Rahmen des größeren Projekts Augsburg City statt. Im Zuge dessen soll Augsburg für den Nahverkehr attraktiver gestaltet werden: Der Bahnhof wird umgebaut und erweitert, es entstehen neue Straßenbahnlinien und es soll künftig eine S-Bahn Augsburg eingerichtet werden.
Der Umbau des Gleisdreiecks am Augsburger Königsplatz startete im Mai 2013. Ziel der Planer ist es, eine moderne "Mobilitätsdrehscheibe" zu schaffen, die mit längeren Bahnsteigen mehr Platz für die einfahrenden Busse und Straßenbahnen bietet. Außerdem soll der Autoverkehr zu entzerrt und mehr Sicherheit für Passanten geschaffen.
Die Großbaustelle Stuttgart 21 ist eines der umfassendsten Projekte in der weiteren Region. Dabei wird der Stuttgarter Kopfbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof umgebaut und die Gleisanlagen werden unterirdisch neu verlegt. Infolge von Fehlplanungen und unerwarteten Mehrkosten beläuft sich das Projekt mittlerweile auf eine Summe von rund 6,8 Milliarden Euro.
Im Zug des Projekts Stuttgart 21 wird die Bahnstrecke zwischen der württembergischen Landeshauptstadt und Augsburg neu ausgebaut. Vorgesehen ist neben weiteren Gleisen unter anderem, den Abschnitt zur Schnellfahrstrecke mit Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern auszubauen.
Eine aktuelle Kostenschätzung veranschlagt demnach Baukosten in Höhe von 114 Millionen Euro. Zu Planungsbeginn des Projekts 2006 lagen die Schätzungen noch bei rund 70 Millionen Euro. Doch steigende Baupreise, die zusätzliche Ausstattung der Bahnsteige mit Rolltreppen sowie die Wendeschleife trieben die Kosten bekanntlich auf zuletzt 104 Millionen Euro (Stand Ende 2011). Inzwischen scheint das nicht mehr zu halten zu sein. Zu den aktuell geschätzten 114 Millionen Euro kommen außerdem noch Planungskosten im Millionenbereich hinzu. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es am Donnerstag nicht.
Bund und land schießen 83 Prozent an Baukosten zu
In der Kreuzungsvereinbarung wurden offenbar zur Kostenaufteilung zwischen Stadt, Stadtwerken und Bahn keine konkreten Summen, sondern Prozentanteile für einzelne Bauabschnitte und -maßnahmen festgeschrieben. Zudem fließen 83 Prozent Zuschuss vom Bund und Land, wobei für bestimmte Baumaßnahmen innerhalb des Gesamtpakets keine Zuschüsse fließen dürfen. Das macht die Berechnung kompliziert. Zuletzt scheint der Stand aber gewesen zu sein, dass Bahn und Stadtwerke faktisch jeweils gute 20 Millionen Euro zu bezahlen haben, die Stadt etwa zwei Millionen bezahlt. Hintergrund: Die Bahn muss den Bahnhof barrierefrei machen und dafür Aufzüge einbauen. Die Stadt kommt lediglich für Fußgängertunnel und die Gestaltung des Tunnelausgangs am Buchegger-Platz auf. Der Löwenanteil entfällt auf die Stadtwerke für die Untertunnelung mit unterirdischer Haltestelle für die Tram. Dafür fließen aber satte Zuschüsse. Nicht enthalten in der Rechnung sind die Kosten für den neuen Nahverkehrsbahnsteig F, für den aber die Bahn aufzukommen hat.
Wer zahlt für die Oberleitungen?
Zuletzt stockten die Verhandlungen zwischen Bahn und Stadt deshalb, weil die Bahn überraschend Kosten für eine Sanierung der Oberleitungen im Bahnhofsbereich auf Stadt und Stadtwerke abwälzen wollte. Im Zuge der Baumaßnahmen müssen die Seilkonstruktionen teilweise demontiert werden, allerdings scheinen diese ohnehin in die Jahre gekommen zu sein. Allerdings scheinen diese Forderungen großteils abgewehrt zu sein. Das Ende der Verhandlungen ist aber noch nicht erreicht: Wie im Detail gebaut wird, muss zwischen Stadtwerken und Bahn noch geregelt werden.