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Kolumne "Mein Augsburg"

18.04.2019

Augsburg blüht auf - auch wegen eines Kieferchirurgen

Kieferchirurg Ernst Heissler pflanzt in seiner Freizeit gerne Blumen auf öffentlichem Gelände an - wie hier an der Konrad-Adenauer-Allee.
Bild: Ina Marks

Gerade im Frühling begeistert die Farbenpracht der Blumen in der Stadt. Was ein Augsburger Kieferchirurg mit einem Klappspaten damit zu tun hat.

In einer Zeitschrift stieß ich neulich auf eine interessante Grafik. Sie zeigte die Blumenladendichte in großen deutschen Städten auf. Natürlich wanderte mein Blick auf der Karte nach unten in den Süden. Hoi, dachte ich mir erstaunt, Augsburg zählt demnach zu den Städten mit der geringsten Blumenladendichte. Sofort ging ich in Gedanken die Blumengeschäfte im Herzen der Innenstadt durch.

Die schönen Läden auf dem Stadtmarkt fielen mir auf Anhieb ein, Blumen Iwan in der Barfüßerstraße und die Frau mit den rot geschminkten Lippen und der schwarzen Brille, die immer so freundlich aus ihrem Verkaufsfenster am Moritzplatz schaut. Olga Albrecht heißt sie und verkauft seit 19 Jahren in dem Mini-Laden unter den Arkaden frische Schnittblumen. Dabei will die 49-Jährige immer genau wissen, für wen die Blumen zu welchem Anlass gedacht sind. Da lege sie viel Wert darauf, schließlich wolle sie den Geschmack des Blumenempfängers treffen, sagt Olga Albrecht. Hoppladihopp geht da nichts. Das ist gut so. In den persönlichen Gesprächen kann man von der Fachfrau viel lernen. Etwa, dass ich schon häufig ungerecht gegenüber Blumenverkäufern war.

Olga Albrecht verkauft seit 19 Jahren Blumen am Moritzplatz.
Bild: Ina Marks

Warum sich Tulpen in der Vase gerne hängen lassen

Immer wieder ärgerte ich mich, wenn Tulpen recht schnell die Köpfe aus der Vase hängen ließen. Sch ... Qualität dachte ich dann. Falsch gedacht. Tulpen können in der Vase nachwachsen, erklärt Olga Albrecht. Man muss sie nur nachschneiden, dann lassen sie sich auch nicht hängen. Mea culpa. Zudem erfahre ich, dass die Tulpenzeit nun bald vorbei ist. Aber zum Glück blühen sie noch schön an manchen Augsburger Stellen, wie etwa Am Schwall im Lechviertel. Ich gehe davon aus, dass die Stadt die pinken Blumen dort angesät hat. Schließlich kann nicht hinter allen Blumen ein gewisser Zahnchirurg stecken.

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Diese prächtigen Blumen verschönern gerade die Altstadt.
Bild: Ina Marks

Ein Kieferchirurg, der abends mit dem Klappspaten in Augsburg unterwegs ist

Man möchte meinen, dass Ernst Heissler als Ärztlicher Leiter der Zahnklinik Amedis an der City-Galerie schon genug zu tun hat. Mit abgestorbenen Zahnwurzeln und solchen Dingen. Aber der Mediziner hat nebenbei eine Leidenschaft für ein ganz anderes Wurzelwerk. Ernst Heissler pflanzt gerne Blumen an. Nicht nur auf seinem Privatbalkon, sondern auch heimlich in öffentlichen Grünanlagen. Wie etwa auf dem Rasenstreifen zwischen Schießgrabenstraße und Konrad-Adenauer-Allee.

Dort blühen derzeit Heisslersche Hyazinthen und Glockenblumen, die auf seine Schneeglöckchen und Krokusse gefolgt sind. Angepflanzt hatte er sie im vergangenen Herbst. Mit einem Klappspaten machte sich der Kieferchirurg nach der Arbeit in der Dunkelheit auf. „Klar, schauen mich manche komisch an, wenn sie vorbeikommen“, sagt der 59-Jährige. Er lacht: „Wahrscheinlich glauben sie, ich vergrabe einen toten Hund oder noch Schlimmeres.“ Was den Guerilla-Gärtner antreibt?

Er habe mal einen Artikel gelesen über Menschen, die in Straßenlöchern von New York Blumen anpflanzen. Heissler fand das toll. Im Augsburger Asphalt gebe es zwar selten Löcher, dafür seien manche Grünanlagen öde. Wie an der Adenauer-Allee. Bis zu 150 Krokuszwiebeln habe er dort im letzten Herbst eingegraben. Unlängst warf er Wildblumensamen an der Gögginger Brücke aus. Man sollte mal die reine Blumendichte der deutschen Städte vergleichen. Mit Ernst Heissler läge Augsburg bestimmt weiter vorne.

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