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Energie

27.09.2013

Augsburg wird zum Kraftwerk

Die Stadtwerke arbeiten an einem "intelligenten" Stromnetz. Erzeugung und Verbrauch sollen durch Computer besser gesteuert werden. Vor allem in Zeiten, in denen kein Strom durch Sonne oder Wind entsteht, ist das nützlich

Sie stehen in Kellern von Wohnanlagen, Altenheimen und Schulen: In Augsburg gibt es 68 Blockheizkraftwerke – kleine Energiezentralen, die Strom und Wärme für Haus und Straßenzug produzieren. Künftig sollen sie per Computer zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet werden. Es ist der erste Schritt zum Stromnetz der Zukunft. Wenn kein Strom aus Sonne und Wind zur Verfügung steht, soll das übers ganze Stadtgebiet verteilte Kraftwerk zumindest einen Teil dieser Energie ersetzen.

Es ist eine der Fragen der Energiewende, wie diese Lücke gefüllt werden soll. In Augsburg wollte zuletzt ein Amerikanisch-schweizer Investor ein Gas-Großkraftwerk mit bis zu 500 Megawatt Leistung bauen, das bei wolkenverhangenem Himmel und Windstille Ökostrom ersetzen sollte. Es scheiterte am politischen Widerstand. Unter anderem hatten Globalisierungskritiker gefordert, auf dezentrale Anlagen zu setzen. Die sind allerdings deutlich kleiner.

In einem ersten Schritt wollen die Stadtwerke nun 20 ihrer rund 30 Blockheizkraftwerke zusammenschalten – macht ein gutes Megawatt Leistung. „In ein paar Jahren könnte es das Vielfache sein“, sagt Karl-Heinz Viets von den Stadtwerken. Zum Vergleich: Das Hochablass-Kraftwerk, das Ende 2013 laufen soll, hat eine Leistung von 2,3 Megawatt. Die wird es, wenn genug Wasser vorhanden ist, rund um die Uhr liefern.

Augsburg wird zum Kraftwerk

Die kleinen Keller-Kraftwerke laufen hingegen nur zu Spitzenzeiten. Sobald Verbrauchsspitzen absehbar sind, die nicht mit Sonne und Wind abdeckbar sind, werfen die Stadtwerke per Computersteuerung die Blockheizkraftwerke an. Mittelfristig wollen sie auch private Betreiber ins Boot holen – dann wäre die mehrfache Leistung des Hochablass-Kraftwerks drin. Insgesamt dürfte es in Augsburg um die 300 Gebäude geben, für die sich ein Blockheizkraftwerk lohnen würde.

Dafür dürfen die Anlagen aber nur wenige Stunden pro Tag laufen – nämlich dann, wenn Strom im Einkauf teuer ist. Zudem erzeugen Blockheizkraftwerke immer auch ein Mehrfaches an Wärmeenergie – zu viel, um auf einmal für Heizung und Warmwasser verbraucht zu werden. Jedes Blockheizkraftwerk hat darum einen Pufferspeicher, in dem Wärmeenergie zwischengelagert werden kann. „Die Kunst ist, dass der Puffer in der stromarmen Zeit gefüllt wird“, sagt Viets. Dafür müssen Strompreis, -bedarf und Pufferkapazität unter einen Hut gebracht werden. Vor allem dürften die Anlagen morgens und mittags in den Verbrauchsspitzen laufen.

Nicht nur auf der Erzeugungsseite, auch auf der der Verbraucher versuchen die Stadtwerke, mehr Flexibilität ins Netz zu bekommen. In einem Gewerbegebiet in Haunstetten ist geplant, überschüssigen Strom zur Kühlung von Gebäuden zu verwenden. Langfristig wären solche Modelle auch für normale Verbraucher denkbar. Zeitlich flexible Verbraucher wie Wasch- oder Spülmaschinen könnten so programmiert werden, dass sie laufen, wenn Strom billig ist. Dazu müssten alle Haushalte digitale Stromzähler und Datenleitungen haben.

Die Lechwerke sind schon etwas weiter

Die Lechwerke als zweiter Grundversorger der Region sind schon weiter. In der Siedlung Wertachau bei Schwabmünchen läuft seit 2012 ein Pilotprojekt. Alle 100 teilnehmenden Haushalte sind mit einem Zentralrechner verbunden, der die Übersicht über Stromangebot und -nachfrage hat. Allerdings sind „intelligente“ Haushaltsgeräte noch selten.

Insgesamt, so Stadtwerke-Geschäftsführer Claus Gebhardt, diene das Stadtwerkeprojekt dazu, den Strompreis für die Kunden nicht zu stark steigen zu lassen: „Zu Spitzenzeiten kann der Strom im Einkauf für uns das Zehnfache des Normalpreises kosten.“ Selber produzieren sei günstiger. Die nächste Strompreiserhöhung kommendes Jahr ist aber dennoch absehbar. Mitte Oktober wird die Bundesnetzagentur bekannt geben, was an EEG-Umlagen auf die Stromverbraucher zukommt. Dann wird das Rechnen bei den Stromversorgern losgehen. Immerhin: Bei Gas und Wasser soll es zum 1. Januar keine Erhöhung bei den Stadtwerkekunden geben.

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