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Augsburg

30.05.2017

Augsburger Mozartfest: Dieser Neustart ist gelungen

Am Wochenende ging das Augsburger Mozartfest zu Ende. Eine neue Handschrift ist nicht zu übersehen. Aber war 2017 tatsächlich so viel anders als in früheren Jahren?
Bild: Christian Minkel

Im Kongress am Park ging das Augsburger Mozartfest zu Ende. Eine neue Handschrift ist nicht zu übersehen. Aber war 2017 tatsächlich so viel anders als in früheren Jahren?

Mehr als eine Woche lang hatte man ihn vor Augen, diesen Spruch auf den magentafarbenen Bannern, die von den Mozartfest-Bühnen herab dem Publikum entgegenleuchteten. „Deutsche Mozartstadt Augsburg“ stand darauf zu lesen, sowie, in extra dicken Lettern und ausgewiesen als Zitat, „Vaterstadt meines Papa“. Mozart über Mozart, Wolfgang Amadeus über das Augsburg seines Vaters Leopold. Klingt süß. Doch die Festivalveranstalter dürften damit vor allem einen Appell verbunden haben: Augsburger, seid stolz auf die familiären Mozart-Bande eurer Stadt! Richtig so, möchte man hinzufügen – nach Abschluss eines Mozartfests, das in diesem Jahr einen Neustart hinlegte, von dem sich sagen lässt: Er ist gelungen.

Wann aber ist ein Musikfestival gelungen? Zunächst einmal dann, wenn die Konzerte hervorragend sind. So wie das Abschlusskonzert des Mozartfests am Sonntagabend im Kongress am Park. Strawinskys Konzert in D zu Beginn plätscherte noch etwas gediegen. Dann aber, in Mozarts Sinfonia concertante in Es, legten die Augsburger Philharmoniker unter Domonkos Héja einen Zahn zu, denn nun galt es auch, zwei exzellenten Solisten auf Augenhöhe zu begegnen: dem Geiger Alexander Sitkovetsky und dem Bratschisten Georgy Kovalev. Die beiden, Stipendiaten der Streicher-Kaderschmiede in Kronberg, sind nicht nur absolute Könner am Instrument, sie verstehen sich vor allem auf ein Spiel voller Ausdrucksgehalt und tönender Rede, Eigenschaften, die aufs Schönste Mozarts ingeniöses Andante bestimmten.

Kein Komponist hätte besser zum Festivalmotto "Spurensuche" gepasst als Richard Strauss

Im zweiten Teil des Programms Richard Strauss: Welcher Komponist läge dem Festivalmotto „Spurensuche“ näher, wenn man die „Spur“ auf der Zeitachse nach Mozarts Tod weiterverfolgt? Noch dazu mit einem Werk, das die Idee des Konzertierens von Orchester und gedoppeltem Soloinstrument, vorgebildet in Mozarts Sinfonia concertante, aufgreift? „Don Quixote“ also, Strauss’ „Fantastische Variationen“, angelehnt an die Abenteuer der berühmten Cervantes-Figur. Und am Solocello, dem instrumentalen Äquivalent des tragikomischen Ritters, Steven Isserlis, einer der großen Cellisten unserer Tage.

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Der versteht den Quixote alles andere als einseitig verschroben. Isserlis zeichnet über weite Strecken einen empfindsamen, hoch differenzierten Charakter, grüblerisch, tiefsinnig, auch schwelgerisch – um immer wieder explodierend (und damit auch diese Facette Quixotes beleuchtend) die nächste Attacke auf den Saiten zu reiten. Gewollt besänftigend schaltete sich dann Bratschistin Ziyu Shen als tönend präfigurierter Sancho Pansa ein, während Domonkos Héja und die Philharmoniker für pralle Szenenbilder sorgten. In solistischer Hinsicht ein glanzvoller Abend. Schade, dass man Isserlis nicht noch bei weiterer Konzertgelegenheit erleben durfte.

Das letzte Wochenende des Mozartfests war was für Cello-Liebhaber

Und doch kamen gerade die Cello-Liebhaber am letzten Festival-Wochenende gehörig auf ihre Kosten. Am Freitag war der nicht weniger phänomenale Maximilian Hornung ein weiteres Mal zu hören, wiederum im Goldenen Saal, diesmal jedoch nicht im Trio, sondern im Quintett mit Sarah Christian und Antje Weithaas an den Violinen und Nils Mönkemeyer und Jano Lisboa an den Bratschen. Ein All-Star-Treffen, bei dem Quintette von Mozart (KV 515), Mendelssohn (op. 87) und Brahms (op. 111) erklangen. Wie nicht anders zu erwarten bei solcher Instrumentalisten-Power, legte sich ein jeder mächtig ins Zeug, war die blanke Spielfreude bestimmender Faktor der Interpretation – stand aber auch das individuelle Aus-sich-Herausgehen mehr im Vordergrund als das kollektive Strukturieren und Differenzieren. Das war mitreißend über zwei Stunden hinweg, auch wenn der ein oder andere Streckenabschnitt dann doch etwas monochrom blieb.

Am Samstagabend waren Cello und Mozartfest dann von ganz anderer Seite zu erleben beim „Celloclubbing“ in der Mahagoni Bar. Vier Celli – wiederum Maximilian Hornung sowie Kollegen vom BR-Sinfonieorchester –, dazu Live-Elektronik von Julian Maier-Hauff: Das ließ sich auch zeitgleich am Radio auf BR Klassik mitverfolgen. Flippige Cello-Bearbeitungen gab es hier zu hören, dazwischen mixte Maier-Hauff Cello-Schnipsel hinein in synthetische Sounds, und natürlich durfte zum Schluss eine Apocalyptica-Nummer, Metallicas „Creeping Death“, nicht fehlen. Zustimmendes Gejohle im Club und Applaus-Geprassel und Bravi in der Kongresshalle, im Kleinen Goldenen Saal und auch in den übrigen Konzerten.

Ein Mozartfest also, das ankam beim Publikum. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, doch von den 13 Konzerten waren mehrere ausverkauft, selbst der große Kongresssaal war mit mehr als 1000 Besuchern am Sonntag so gut wie voll. Was war nun anderes bei diesem Mozartfest im Vergleich zu den Vorgängern der letzten Jahre? Eigentlich nicht viel. Hochmögende Musiker und starke Konzerte, ja sogar Klub-Events gab es auch bisher schon. Aber vielleicht ist es so, dass mit dem neuen und jungen Mozartbüroleiter Simon Pickel und seinem engagierten Festivalteam ein frischer Wind eingezogen ist, der zumindest in Ansätzen auch nach außen zu verspüren ist – und somit letztlich auch das Festivalpublikum erfasst. In der Gunst der Besucher dürfte das städtische Mozartfest nun jedenfalls mit dem privat veranstalteten Festival Mozart@Augsburg gleichgezogen haben.

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