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Augsburg

12.06.2019

Buchsbaumzünsler ruiniert Grabeinfassungen am Westfriedhof

Der Buchsbaumzünsler macht auf dem städtischen Westfriedhof in Augsburg Probleme.
Bild: Ingrid Bergmann-Ehm

Plus Eine Augsburgerin ist schockiert über Raupenplage auf dem Westfriedhof. Nicht nur dort ist der Schädling unterwegs.

Ingrid Bergmann-Ehm besucht regelmäßig das Grab ihres Mannes auf dem städtischen Westfriedhof. Als die Augsburgerin kürzlich wieder mit ein paar Blümchen vorbeikam, bot sich ihr ein schockierender Anblick: Die grüne Grabeinfassung hatte sich innerhalb von vierzehn Tagen in ein abgefressenes braunes Gespinst verwandelt. „Mich hat fast der Schlag getroffen“, sagt Bergmann-Ehm. Und das war noch nicht alles.

Die Augsburgerin sah sich die umliegenden Gräber am Friedhof genauer an. Sie stellte fest, dass alle Einfassungen aus Buchsbaum von einem Schädling praktisch komplett vernichtet worden waren. Übeltäter war in diesem Fall der Buchsbaumzünsler – ein ostasiatischer Kleinschmetterling, der vor Jahren nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde und sich auch in Deutschland ausbreitet. In diesem Sommer richtet der Buchsbaumzünsler in Augsburg und im Umland offenbar viel Schaden an.

Die Besitzer der Grabeinfassungen werden nicht informiert

Was Ingrid Bergmann-Ehm aber auch noch ärgert: Im Westfriedhof habe sie nirgends eine Information finden können, wie die Bürger mit den zerstörten Grabeinfassungen und der Entsorgung des vom Schädling befallenen Grüns weiter umgehen sollen. In der Verwaltung habe sie niemanden angetroffen. Auch Informationsschilder seien nirgendwo zu sehen gewesen. Die Augsburgerin sagt, „es scheint so, dass die geschädigten Friedhofsnutzer mit ihrem Problem sehr alleine gelassen werden.“

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Im Umweltreferat heißt es auf Anfrage unserer Zeitung, die Friedhofsverwaltung habe die provisorische Ausschilderung gerade vorbereitet. Offenbar handelt sich es auch um ein größeres Problem. Nach Angaben des Amtes für Grünordnung sind alle städtischen Friedhöfe in hohem Maß von Schäden durch Buchsbaumzünsler betroffen. Offenkundig ist auch nichts mehr zu retten. Amtsleiterin Anette Vedder sagt, „der Befall an den Gräbern und das Fraßbild sind so weit fortgeschritten, dass alle Maßnahmen inzwischen aussichtslos sind.“ Die Grabrechtsinhaber müssen den Buchs nach ihren Angaben vollständig entfernen. Falls sie eine Ersatzbepflanzung wollen, sollten sie Alternativen ins Auge fassen. Vedder nennt mehrere Möglichkeiten, beispielsweise frostharten Lavendel, Kriecheibe oder Steineibe. Es gebe auch zwei Buchsbaumsorten, die gegen den Zünsler relativ resisitent seien – Buxus microphylla „Herrenhausen“ oder Buxux microphylla „Faulkner“.

Keine Möglichkeit, die Bäume zu retten

Die Amtsleiterin sagt weiter, der Buchsbaumzünsler sei inzwischen so weit verbreitet, dass es keine keine Möglichkeit mehr gebe, die fortgeschritten geschädigten Bestände auf den Friedhöfen und in den öffentlichen Gärten und Privatgärten zu retten. Die herkömmlichen Bekämpfungsmethoden greifen nach ihren Erfahrungen nur in einem frühen Befallsstadium, etwa durch das Ablesen der Raupen. Der Einsatz von Insektengiften sei nicht erlaubt.

Die Fachleute der Stadt empfehlen Bürgern, den Buchs zu entfernen und im Restmüll auf den Friedhöfen zu entsorgen. Damit soll ausgeschlossen werden, dass der ebenfalls an den Buchsbäumen vorkommende Schadpilz „Cylindrocladium buxicola“ über die Komposterde der Abfallverwertungsanlage weitere Verbreitung findet.

Aktuell treibt der Buchsbaumzünsler auch in vielen Augsburger Privatgärten sein Unwesen. Im Wittelsbacher Land und in Bereich Ingolstadt klagen Hobbygärtner ebenfalls über einen Befall der gefräßigen grün-schwarzen Raupen. Einige Experten empehlen zur Bekämpfung eine biologische Variante auf der Basis des Bakteriums „bacillus thuringiensis“. Das Mittel hilft aber offenbar nur in einem frühen Stadium des Befalls. Laut Umweltbundesamt sollte es eine Notfallmaßnahme bleiben.

Wenn man den Buchsbaumzünsler bekämpfen will, ist aus Sicht von Fachleuten entscheidend, dass man rechtzeitig damit anfängt. Daher empfehle es sich, im Frühjahr und Sommer Buchsbäume regelmäßig auf Befall zu kontrollieren. Für den Zünsler wurden spezielle Pheromonfallen entwickelt. Diese locken mit Duftstoffen männliche Schmetterlinge an, die in der Falle kleben bleiben. So kann man das Falteraufkommen im näheren Umkreis ohne viel Aufwand beobachten.

Bürger mit Gräbern in städtischen Friedhöfen in Augsburg, die Probleme mit dem Buchsbaumzünsler haben, können sich bei den einzelnen Friedhofsverwaltungen und in der Gartenfachberatung des Amtes für Grünordnung näher informieren, Telefon 0821/324 6011.

Lesen Sie dazu auch diesen Artikel: Buchsbaumzünsler: Ein Falter sorgt für Frust bei Gartenfreunden

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