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Augsburg

03.04.2017

Caps mit Holzschild: Noch ein Modelabel aus Augsburg

Manuel Hornung schafft bei seinen Mützen eine Verbindung der Materialien Holz und Stoff.
Bild: Silvio Wyszengrad

Immer mehr Modelabels werden in Augsburg gegründet und wollen erfolgreich sein. Doch die Stadt entpuppt sich deutschlandweit als härtestes Pflaster für neue Produkte.

Modenschauen und Designermarken: Das bringt man im ersten Augenblick wahrscheinlich eher nicht mit Augsburg in Verbindung. Dennoch wächst laut IHK-Gründungsberater Jürgen Wager gerade hier in den letzten Jahren die Zahl der neu gegründeten Modelabels. Immer mehr junge Unternehmer versuchen ihr Glück mit außergewöhnlichen Mode-Ideen, wobei dabei vor allem nachhaltig oder lokal produzierte Waren im Vordergrund stehen.

Einer der Kreativen ist Manuel Hornung. Er verkauft unter dem Markennamen „lou–i“ Caps mit Holzschild. Durch seine individuelle Maserung ist jedes Holzschild und somit jede Schirmmütze ein Unikat. Die Idee dazu stammt in gewisser Weise schon aus Kindertagen. „Ich war im Kindergartenalter fast immer mit Latzhose und Schirmmütze gekleidet, und habe loui loui loui vor mich hingesungen“, sagt Hornung, den der Rohstoff Holz besonders begeistert: Im April 2014 entstand daher die Idee, das Trendprodukt Holz als nachhaltigen Rohstoff mit den Kopfbedeckungen zu kombinieren. Und das alles „made in Germany“.

100 Euro für eine Kopfbedeckung

Die erste Cap hat Manuel Hornung selbst genäht, mit der 50 Jahre alten Nähmaschine seiner Oma. Dann holte er sich Hilfe von einer erfahrenen Näherin und einer Schneiderin in Rente. „Ich möchte nicht in Asien produzieren, wo eine Näherin 24 Cent für ihre Arbeit bekommt“, betont der Jungunternehmer. Doch leider sei „made in Germany“ fast noch gar kein Argument in der Modebranche und Augsburg eigentlich kein Pflaster für ein solches Produkt. Das Cap von lou-i sei sehr speziell, für modebewusste Menschen, denen Nachhaltigkeit wichtig sei und die bereit wären, 100 Euro für eine solche Kopfbedeckung auszugeben. So viel kosten die lou-i-Caps nämlich. Deshalb vertreibt Hornung die Mützen aktuell vor allem über den Online-Shop und in Geschäften in Wien, Zürich, Berlin und Leipzig. In Augsburg sind die Caps im Geschäft „Kaufrausch“ zu haben. Doch vielen Augsburgern sei das Produkt schlichtweg zu teuer.

Dass der Augsburger ein schwieriger Kunde ist, davon kann auch Wolfgang Schimpfle ein Lied singen. Gemeinsam mit Fabian Frei gründete er das Modelabel Degree und betreibt seit zweieinhalb Jahren einen eigenen Laden. „Es ist nicht leicht, den Augsburger als Kunden zu gewinnen, aber wenn man ihn einmal hat, dann ist er wahnsinnig treu. Wir haben daher sehr viele Stammkunden in unserem Geschäft“, so Schimpfle.

Tücken der Kundenlandschaft

Auch Serhat Yilmaz vom Modelabel Serfan kennt die Tücken der Augsburger Kundenlandschaft: „Der Augsburger schaut auf den Preis und versucht immer, das Beste für sich zu finden. Wenn er also dein Produkt kauft, dann hätte der Münchner schon dreimal gekauft“, sagt er. „Es ist deutschandweit bekannt, dass Augsburg das schwierigste Pflaster für Mode-Start-ups ist. Wenn du es hier schaffst, dann schaffst du es überall!“ Diese Einschätzung bestätigt auch Jürgen Wager, Gründungsberater der IHK: „Augsburg ist als Testmarkt bekannt. Wer hier besteht, hat bundesweit gute Chancen, sich zu etablieren.“

Das zu schaffen, ist jedoch nicht nur wegen der schwierigen Kunden eine Herausforderung, auch der Wettbewerb unter Modelabels sei in Augsburg überdurchschnittlich intensiv, so Wager. „In Augsburg ist der Neidfaktor sehr hoch, in anderen Städten helfen sich Start-ups gegenseitig und treffen sich regelmäßig. Das ist hier leider nicht so“, bedauert Serhat Yilmaz. „Auf der anderen Seite schüttelt hier jeder Hände, statt Kritik zu üben. Auch das macht es schwer, denn Kritik ist gerade für ein junges Unternehmen sehr wichtig. Nur so weißt du, was du ändern solltest.“

Langer Atem und starker Wille

Trotz aller Schwierigkeiten haben es Serfan und Degree geschafft, in Augsburg Fuß zu fassen. „Unser Vorteil war es wohl, dass wir unglaublich zäh sind und alles selbst machen und dann hatten wir eben auch einfach ein bisschen Glück“, erklärt Wolfgang Schimpfle das Erfolgsrezept von Degree. Und auch Serfan-Gründer Yilmaz zeigt, worauf es ankommt: „Man braucht hier also vor allem einen langen Atem und einen starken Willen.“ Geld zu verdienen sollte erst einmal nicht im Vordergrund stehen. „Ich habe es in Augsburg geschafft und trotzdem würde ich jedem empfehlen: Geh nach Berlin, Hamburg oder München – da hast du es leichter!“

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