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Ostermarsch

29.03.2016

Damit Menschen in Frieden leben können

Rund 200 Friedensaktivisten waren am Wochenende in Augsburg beim Ostermarsch dabei. Sie protestierten gegen Waffengewalt, gegen die Waffenindustrie und für ein friedliches Zusammenleben.
Bild: Annette Zoepf

Rund 200 Augsburger demonstrieren in der Stadt. Sie wünschen sich eine Welt ohne Krieg

Der Ausblick auf ein kleines Stück Frieden ist ein Ausschnitt von etwa zwanzig mal dreißig Zentimetern: Brigitte Engl lugt durch ihn hindurch auf die Versammlung der Friedensaktivisten, die am Königsplatz ihre Kundgebung abhalten. Redner, Musikerinnen und Poeten mit Texten, Liedern und Gedichten zum Frieden wechseln sich am Mikrofon ab.

Brigitte Engl trägt auf ihren Schultern eine überlebensgroße Figur, die von fern an eine „kölsche“ Karnevalsfigur erinnern könnte. Aus der Nähe erkennt man einen Zigarre rauchenden, geldgierigen Waffenlobbyisten im Frack mit Fliege in Schwarz-Rot-Gold, daneben stemmt ein junger Mann ein ebenso großes goldbekröntes Skelett mit US-Flaggen-Umhang, Symbolfigur des Todes, zum König erhoben durch Kriegstreiber und Unfriedensstifter. Aktivisten von attac halten die beiden Großfiguren symbolisch mit einem rot-weißen Absperrband im Zaum.

Brigitte Engl will beim Ostermarsch zeigen, was hinter den Geschäften der Waffenindustrie steckt. „Alle Menschen, die vom Nicht-Frieden betroffen sind, haben kein gutes menschliches Leben“, meint sie. Frieden sei wichtig, gestern wie heute. „Mit dem Geld, das in die Waffenindustrie gesteckt wird, was man damit alles aufbauen könnte.“ Frühere Kriege im Irak und Afghanistan seien mit schuld an der heutigen Weltlage.

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Herbert Quis steht etwas weiter vorne im Kreis der Kundgebungsteilnehmer um das Mikrofon neben dem Manzù-Brunnen am Königsplatz. Seine Hand am Transparent der Gruppe Pax Christi, erzählt er, er habe Sorge, dass es bei uns aus dem Ruder laufe. „Der Frieden innerhalb und außerhalb der Gesellschaft ist gefährdet.“ Er schlägt die Auflegung eines Sozialprogramms durch die Regierung vor, damit Randgruppen wie Flüchtlinge und sozial Schwache nicht gegeneinander ausgespielt würden. Quis ist seit gut 30 Jahren bei Pax Christi engagiert und war schon auf vielen Ostermärschen, früher auch viel in Freiburg. Die Teilnehmerzahlen seien ein Auf und Ab, in Augsburg eher weniger Menschen für den Frieden auf der Straße.

Der Altersdurchschnitt auf der Kundgebung liegt bei deutlich über 40 Jahren. Tim Hörmann und die Gruppe junger Aktivisten der SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend) im Alter um die Zwanzig fallen auf. Frieden? Tim wünscht sich, dass keine Menschen mehr sterben müssen, weil Politik mit Waffengewalt umgesetzt wird. Die Verantwortung für eine solche Politik sei der Gesellschaft aus der Hand genommen von solchen, die ein wirtschaftliches Interesse an kriegerischen Konflikten haben. Über Rüstung sollten die Menschen selbst entscheiden. Rüstung und Bildung und Soziales würden gegeneinander ausgespielt. Das Geld diene einer aktiven Kriegspolitik.

Klaus Stampfer von der Augsburger Friedensinitiative (AFI) zählt auf der Kundgebung am Ende 258 Teilnehmer, die Polizei schätzt ihre Zahl später auf 200 Personen. Voriges Jahr seien es nur 180 Leute gewesen, Stampfer sieht einen leichten Aufwärtstrend für die Friedensbewegung. Seit 1972 ist er für den Frieden aktiv, für gewaltfreies Zusammenleben, und dafür, dass niemand Angst haben muss vor gewaltsamem Tod.

Seit 1956 gebe es Ostermärsche in Deutschland, unter Adenauer sei man damals gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands marschiert. Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung, durch die Annastraße ziehen die Teilnehmer die Karlstraße hinunter, am Rathaus vorbei in die Maximilianstraße, wo sie am Herkulesbrunnen kehrtmachen.

In der Annastraße drängt sich eine Dreiergruppe junger Frauen am Zug vorbei, modisch gekleidet, in Eile. „Was haben sie denn für Forderungen, die alten Leute?“, meint eine der drei im Vorübergehen. „Abschaffung der Bundeswehr? Dann werden wir ja noch mehr angegriffen“, sagt sie schnippisch, als sie die blaue Fahne der deutschen Gesellschaft für Kriegsdienstverweigerer wehen sieht. Auch das gehört dazu...

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