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Augsburger Geschichte

26.05.2017

Der Häftling von Berlichingen

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Am Ende der Heilig Kreuzer Gasse, der jetzigen Ludwigstraße, stand bis 1807 das Heilig Kreuzer Tor. Darin musste Götz von Berlichingen 15 Monate lang als Gefangener verbringen.
Bild: Sammlung Häußler

Der „Ritter mit der eisernen Faust“ saß 15 Monate als Gefangener im Heilig-Kreuz-Torturm in Augsburg. Warum die Flucht des Franken misslang.

Auch 2017 steht Wolfgang von Goethes Schauspiel „Götz von Berlichingen“ auf dem Programm der Burgfestspiele in Jagsthausen. Wieder wartet das Publikum im Burghof auf den berühmt-berüchtigten Ruf „Sag ihm, er soll mich …“. Die Jagsthauser Burg gehörte vor 500 Jahren dem berühmten „Ritter mit der eisernen Faust“. Gestorben ist der Haudegen als 82-Jähriger am 23. Juli 1562 auf der Burg Hornberg hoch über dem Neckar, die sich ebenfalls in seinem Besitz befand. Im Kloster Schönthal bei Jagsthausen ist er beigesetzt.

Dass Götz von Berlichingen 15 Monate seines Lebens in Augsburg verbrachte, geht aus seiner Biografie und Akten im Stadtarchiv Augsburg hervor. An der Ecke Heilig-Kreuz-Straße/Am Hafnerberg erinnert daran die Inschrift auf einer Steintafel: „Hier stand der Kreuz-Thorthurm. Erbauungszeit 11. Jahrhundert, abgebrochen 1807, in ihm saß Götz von Berlichingen vom 30. November 1528 bis 1. März 1530 gefangen.“ Als Relief schaut er vom Erker am Haus Heilig-Kreuz-Straße 4 herab. Daneben stand der Torturm, in dem er seine Zeit in Augsburg verbringen musste.

Papiere mit der linken Hand beschrieben

Nur Insidern ist bekannt, dass sich im Stadtarchiv Augsburg dickleibige „Acta: den Ritter Goetz von Berlichingen betr.“ befinden. Sie enthalten Briefe, Gerichtsprotokolle und andere Dokumente aus den Jahren 1519 bis 1530. Sie sind die schriftliche Hinterlassenschaft aus Götz von Berlichingens Augsburg-Aufenthalt. Dazu zählen auch Papiere, die der Häftling im Torturm mit der linken Hand beschrieb.

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Die rechte Hand ersetzte seit 1504 eine Prothese. Bei der Belagerung von Landshut – er stand damals im Dienste von Herzog Albrecht von Bayern – hatte sie ihm eine Kugel aus einer Feldschlange abgerissen. Mit dieser Verletzung wäre seine militärische Karriere beendet gewesen, hätte er die verlorene Hand nicht durch eine selbst konstruierte eiserne ersetzt. Das brachte ihm den Beinamen „Ritter mit der eisernen Faust“ ein. Götz von Berlichingen sei ein „kühner und tapferer Ritter“ gewesen, heißt es in einer Biografie. Sein Handicap hinderte ihn nicht, sich weiterhin mit Rittern am Kocher, mit der Stadt Köln, dem Bischof von Bamberg und der Reichsstadt Nürnberg anzulegen.

Hauptmann aufständischer Bauern

Das hatte Folgen: 1512 wurde er für vogelfrei erklärt. Er leistete Wiedergutmachung, beschwor den Verzicht auf Gewalt und konnte sich so aus der Acht lösen. Den Schwur vergaß er schnell. 1516 war er wieder in Feindseligkeiten verwickelt und wurde gefangen genommen. Dreieinhalb Jahre saß Götz von Berlichingen in Gefangenschaft, bis einflussreiche Freunde die Freilassung bewirkten. Er hatte zwar absolute Friedfertigkeit geschworen, doch zur Ruhe setzte sich der kampfgewohnte Ritter nicht. Im Bauernkrieg 1525 fungierte er etwa vier Wochen als Hauptmann aufständischer Bauern.

Das hätte Götz von Berlichingen fast den Kopf gekostet. Nur das Versprechen, sich einer Untersuchungskommission des Schwäbischen Bundes zu stellen, bewahrte ihn davor. Die Kommission wurde 1528 in die Reichsstadt Augsburg einberufen. Götz von Berlichingen traf am 30. November 1528 im Geleit von 30 Reitern in Augsburg ein und wurde im Torturm bei Heilig Kreuz in Gewahrsam genommen. Die Untersuchungen verliefen schleppend. Der unruhige Häftling verlor die Geduld und machte am Morgen des 1. April 1529 einen kopflosen Fluchtversuch. „In einem Wams-Hemd ist er aus dem Thurm entrunnen und hat nit gewußt wonaus und ist in einer armen Wittwen, einer Weberin, Haus kommen, die hat ihn verborgen. Da hat man ihn gesucht und gefunden, da hat man ihn in noch härter Gefängniß gefangen gelegt.“ So die Schilderung eines Zeitgenossen.

Adelige bemühten sich daraufhin intensiv bei den fünf Bundesrichtern um ein günstiges Urteil. Es lautete: 15 namentlich genannte Bürgen hatten für 25000 Gulden Bürgschaft bei Bruch der Urfehde geradezustehen, alle Schäden waren wieder gutzumachen. Götz von Berlichingen musste auf Rache und Gewalttätigkeit verzichten und sich sofort auf seine Burg Hornberg begeben. Nie mehr in seinem Leben dürfe er seine Hofmarksgrenzen überschreiten und nie mehr gerüstet ein Pferd besteigen.

Feldzüge gegen die Türken und Frankreich

„Und Ich Götz von Berlichingen bekenne, dass Ich alles das in diesem Brieff geschrieben, angenommen, darauff gelopt und geschworn hab“, heißt es am Schluss des Urteilsprotokolls mit der Unterschrift und dem anhängenden Siegel des damals 50-Jährigen Gemaßregelten. Er durfte am 5. März 1530 im Geleit von Verwandten Augsburg verlassen. Diesmal hielt er sich an den Schwur, bis ihn 1541 ihn Kaiser Karl V. begnadigte. Der Kaiser benötigte ihn für Feldzüge gegen die Türken und 1544 gegen Frankreich. Götz von Berlichingen überlebte die Kriege und starb 1562 in seiner Burg Hornberg.

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