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Augsburg

14.06.2017

Der Kampf um Flächen für die Gärtner

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2 Bilder
Beim Projekt „Grow Up“ ist es selbstverständlich, dass sich die Mitglieder helfen. Martina Medrano unterstützt Robert Primixl beim Gießen des Beetes.
Bild: Annette Zoepf

Immer mehr Augsburger wollen wieder Gemüse und Kräuter anpflanzen. Das stellt die Stadt vor eine große Herausforderung. Welche Strategien die Kommune verfolgt.

Seit einigen Jahren gibt es einen Trend zurück zur Natur, das spiegelt sich auch in der gestiegenen Nachfrage nach Grünflächen zum Bewirtschaften wieder. Kräuter, Tomaten und Erdbeeren werden dabei nicht mehr nur in klassischen Gärten gepflanzt, sondern auch im öffentlichen Raum. Das ist politisch gewollt und wird nachgefragt. Das Problem nur: In Augsburg herrscht ein enormer Druck beim Wettbewerb um Grundstücke. Nicht nur Gärtner haben Bedarf, sondern beispielsweise auch der Wohnungs- und Gewerbebau und die Sportvereine. Und zugleich gibt es ein zähes Ringen, um bestehende Grünflächen zu erhalten und nicht dem Flächenfraß preiszugeben.

Säcke im Wittelsbacher Park

UrbanGardening Die Stadt hat sich vor zwei Jahren ein neues Konzept überlegt, um das Problem zu lindern. Sie stellt im öffentlichen Raum mit Erde gefüllte große Säcke auf, die von jedermann bepflanzt und gepflegt werden können. Diese sind nur etwa ein mal ein Meter groß, und der Aufwand hält sich in Grenzen. Zwei neue Säcke sollen demnächst im Wittelsbacher Park aufgestellt werden, sobald das gerade stattfindende Modular-Festival mit seinen Tausenden Besuchern vorbei ist. „Ich bin gespannt, ob das Angebot in so einer großen und frequentierten Parkanlage genauso gut funktioniert wie an den anderen Standorten“, sagt Tine Klink vom Arbeitskreis Urbane Gärten. Sie ist froh, dass das Umweltreferat das Projekt unterstützt. „Es gibt städtische Referate, da beißt man auf Granit, wenn es um die Frage geht, ob öffentlicher Raum genutzt werden darf.“ Die Säcke haben aus ihrer Sicht einen großen Vorteil: Der Standort lässt sich leicht verlagern, wenn sich am bisherigen Standort niemand mehr kümmert.

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Kleingärten Zudem sind sie eine schnell realisierbare und günstige Option, um die Stadt zu begrünen. „Wenn wir eine Kleingartenanlage anlegen, belaufen sich die Kosten auf 300000 Euro, weil unter anderem ein Kanalanschluss fällig wird und Wege angelegt werden müssen sowie ein Platz als zentraler Treffpunkt“, sagt Umweltreferent Reiner Erben. Als Ersatz für den Bau neuer Kleingärten will er die Säcke aber nicht verstanden wissen, sondern als ergänzendes Angebot. Schließlich stehen rund 1000 Interessenten auf der Warteliste. Für die Kleingärtner sind zusätzliche Flächen beim Ostfriedhof vorgesehen. Dort wird es sowohl Parzellen wie wie auch Grabeland geben. Und auch in Oberhausen laufen Gespräche darüber, wo weitere Kleingärten entstehen könnten. „Die Option, die Erweiterungswiese des Nordfriedhofs zu nutzen, hat sich zerschlagen. Ich werde im nächsten Umweltausschuss aber alternative Standorte für Oberhausen vorstellen“, kündigt der Referent an.

Tipps und Tricks von osteuropäischen Profis

Grabeland Auf großes Interesse stoßen auch andere Formen des Gärtnerns. „Nicht jeder will nach den Regeln des Stadtverbandes seinen Garten gestalten. Einige brauchen auch gar nicht so viel Fläche, die sind mit einem kleinen Beet zufrieden“, sagt Klink. Für diese Menschen sind Projekte wie die Krautgärten im Südwesten von Göggingen ideal. Ebenfalls im ländlich geprägten Bergheim wurde überraschenderweise eine solche Fläche ausgewiesen. Auch in Bergheim habe nicht jeder Bewohner einen Garten, wenn sich das Projekt rumspreche, seien die Flächen auch schnell vergeben, ist Erben optimistisch. An einem anderen Projekt beteiligt sich Klink. Sie macht bei den interkulturellen Gärten mit. 60 Mitglieder hat der Verein „Grow Up“, der dahinter steht. Menschen aus verschiedensten Kulturen und Ländern garteln auf dem Reese-Areal miteinander. Die Beete liegen nebeneinander und haben eine überschaubare Größe. „Auf so engem Raum kommt es zwangsläufig zum Gespräch und Austausch. Der ist viel intensiver als bei den Kleingärtnern, und es wird auch mehr untereinander unterstützt, beispielsweise beim Gießen“, sagt Klink, die auch einen Schrebergarten hat. Das bestätigt auch Martina Medrano. Sie ist vor allem von den „vielen osteuropäischen Gartenprofis“ angetan, die ihr hilfreiche Tipps und Tricks verraten. Glücklich ist auch Robert Primixl aus Rumänien über das Angebot und zeigt stolz Fotos von der letztjährigen Salat- und Tomaten-ernte. er macht bereits seit drei Jahren mit. Wie es langfristig mit dem interkulturellen Garten auf dem Reese-Areal weitergeht, darüber wird noch verhandelt. Das ehemalige Kasernengelände wird schrittweise bebaut. Der Abschnitt, in dem sich die Beete befinden, soll laut Umweltreferent Erben frühestens im Jahr 2019 erschlossen werden.

Pflanzen werden herausgerissen

Vandalismus Doch bereits jetzt merken die Kleingärtner die Auswirkungen des angrenzenden Baugebietes und dessen Bezug, berichtet Tine Klink. „Unsere Mitglieder sind total frustriert. Wir haben massive Probleme mit Vandalismus, seit das Gebiet erschlossen wird. Es werden beispielsweise Pflanzen herausgerissen oder abgeschnitten und dann einfach daneben geworfen. Teils wird auch der Inhalt aus dem Blumentopf ausgeschüttet und das Gefäß geklaut.“ Wenn die Leute es wenigstens mitnehmen und nutzen würden, aber diese Geringschätzung macht einen wütend.“ Die Tür zum eingewachsenen Garten wurde deswegen inzwischen mit einem Schloss und einer Kette gesichert. Solche Probleme gebe es bei den im öffentlichen Raum aufgestellten Säcken „glücklicherweise nicht“.

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