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Augsburg

25.04.2019

Der Verkauf des blauen Gastro-Zuges ist überraschend gescheitert

Der „Blue Star Train“ war zehn Jahre lang ein beliebtes und spektakuläres Speiselokal im Augsburger Bahnpark. Bis 2016 hatte er immer in der Wintersaison für Dampflok-Dinner geöffnet. Nun sollte der Zug verkauft und mit einem neuen Investor wieder in Betrieb genommen werden. Doch der Deal ist überraschend geplatzt.
Bild: Wyszengrad

Plus Der Abtransport des „Blue Star Train“ aus Augsburg war schon terminiert. Jetzt ist der Käufer für das ungewöhnliche Speiselokal abgesprungen. Damit gibt es ein Problem.

Der blaue Zug am Eingang zum Augsburger Bahnpark war ein beliebtes Fotomotiv bei Besuchern. Sehr gefragt waren auch die Dampflok-Dinner, die Erlebnisgastronom Jürgen Drexler im „Blue Star Train“ auf dem historischen Eisenbahnschaugelände im Hochfeld anbot.

Nun muss Drexler mit seinem Zug aus dem Bahnpark weg. Er wollte ihn an einen Investor verkaufen und als rollendes Restaurant wieder in Betrieb nehmen. Doch nun ist der Verkauf überraschend gescheitert. Drexler sagt, „das ist eine ziemliche Katastrophe, ich muss wieder bei Null anfangen.“

Die Dampflok-Dinner im Bahnpark waren sehr beliebt

Jürgen Drexler hatte den historischen Zug vor Jahren im Tessin entdeckt und 2005 erworben. Er ist eine Rarität: Der Trans-Europa-Express (TEE) war in den 1950er-Jahren das Aushängeschild der Deutschen Bundesbahn und eines der Symbole des deutschen Wirtschaftswunders. Drexler baute den blauen Zug mit Mitstreitern zu einem Gastrozug um. Aus dem TEE wurde der Blue Star Train. Ab 2006 war er zehn Jahre lang ein ungewöhnliches und gut gebuchtes Speiserestaurant im Augsburger Bahnpark. Er hatte immer in der Wintersaison geöffnet.

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Dass Drexler mit seiner Attraktion aus Augsburg weg muss, hat Gründe. Für den Museumsbetrieb im Bahnpark wurde überraschend ein aufwendiges Genehmigungsverfahren notwendig. Es gab neue Auflagen. Der Event-Gastronom zog Konsequenzen, denn viele der üblichen Firmenveranstaltungen und Geburtstagsfeiern konnten nicht mehr stattfinden. „Es hat uns eiskalt erwischt. Bei Öffnungszeiten bis 22 Uhr mussten wir den Deckel zumachen“, sagt er. Auch für sein Team von bis zu 20 Mitarbeitern sei das Ganze eine Katastrophe gewesen. Denn die Gastronomie war so angelegt, dass den Sommer über im Bahnpark bewirtet wurde und im Winter im blauen Zug.

Drexler bemüht sich seither, sein Restaurant-Projekt neu auf die Schiene zu bringen. Er suchte sich einen Investor, der den Blue Star Train kauft und so herrichtet, dass er wieder selbst fahren kann. Anschließend wollte Drexler den Zug wieder als rollendes Speiselokal in Betrieb nehmen.

Der geplatzte Deal hat Folgen

Seit Juni 2018 sah es gut aus für seine Pläne. Zu diesem Zeitpunkt habe ein Investor den Kaufvertrag unterschrieben, so Drexler. In der Folge seien mehrere Ratenzahlungen geflossen. Der Abtransport des Blue Star Train mit einer Zugmaschine war jetzt im Frühjahr vorgesehen. Der Zug stand versandfertig bereit. Doch dann kam eine schlimme Nachricht für Drexler. Der Investor sei kurzfristig vom Kauf zurückgetreten, sagt er. „Damit hat kein Mensch gerechnet.“

Die große Schlussrate wurde Drexler zufolge nicht mehr gezahlt. Und auch nach dem Kauf hätte der Investor viel Geld in die Hand nehmen müssen, um den Zug wieder zum Laufen zu bringen. Fachleute gehen von einem Millionenbetrag für das Projekt aus.

Die Folge des geplatzten Deals: Nun muss der Eigentümer des Blue Star Train wieder ganz von vorne anfangen und nach einem anderen Käufer suchen. Drexler hat bereits Kontakt mit früheren Interessenten aufgenommen. Auch über Facebook sucht er nach einem neuen Investor. Das Problem sei nicht in erster Linie der Preis, sagt er. Schwierig sei es vor allem, einen passenden Stellplatz für den rund 200 Meter langen und mehr als 360 Tonnen schweren Zug zu finden. Im Umfeld müsste es auch die nötigen technischen Einrichtungen für eine professionelle Gastronomie und ausreichend Parkplätze für Besucher geben, wenn das Restaurant wieder aufgemacht werden soll.

Dazu kommt, dass Drexler beim Verkauf zeitlich unter Druck steht. Der Blue Star Train darf nur noch bis 31. Dezember im Augsburger Bahnpark stehen. Danach wird das Gleis, auf dem er abgestellt ist, für andere Zwecke gebraucht.

Lesen Sie dazu auch: Neuanfang am Bahnpark Ausgezeichneter Denkmalschutz

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