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Religion

01.08.2019

Der neue Friedhof wird sieben Mal umkreist

Auf einem Teil des Neuen Ostfriedhofs weihte Rabbiner Schaul Nekrich (rechts) den zukünftigen jüdischen Friedhof ein. Der Ritus verlangt es, das Gelände betend zu umrunden, was die Kultusgemeinde trotz des Regens tat.
Bild: Michael Hochgemuth

Die jüdische Gemeinde hat einen weiteren Bestattungsplatz in Lechhausen eingeweiht. Mit 1000 Gräbern sollte er für die nächsten 150 Jahre reichen. Denn an der Haunstetter Straße ist die Kapazität erschöpft

Der Ritus sieht es so vor und auch bei strömendem Regen wird keine Ausnahme gemacht. Also zogen gestern Vormittag rund 30 Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde um ihr neues Gräberfeld im Neuen Ostfriedhof, damit es durch die Einweihung künftig heiliges Land werde. Auch Bürgermeisterin Eva Weber, Umweltreferent Rainer Erben, der auch für die Friedhöfe zuständig ist, und der evangelische Regionalbischof Axel Piper („ein Zeichen meiner Verbundenheit“) schlossen sich an.

Von einem „historischen Datum im Leben der Kultusgemeinde“ sprach ihr Präsident Alexander Mazo und dankte der Stadt Augsburg, dass sie für den dritten jüdischen Friedhof an der Blücherstraße ein großes Grundstück zur Verfügung gestellt hat.

Fast eine halbe Stunde dauerte die Prozession rund um das Friedhofsarael. Angeführt wurde sie von den Rabbinern Schaul Nekrich (Kassel) und Elias Dray (Amberg), die unterwegs auf Hebräisch mehrere Psalmen sangen. Eigentlich müsste die Gemeinde sogar sieben Mal um den neuen Friedhof herumlaufen. Nach der alten Weisheitslehre der Kabbala bezeichnen diese sieben Gänge die vier Himmelsrichtungen, die beiden Dimensionen von Oben und Unten und schließlich ihren Mittelpunkt. So erklärte Schaul Nekrich den Ritus. Um die Gemeinde zu entlasten, habe er die ersten sechs Runden schon erledigt, sodass zur Heiligung des neuen jüdischen Friedhofs eine letzte Runde aller Teilnehmer genügte.

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Der Friedhof bietet Platz für 1000 Gräber. „Die nächsten 150 Jahre sollte damit Ruhe sein“, meinte Josef Strzegowski. Er ist Gabbai, also Vorbeter im Synagogengottesdienst in Augsburg. „Möge dieser neue Friedhof zum Ort der ewigen Ruhe werden. Mögen seine Gräber und Grabsteine niemals den Akt des Vandalismus und der Entehrung erfahren“, wünschte Präsident Mazo. Der 1868 eröffnete Jüdische Friedhof an der Haunstetter Straße sei an das Ende seiner Kapazität angelangt, erklärte er. Dort sind unter anderem die beiden Ehrenbürger Ernst Cramer und Mietek Pemper bestattet. Innerhalb von Führungen des Jüdischen Museums ist dieser Friedhof zugänglich.

Beith Hachajim (Haus der Lebenden) nennen die Juden ihre Friedhöfe. Denn die künftige Welt sei ein ewiges Haus für die, die ewiges Leben besitzen, erklärte der Rabbiner. Die Gräber bestehen für immer, nur Erdbestattungen dürfen vorgenommen werden. Auf dem jüdischen Friedhof dürfe nur der Toten erinnert werden und sonst keine Feier stattfinden. „Möge dieser Ort uns näherbringen zu unserem Schöpfer“, wünschte Rabbiner Nekrich.

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