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Augsburg

13.05.2015

Die Stadtmauer bröckelt: Müssen die Bäume weg?

Derzeit wird die Bastion Lueginsland an der Thommstraße saniert. Dieser Teil der alten Stadtmauer birgt noch viele Geheimnisse.
Bild: Ruth Plössel

Die Stadtmauer sollte einmal die Feinde abhalten, jetzt ist sie dem Verfall preisgegeben. Saniert wird nur im Notfall. Aber: Müssen die Bäume entfernt werden?

Zwei Forschungsergebnisse könnten das Augsburger Stadtbild bald kräftig durcheinanderwirbeln. Das Erste: Die historische Stadtmauer war früher einmal weiß verputzt. Das Zweite: Wenn man die Befestigung auf Dauer erhalten will, muss man sich von den Bäumen verabschieden, die darauf wachsen. „Beides sind Themen, denen wir uns über kurz oder lang stellen müssen“, sagt Augsburgs Hochbauamts-Leiter Günter Billenstein.

Ortstermin an der Ecke Herwart- und Thommstraße. Dort wird derzeit die Bastion Lueginsland instand gesetzt. Die Arbeit ist Teil eines Pilotprojekts, das die 400 Meter Stadtmauer zwischen Lueginsland und Fischertor umfasst. Auf dieser Strecke wird die Befestigung in den nächsten Jahren erst untersucht und dann saniert.

Das Mauerwerk bröckelt und ist zum Teil eingebrochen

Nötig wäre dies für den Großteil der viereinhalb Kilometer, die von Augsburgs historischer Befestigung noch erhalten sind: Das Mauerwerk bröckelt, zum Teil ist es bereits eingebrochen. Doch für eine komplette Sanierung fehlt das Geld. Die Folge: Das Hochbauamt kann immer nur auf Notfälle reagieren.

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Dabei birgt die Stadtmauer durchaus Geheimnisse, die es aufzudecken gilt. Zuletzt gelang dies bei der Sanierung eines Teiles nahe der Kahnfahrt: „An der Riedlerstraße haben wir eine Jahreszahl gefunden, die nach dem Bau des Wehrgangs in den Putz eingeritzt wurde“, sagt Billenstein. Die Zahl ist die 1488. „Bislang waren wir nicht davon ausgegangen, dass aus dieser Zeit überhaupt noch Bauteile vorhanden sind“, so Ulrike Harner, die Hochbauamts-Expertin für Türme und Tore der Stadtbefestigung.

Im 15. Jahrhundert war die Mauer mit Kalk verputzt

Eine ebenso spannende Erkenntnis ist, dass die Mauern im 15. Jahrhundert mit Kalk verputzt, also weiß waren. „Dass man, so wie heute, die Ziegel sehen kann, ist eine Erfindung aus dem 18. oder 19. Jahrhundert“, mutmaßt Billenstein. Für ihn stellt sich damit die Frage, für welche Epoche man sich bei einer Sanierung entscheidet: „Wollten wir den Zustand des 16. Jahrhunderts wieder herstellen, müssten wir die Mauern eigentlich verputzen.“ Eine Ansicht, die auch der Denkmalschutz vertritt.

An einigen Stellen der Bastion Lueginsland hat das Hochbauamt das bereits ausprobiert. „Man kann so verputzen, dass die Struktur sichtbar bleibt und die Mauer trotzdem geschützt ist“, sagt Billenstein. Es wäre ein Kompromiss, denn der Hochbauamts-Chef kann sich vorstellen, dass eine weiße Stadtmauer Debatten provozieren würde.

Die Baumwurzeln zerstören die historische Befestigung

Weitaus intensivere Auseinandersetzungen könnte aber die Frage nach dem Baumbestand aufwerfen. Denn eines sagt Billenstein deutlich: „Wenn wir unsere Stadtmauer auf Dauer erhalten wollen, müssen die Bäume weg.“ Grund: Die Wurzeln zerstören die historische Befestigung und machen sie instabil. Heikel ist dies vor allem beim Biergarten Lueginsland, wo große Kastanien stehen. „Da die Mauern auf diese Belastung nie ausgelegt waren, könnte dies bei starkem Wind irgendwann gefährlich werden“, sagt Ulrike Harner.

Noch ist die Frage nach der Zukunft der Stadtmauer kein Thema. Aufgrund drängenderer Probleme wird deshalb auch künftig nur dort saniert, wo es nötig ist. Für die Bastion Lueginsland stehen immerhin 460000 Euro im Haushalt. Ende des Jahres, schätzt Billenstein, könnte dieser Bereich fertig sein. Dann ist zumindest ein Teil des historischen Zustands wieder hergestellt: Der einstige Zugang, der an der Herwartstraße lag, wird wieder hergestellt. Und das Hochbauamt will den Erholungscharakter der Stadtmauer erhalten. Besichtigen kann man sie übrigens auch: An der Riedlerstraße wird es künftig Führungen geben.

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