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Technik

22.01.2019

Diese Drohne soll Flüchtlinge retten

Sie haben die Rettungsdrohne entwickelt: von links Svenja Brandt, Anna Pfützner, Sven Kolenda, vorne Jonas Gehrke.
Bild: Bernd Hohlen

Hochschulstudenten bauen Fluggerät. Bald muss es sich auf dem Meer bewähren

Die Todesrate von Flüchtlingen im Mittelmeer war im vergangenen Jahr so hoch wie nie zuvor. Nach Angaben der Hilfsorganisation Sea-Watch starb jeder fünfte Mensch, der über den Seeweg fliehen wollte. Studenten der Hochschule Augsburg wollen bei diesem Drama nicht länger tatenlos zusehen. Sie entwickeln eine Drohne, die Flüchtlingsboote in Seenot auf dem Meer zuverlässig finden soll. Bald wird das autonome Fluggerät seine große Bewährungsprobe haben.

Das Projekt „Search Wing“ läuft seit Sommer 2017. Inzwischen sind die wichtigsten Entwicklungsschritte geschafft, wie Professor Friedrich Beckmann und sein studentisches Team beim Projekttag der Informatik berichteten. Verschiedene Rettungsorganisationen warten schon darauf, das autonome Fluggerät einzusetzen.

Bislang arbeiten die Seeretter im Mittelmeer vor allem mit Fischkuttern und Charterflugzeugen, die von der Insel Malta aus starten. Das ist sehr teuer. Die Hochschulstudenten setzen auf eine deutlich kostengünstigere, aber effektive Lösung: Sie entwickeln eine handelsübliche Drohne so weiter, dass sie von Hilfskräften ohne Vorkenntnisse unter den Bedingungen auf dem Meer eingesetzt werden kann. Keine ganz einfache Aufgabe.

Studentin Anna Pfützner erklärt, welche technischen Probleme inzwischen gelöst wurden: Durch eine weiterentwickelte handelsübliche Software kann die Hochschuldrohne im Flug nicht nur Bilder machen, sondern die Fotos zusammen mit den GPS-Daten von havarierten Flüchtlingsbooten zum Rettungsschiff senden. Die Studenten haben nun auch Wege gefunden, damit die Drohne über ein Katapult sicher vom Schiff starten und ebenso sicher dorthin zurückfinden und landen kann, auch wenn es sich auf dem Meer bewegt. Ein spezielles Landenetz wird das Fluggerät auffangen. Unterstützung bekamen die vier jungen Entwickler von Kommilitonen aus dem Bereich Mechatronik. Anna Pfützner nennt auch noch weitere Herausforderungen: So müssen die Elektronikteile vor Salzwasser geschützt werden. Insgesamt muss die Drohne mit ihrem gesamten Technikballast beim Fliegen im Gleichgewicht bleiben.

„Mit unserem Projekt stoßen wir auf viel Interesse“, sagt Professor Beckmann. Inzwischen arbeiten auch frühere Hochschulstudenten und andere Freiwillige daran mit. Bei einem Kongress des Chaos Computer Clubs Berlin in Leipzig wurden zahlreiche Besucher auf „Search Wing“ aufmerksam.

Im März steht der Hochschuldrohne die erste große Bewährungsprobe mit dem gesamten Entwicklungsteam auf Malta bevor. Rettungsorganisationen wie Sea-Watch und Resqship wollen das Fluggerät nach Angaben der Studenten einsetzen, sobald es den Praxistest bestanden hat. „Wir freuen uns schon, wenn die Drohne aufs Meer kommt“, sagt Studentin Svenja Brandt. Anna Pfützner betont, wie wichtig den beteiligten Studierenden der humanitäre Hintergrund ihres Projektes ist. „Wir wollen helfen, dass keine Menschen mehr ertrinken.“

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