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Augsburger Plärrer

05.09.2019

Diese Familien haben in den Bierzelten das Sagen

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Sie sind seit inzwischen 14 Jahren die Wirtsfamilie im „Schaller“-Zelt (von links): Dirk, Tina, Max, Petra und Dieter Held.
Bild: Peter Fastl

Die großen Zelte auf dem Plärrer sind Familienbetriebe. Und bei Beiden steht bald ein Generationenwechsel an. Wie das im Alltag funktioniert.

Dieter Held, 67, ist in der Wirtschaft und im Bierzelt seines Vaters Charly aufgewachsen. Aber trotzdem wollte er eigentlich nie ein Festzelt betreiben. "Ich habe ja mitbekommen, dass das harte Arbeit ist und nicht so einfach, wie es sich vielleicht viele vorstellen", sagt er. "Manche glauben ja, mit einem Bierzelt wird jeder zum Millionär." Trotzdem ist Dieter Held vor 14 Jahren Festwirt auf dem Plärrer geworden. Er betrieb damals wie heute die Gastronomie auf dem Messegelände, wollte sich aber breiter aufstellen, um nicht allein von der Messe abhängig zu sein.

Inzwischen zeichnet es sich ab, dass das "Schaller"-Zelt wohl noch länger von der Familie Held betrieben wird. Neben seiner Frau Petra, 57, sind längst auch die Kinder Dirk, 47, Max, 24, und Tina, 27, eingebunden. Tina Held ist quasi die "Kronprinzessin". Sie könnte als neue Festwirtin fungieren, wenn ihr Vater sich aus dem Betrieb zurückzieht. Sie war 13 Jahre alt, als ihre Eltern das "Schaller" übernahmen. "Man wächst da einfach rein", sagt sie. Zeitweise habe sie überlegt, ob sie beruflich nicht irgendetwas mit Tieren machen soll. Doch dann fiel ihre Entscheidung für die Gastronomie. Heute arbeitet sie im Zelt und beim Messe-Catering mit. Oft ist sie im Festzeltbüro anzutreffen, inzwischen übernimmt sie aber auch immer häufiger die Rolle der Gastgeberin und begrüßt die Besucher.

Sie sind seit inzwischen 14 Jahren die Wirtsfamilie im "Schaller"-Zelt (von links): Dirk, Tina, Max, Petra und Dieter Held.
Bild: Peter Fastl

Dieter Held ist überzeugt davon, dass man langsam reinfinden muss in die Aufgabe. Ein Bierzelt sei eine eigene Welt mit ganz eigenen Gesetzen. "Das kann man auf keiner Uni lernen." Vieles müsse man mit dem Bauchgefühl entscheiden. Etwa die Auswahl der richtigen Bands, die für Stimmung und den nötigen Umsatz beim Bier sorgen sollen. Als Festwirt müsse man das Ohr an den Menschen haben und neue Trends "erschnüffeln". Sein Sohn Dirk hat von Anfang an im Bierzelt mitgearbeitet. Heute kümmert er sich um den Zeltaufbau, den Einkauf für die Küche und um den Steckerlfisch-Stand neben dem Zelt. Sohn Max ist inzwischen auch beim Zeltaufbau und beim Steckerlfisch dabei.

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Dieter Held: "Ich werde schon noch regelmäßig im Zelt sein"

Er habe seine Kinder nicht gedrängt, in das Geschäft einzusteigen, sagt er. Er hätte auch kein Problem damit gehabt, das Zelt irgendwann zu verkaufen. Nun kommt es anders, und man merkt dem Festwirt an, dass er schon auch stolz darauf ist, dass seine Kinder das Werk der Eltern fortführen wollen. In drei Jahren, mit 70, kann Dieter Held sich vorstellen, die Verantwortung ganz an die jüngere Generation abzugeben. Komplett aus dem Bierzelt verabschieden will er sich aber auch dann noch nicht. "Ich werde schon noch regelmäßig im Zelt sein, ich muss aber nicht mehr."

Solange eine Wirtsfamilie nicht aufhört, sind die Plärrer-Festzelte so etwas wie ein Erbhof – wenn man keine gravierenden Fehler macht, wegen derer die Stadt die Zusammenarbeit beenden würde. Zwar müssen sich auch die Zeltbetreiber jedes Jahr neu für den Plärrer bewerben. Allerdings gab es zuletzt nie einen zusätzlichen Bewerber, der den beiden vorhandenen großen Bierzelten den Platz streitig machen wollte. Neue Bewerber hätten es auch schwer, da bei den Vergabekriterien stark auf die Zuverlässigkeit und Erfahrung geachtet wird. Und da punkten vor allem die aktuellen Wirte. Neulinge müssten zudem auch noch eine Augsburger Brauerei finden, die auf sie setzt.

Das Zelt der Familie Binswanger-Kempter gibt es auf dem Plärrer seit gut 20 Jahren. Aktiv sind (von links) Rainer und Angelika Kempter, Sonja Thaller und Thomas Kempter, Monika und Markus Hatzelmann.
Bild: Peter Fastl

Seit dem Jahr 1997 verkauft die aus Gersthofen stammende Familie Binswanger-Kempter nun schon das Bier der Hasen-Brauerei auf dem Plärrer. In diesem Jahr übernahm Alois Binswanger mit seiner Frau Margarethe das "Hasen"-Zelt. Zuvor hatte Charly Held das Zelt betrieben, Vater des heutigen "Schaller"-Wirts. Auch im Binswanger-Zelt sind heute mehrere Generationen aktiv. Angelika Kempter, 59, die Tochter des verstorbenen Alois Binswanger, leitet mit ihrem Mann den Betrieb. Aber auch ihre Kinder Thomas, 31, und Monika, 34, und deren Partner übernehmen mehr und mehr Verantwortung. Thomas etwa kümmert sich seit einigen Jahren um die Auswahl der Bands, um den Schankbetrieb und den Aufbau. Regelmäßig steht er auch selbst am Zapfhahn. Monika leitet die Bar und kümmert sich um Buchhaltung und andere Büroaufgaben, die im Betrieb anfallen. "So einen Betrieb kann man nur erfolgreich führen, wenn die Familie zusammenhält", sagt Angelika Kempter.

Lesen Sie auch: Bekommt die Doppelbock-Alm auf dem Plärrer noch eine Chance?

Angelika Kempter: Schön, dass Kinder weitermachen wollen

Bis vor Kurzem hat die Familie auch noch eine Metzgerei mit mehreren Filialen betrieben. Aus diesem Geschäft haben sich die Kempters aber zurückgezogen. Sie konzentrieren sich jetzt ganz aufs Festzelt. Als Alois Binswanger 1983 zum ersten Mal ein Festzelt bewirtete, war das noch das zweite Standbein. Die Familie ist heute nicht nur auf dem Plärrer aktiv, sondern auch bei Festen in ihrer Heimatstadt Gersthofen, auf dem Neusässer Volksfest und beim Frühlingsfest im Augsburger Stadtteil Göggingen. Und sie bewirten auch bei Firmenfesten mit ihrem Zelt. Da ist es gut, dass man innerhalb der Familie die Aufgaben verteilen kann. Denn während derzeit noch der Herbstplärrer läuft, muss das Zelt in Neusäß schon aufgebaut und eingerichtet werden. Das Fest dort geht nur fünf Tage nach dem Ende des Plärrers los.

Noch führen Angelika und Rainer Kempter den Betrieb. Doch in absehbarer Zeit wollen sie das Zepter an die Kinder weitergeben. "Wir haben es ihnen nie so vorgegeben, aber es ist natürlich schön, dass sie weitermachen wollen", sagt Angelika Kempter. Ganz aus dem Festzelt verabschieden wird aber auch sie sich so schnell nicht. Wer einmal Festwirt ist, den zieht es eben immer wieder ins Zelt zurück.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast an: Anna Diebold ist 24 – und Chefin eines Plärrer-Karussells

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06.09.2019

Kostenlose Toiletten = Müssten schon gestellt werden
Ist das nicht in Deutschland Pflicht !(Bayern)

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06.09.2019

In einer Gaststätte hat der Inhaber das Hausrecht und darf frei entscheiden, ob seine Gäste oder auch Fremde die Toilette kostenfrei benutzen dürfen. Er kann auch entscheiden, wer den Betrieb als Gast aufsuchen darf und wer nicht. Einen Rechtsanspruch auf eine kostenlose Toilette haben Sie nicht.

Daran ändert sich auch am Toilettenwagen nichts. Insbesondere, wenn per Schild darauf hingewiesen wird, dass die Nutzung kostenpflichtig ist, müssen Sie hier zahlen. Wenn am Eingang hingegen nur der gewohnte Stehtisch mit einem Münzteller darauf zu finden ist, können Sie davon ausgehen, dass die Toilettennutzung kostenfrei ist und die Münzen als freiwilliges Trinkgeld fürs Personal anzusehen sind.
Quelle: Verbraucherzentrale Bayern. https://www.verbraucherzentrale-bayern.de/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/ihre-rechte-auf-volksfesten-12854

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