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Corona-Pandemie

18.11.2020

Diese Regeln gelten für Familien in Quarantäne

Kinder, die sich in häuslicher Isolation oder in Quarantäne befinden, müssen Zuhause bleiben. Welche Regeln noch gelten, lesen Familien in diesem Frage-Antwort-Stück.
Bild: Imago Images (Symbolbild)

Darf man einkaufen gehen? Besuch empfangen? Und muss man einen Corona-Test machen? Die Antworten finden Sie hier.

Die zweite Welle ist da und in zahlreichen Familien befindet sich ein Familienmitglied in Quarantäne oder häuslicher Isolation. Nachdem die Gesundheitsämter mit dem Informieren dieser Familien nicht mehr nachkommen und Informationen mitunter erst eintreffen, wenn die Quarantäne (fast) schon beendet ist, haben wir Rainer Erben, Referent für Gesundheit der Stadt Augsburg, gebeten, uns die wichtigsten Fragen zu beantworten. Was erlaubt, was verboten ist und was gilt, lesen Sie hier:

Was ist der Unterschied zwischen häuslicher Isolation und Quarantäne?

Häusliche Isolation gilt für Personen, die nachweislich mit Covid-19 infiziert sind. Quarantäne gilt für Personen, bei denen ein Infektionsverdacht besteht. Für Kontaktpersonen ersten Grades, also Menschen, die direkten Kontakt zu einer infizierten Person hatten, wird in der Regel eine Quarantäne ausgesprochen. Das ist die schwächere von beiden Maßnahmen.

Wer spricht die Corona-Quarantäne aus?

Für Augsburger Bürgerinnen und Bürger ist das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg zuständig. Zunächst informiert die Behörde die Eltern über die Kita-Leitungen, dass für ein Kind eine Quarantäne besteht. Aufgrund der hohen Zahl der Corona-Fälle, kommt es zurzeit zu Verzögerungen bei der Kontaktaufnahme des Gesundheitsamtes mit den Familien. Unter Umständen kann es auch vorkommen, dass eine Familie während der gesamten Quarantänezeit nicht vom Gesundheitsamt kontaktiert wird.

Endet die Corona-Quarantäne automatisch nach 14 Tagen nach dem letzten Kontakt mit einer infizierten Person?

Nein. Eine Quarantäne endet nicht automatisch, sondern erst, wenn sie von der zuständigen Behörde wieder aufgehoben wurde. Sollten während der Quarantänezeit Krankheitssymptome auftreten und/oder ein weiterer Fall in der Einrichtung aufgetaucht sein, kann die Quarantäne auch verlängert werden. Die Quarantäne für Haushaltsmitglieder eines bestätigten Falles beträgt maximal 14 Tage. Entwickelt eine Kontaktperson innerhalb von 14 Tagen nach dem letzten Kontakt mit einem mutmaßlich infektiösen Quellfall Covid19-Symptome, so gilt sie als krankheitsverdächtig. In diesem Fall muss mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufgenommen werden.

Darf während einer Quarantäne das Zuhause verlassen werden?

Die häusliche Quarantäne bedeutet wirklich „zu Hause zu bleiben“ – auch für Kinder. Wenn man eine zur Wohnung gehörige Terrasse, einen Balkon oder gar einen Garten hat, dürfen diese natürlich von den isolierten Kindern genutzt werden – allerdings nicht gleichzeitig mit Anderen. Dass diese Zeit für sie recht lang werden kann, ist verständlich. Auch bei anderen Infektionserkrankungen, etwa bei Scharlach, muss man Kindern zumuten, einige Tage im Haus zu bleiben. Grundsätzlich ist im Freien zwar die Gefahr einer Übertragung geringer, aber nicht ausgeschlossen – und man weiß nie, ob man nicht einer Person mit eingeschränkter Immunabwehr begegnet. Zurzeit gibt es keine Erkenntnisse, dass von Kindern ein geringeres Infektionsrisiko ausgeht.

Und was gilt, wenn eine Kontaktperson ersten Grades unter Quarantäne steht und zum Arzt muss?

Vorsorgeuntersuchungen sollten verschoben werden. Ist ein Arztbesuch notwendig oder besteht ein Notfall, sollte das medizinische Personal vorab am Telefon über die Quarantäne informiert werden. Familienangehörige der Kontaktperson ersten Grades dürfen "normale" Arztbesuche zwar wahrnehmen, das Gesundheitsamt rät aber davon ab, sofern sie nicht zwingend notwendig sind.

Darf während einer Häuslichen Isolation das Zuhause verlassen werden?

Nein, infizierte Personen dürfen das Zuhause nicht verlassen. Besteht ein Notfall oder verschlimmern sich die Symptome, soll Hilfe über die Nummern 112 oder 116117 gerufen werden. Wichtig: Bitte mitteilen, dass eine Häusliche Isolation besteht. Menschen, die mit der infizierten Person in einem Haushalt leben, gelten als Kontaktperson ersten Grades - für sie gelten die Quarantäneregeln.

Welche Verhaltensweisen werden Familien während einer Quarantäne empfohlen?

Sofern möglich, sollen sich die Kontaktperson(en) ersten Grades in anderen Räumen als die anderen Haushaltsmitglieder aufhalten und sich an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Bei kleinen Kindern ist das nicht möglich, weil diese ihre Bezugspersonen brauchen. Für diese Kontaktpersonen zweiten Grades von Kleinkindern gelten keine strengeren Regeln. Während der Quarantänezeit sollte auch zwei Mal am Tag die Körpertemperatur gemessen und der Wert notiert werden. Es soll zudem ein Corona-Tagebuch geführt werden, in dem die Kontakte der Familie zu anderen Personen festgehalten werden. Auf Verlangen des Gesundheitsamtes hat die Kontaktperson ersten Grades Informationen aus dem Tagebuch mitzuteilen.

Dürfen Eltern eines Kindes, das als Kontaktperson ersten Grades unter Quarantäne gestellt wurde, das Haus verlassen, um beispielsweise einkaufen zu gehen?

Ja, das ist erlaubt – wenn die Eltern nicht Kontaktpersonen ersten Grades sind.

Dürfen Geschwisterkinder eines als Kontaktperson ersten Grades eingestuften Kindes zur Kita gehen?

Ja, das ist erlaubt, wenn die Geschwisterkinder nicht Kontaktperson ersten Grades sind.

Und in die Grundschule?

Ja, das ist erlaubt, wenn die Geschwisterkinder nicht Kontaktperson ersten Grades sind.

Brauchen die Geschwisterkinder als Kontaktpersonen zweiten Grades einen negativen Corona-Test, um in die Einrichtungen zurückkehren zu können?

Das hängt davon ab, ob die Kita oder die Schule einen solchen Test über das Hausrecht verlangt. Gesetzlich ist kein negatives Testergebnis erforderlich.

Müssen Kontaktpersonen ersten Grades einen Corona-Test machen?

Nein, ein Corona-Test ist nicht verpflichtend. Es wird dennoch empfohlen, ein bis zwei Testungen machen zu lassen (unmittelbar nach Bekanntwerden des Falls sowie fünf bis sieben Tage danach), selbst wenn keine Krankheitssymptome bestehen, da das Ergebnis auch eine wichtige Information für Erzieherinnen und Erzieher, für Lehrkräfte und Risikopersonen ist.

Verkürzt ein negatives Testergebnis die Quarantäne?

Nein.

Darf eine Patchworkfamilie, in der es eine Kontaktperson ersten Grades gibt, den Umgang mit einem Geschwisterkind, das nicht im selben Haushalt lebt, stattfinden lassen?

Nein, weil das Kind einem anderen Haushalt angehört und Besuche von anderen Haushalten während der Quarantäne nicht gestattet sind. Kontaktpersonen zweiten Grades dürfen sich aber im Freien mit dem Geschwisterkind treffen (auch wenn davon abgeraten wird). Die Kontaktperson ersten Grades darf das nicht.

Dürfen alleinerziehende Eltern, deren kleines Kind unter Quarantäne steht, das Kind mit zum Einkaufen nehmen? Oder das Kind Zuhause von einer haushaltsfremden Person beaufsichtigen lassen (beispielsweise während eines Arztbesuchs oder während des Einkaufens)?

Nein. Kontaktpersonen ersten Grades dürfen keinen Kontakt zu haushaltsfernen Menschen haben. Alleinerziehende Eltern müssen auch als Kontaktpersonen zweiten Grades, um die Aufsichtspflicht nicht zu verletzen, Nachbarn, Freunde oder Bekannte bitten, sie während der Quarantäne zu unterstützen und Lebensmittel vor der Haustür abzustellen. Ist dies nicht möglich, können sich die Alleinerziehenden an die Telefonnummer 0821 324 4444 bei der Stadt Augsburg wenden.

Was passiert, wenn sich jemand nicht an die Quarantäne/Häusliche Isolation hält und erwischt wird?

Verstöße gegen Quarantäne-Auflagen können mit bis zu 2000 Euro Bußgeld geahndet werden. Dabei handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Grundlage dafür sind das Infektionsschutzgesetz und die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.

Was geschieht, wenn eine Familie von der Infektion eines Familienmitglied weiß, dies geheim hält und das Kind dennoch weiter in die Kita oder in die Schule schickt?

Je nach Fall kann dies als Tatbestand der Körperverletzung eingestuft werden, wenn durch diese Verheimlichung andere Personen und insbesondere Kinder mit Covid19 infiziert werden und daraus eine Gesundheitsschädigung folgt.

Mehr Informationen zum Thema Quarantäne finden Sie im Bayerischen Ministerialblatt Nummer 631.

Lesen Sie zum Thema auch unser Quarantäne-Tagebuch zweier Eltern: Corona in der Kita: Ein Vater und eine Mutter berichten aus der Isolation

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