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Schaezlerpalais

17.11.2011

Ein Maler aus Augsburg

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2 Bilder
Dieses Gruppenbild mit zwei Frauen und einem Mann malte Fritz Burger-Mühlfeld im Jahr 1918. Man spürt Nähe und ungelöste Fragen. Es ist eine psychologisch dichte Bilderzählung in expressionistischer Art.
Bild: Kunstsammlungen Augsburg

Begegnung mit dem Werk von Fritz Burger-Mühlfeld (1882 – 1969)

Auf dem gezeichneten Gruppenbild der Augsburger Künstlervereinigung „Die Ecke“ sitzt er – ein Jahr nach ihrer Gründung 1907 – ganz hinten rechts: Fritz Burger-Mühlfeld (1882 – 1969), Augsburger Fabrikantensohn, Grafiker, Maler und Zeichner. Diesem Mann konnte man in Augsburg fünf Jahrzehnte lang (seit der bislang einzigen Werkschau 1963) nur im privaten Rahmen begegnen, in Bildern im Haus seiner Nichte Inge Rhomberg und bei anderen Sammlern. Jetzt machen die städtischen Kunstsammlungen mit Fritz Burger-Mühlfeld bekannt, in einer gar nicht so kleinen Ausstellung im Schaezlerpalais.

Da sind die Arbeiten aus Augsburger Privatbesitz versammelt, und sie zeigen zunächst einmal: Burger-Mühlfeld war ein blendender Zeichner. Die zeichnerischen Impressionen vom Anfang des Jahrhunderts sind leichthändig und temperamentvoll hingeworfen, dabei präzise umrissen und ironisch zugespitzt, etwa im Stil eines Olaf Gulbransson und damit „Simplicissimus“-tauglich.

Zweitens war Fritz Burger-Mühlfeld ein fleißiger Grafiker. Für die Lithografenanstalt, Etiketten- und Plakatfirma des Vaters lieferte er Entwürfe, in der Manier des Jugendstils, streng sachlich oder auch ein wenig monumental neoklassizistisch. Auch die Einladung für einen Ball im Hause Burger gestaltete er.

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Den Geburtsnamen der Mutter fügte sich der Künstler hinzu

Von diesem Zuhause müssen wohl die Impulse gekommen sein, die Fritz und auch seinen Bruder Ferdinand Albert auf den künstlerischen Weg brachten. Zwei Maler in einer Familie, und einer davon änderte seinen Namen. Mühlfeld, den Geburtsnamen seiner Mutter, hängte Fritz Burger an seinen Nachnamen dran, um sich vom gleichnamigen Kunsthistoriker zu unterscheiden. Da hatte er schon Kunstgewerbeschule und Kunstakademie in München bei Franz von Stuck absolviert und erste Beweise seines malerischen Talents vorgelegt: Ein äußerst empfind- und einfühlsam gemaltes Selbstporträt des 17-Jährigen etwa, ein weiteres Selbstporträt als Soldat (1916) und ein Gruppenbild aus dem Jahr 1918, „Zwei Frauen und ein Mann auf dem Sofa“.

Diese Tafel hängt im Schaezlerpalais zwar etwas ungünstig in zu hellem Licht, lohnt aber dennoch das Betrachten. Es ist anrührend, wie diese drei Personen da nebeneinandersitzen, nachdenklich, sinnierend. Mit welchem Thema sie beschäftigt sind, wissen die Betrachter nicht, aber man sieht und spürt die Nähe, die ungelösten Fragen. Eine psychologisch dichte Bilderzählung in expressionistischer Art.

Als er dieses Bild malte, hatte Burger-Mühlfeld den Ersten Weltkrieg überstanden. Er lebte in Hannover, wo er an der Kunstgewerbeschule unterrichtete. Allmählich änderte sich sein Stil, wurde sachlicher und kühler. Seine Frau Emmi und seine Schwester Thilde porträtierte er Anfang der 1930er Jahre im Stil der Neuen Sachlichkeit, dabei durchaus mit Gefühl, gleichsam getönt durch einen selbstbewussten Skeptizismus.

Auch Kubismus und Konstruktivismus ließ der Maler damals in seine zunehmend abstrakter werdenden Kompositionen einfließen, und diese Offenheit gegenüber der Moderne trug ihm dann die Stigmatisierung als „entarteter“ Künstler durch die nationalsozialistische Zensur ein. Zwei Arbeiten von Burger-Mühlfeld waren 1937 bei der Propaganda-Schau im Münchner Haus der Deutschen Kunst ausgestellt – von heute aus gesehen geradezu ein künstlerischer Adelstitel, damals für den Betroffenen ein traumatisches Erlebnis voll bedrohlicher Konsequenzen. Trotzdem zeigt sich der Künstler im Selbstporträt aus dem gleichen Jahr ungebrochen, kraftvoll und voller Autorität.

Späte Abstraktionen voller farbiger Strahlkraft

Fritz Burger-Mühlfeld konnte damals wohl weiterhin an der Hannoveraner Schule unterrichten, abgesehen von drei Jahren, in denen er abermals als Soldat dienen musste. Nach dem Krieg kam die alte Produktivität wieder, nun vorwiegend in abstrakter Form. Seine eher kleinformatigen Tafeln zeichnen sich durch farbige Strahlkraft aus; sie sind von geometrischer Klarheit, oftmals mit architektonischen Andeutungen und trotz der Abstraktion wiederum nicht ohne Gefühl in der farblichen Abtönung.

Anfang der 1960er-Jahre, als fast 80-Jähriger, hörte Fritz Burger-Mühlfeld zu malen auf. Wenn man in Augsburg ihn und sein Werk jetzt erst wahrnehmen kann, dann entdeckt man einen Maler, dem – wie vielen seiner Generation – zwar der große Durchbruch verwehrt blieb, der aber die künstlerischen Strömungen seiner Zeit aufnahm und sie sich auf ganz eigenständige Weise anverwandelte.

Laufzeit bis 5. Februar 2012 im zweiten Stock des Schaezlerpalais. Dort liegt ein Katalog auf.

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