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15.02.2015

Eine Gemeinde fürchtet um ihr Pfarrzentrum

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Die Pfarrer Armin Zürn und Gerhard Groll sowie Kirchenpfleger Anselm Berger (von links) stellten die Pläne vor.
Bild: Annette Zoepf

 Die Nachricht vom Abriss des Heims Heiligste Dreifaltigkeit sorgt in Kriegshaber für große Emotionen. Warum das neue Raumkonzept bislang auf wenig Begeisterung stößt

Der Pfarrsaal war so gut gefüllt wie bei einem Ballvergnügen, doch die Faschingsdekoration wirkte am Montagabend eher deplatziert. Die Nachricht, dass das Pfarrzentrum Heiligste Dreifaltigkeit abgerissen wird und einem Hospiz weichen soll, löste in der Gemeinde in Alt-Kriegshaber große Emotionen aus. Die Notwendigkeit, Sterbende zu betreuen, zieht niemand in Zweifel. „Aber brauchen wir deshalb eine Totaloperation?“, sagte Pfarrgemeinderat Rainer Ellenrieder.

Auch wenn das Thema der Pfarrversammlung in der Einladung nebulös formuliert war, ahnte Claudia Mießl gleich, dass hinter dem „pastoralen Zukunftskonzept“ schwerwiegende Veränderungen stecken. „Ich bin mit Chor, Sparverein und Kolping mehrmals pro Woche hier, das Pfarrheim ist für mich ein Stück Heimat“, sagt sie.

Dass das 1967 erbaute und 1984 erweiterte Gebäude die Kirchenstiftung belastet, ist kein Geheimnis. „Mit 90 Prozent Saalvermietung schultern wir gerade noch zehn Prozent Eigennutzung“, sagte Pfarrer Gerhard Groll kürzlich. Die nötigen Rückstellungen könnten dennoch nicht getätigt werden. Zu den Immobilien der Gemeinde zählen neben der Kirche noch das unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus und das ehemalige Mesnerhaus, das ebenso für den Hospizneubau abgerissen werden soll. Davon erfuhren die beiden Mietparteien erst kurz vor der Versammlung.

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Das St.-Vinzenz-Hospiz suchte schon seit geraumer Zeit nach einer Bestandsimmobilie oder einem Grundstück, um den Neubau zu verwirklichen. Denn künftig sollen dort 14 schwerstkranke Gäste statt bisher neun in der letzten Lebensphase betreut und gepflegt werden. Am bisherigen Standort in Hochzoll besteht jedoch keine Erweiterungsmöglichkeit. „Mit dem neuen Standort können wir die Hospizarbeit maßgeblich weiterentwickeln“, sagt Pfarrer Armin Zürn als Vorsitzender des Trägervereins. Auch wenn der Neubau nun nicht wie ursprünglich geplant in der Innenstadt, sondern in Kriegshaber entstehen soll, findet der Domkapitular die Lage ideal: Die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch aus dem Umland werde den Angehörigen den Weg ins Hospiz erleichtern.

Zürn betonte aber auch: „Wir wollen das Pfarrleben hier halten und sichern.“ Wie das aussehen soll, skizzierte er gemeinsam mit Kirchenpfleger Anselm Berger, Pfarrer Groll und Architektin Annette Degle, die eine Machbarkeitsstudie für den rund 1200 Quadratmeter großen Neubau erstellt hatte.

Die Pläne sehen vor, dass die Dreifaltigkeitsgemeinde dort den für 75 Personen ausgelegten Veranstaltungssaal des Hospizes unentgeltlich nutzen kann. Und das Pfarrhaus, in dem Bistumshistoriker Thomas Groll, der Bruder des Stadtpfarrers, wohnt, soll künftig auch Gemeinderäume beherbergen. Es soll noch vor dem Hospizbau umgebaut werden, damit im Keller die Jugendgruppen und im Erdgeschoss die anderen Gruppen der Pfarrei einziehen können. Als Ausweichquartiere für Veranstaltungen können sich die Verantwortlichen auch das Pfarrheim St. Thaddäus, und das Thaddäus-Zentrum vorstellen.

Letzteres stieß bei den Anwesenden nicht nur wegen des weiteren Weges auf wenig Begeisterung: „Da gehe ich nicht hin“, empörte sich ein Besucher. Aber auch mit den übrigen Plänen können sich die Aktiven nicht so recht anfreunden. So versteht Maria Neumann nicht, dass erst vor wenigen Jahren 300000 Euro in die Sanierung des Pfarrheims gesteckt wurden, „und jetzt wird alles plattgemacht.“ Hier sei in letzter Zeit viel passiert, die Nachricht vom Abriss sei deshalb „eine Watschen für die ehrenamtlich Engagierten“. Andreas Rauch vom Pfarrgemeinderat sieht „Teile des Pfarrlebens ernsthaft gefährdet“. Großveranstaltungen wie Faschingsball oder Pfarrfest ließen sich am neuen Ort nicht verwirklichen. Auch der Gemeindenachwuchs befürchtet, „dass die funktionierende Jugendarbeit kaputt gemacht wird“.

Um das Raumangebot zu erhöhen, wurde vorgeschlagen, das komplette Pfarrhaus für die Gemeinde umzubauen. Wie es weitergeht, sollen die nächsten Monate zeigen. Die Pfarrheim-Nutzer sind eingeladen, mit den Verantwortlichen zu diskutieren. Anselm Berger, der als Kirchenpfleger die Finanzen im Blick hat, hofft auf eine Realisierung der Pläne. Denn dann entfalle nicht nur die Unterhaltspflicht für das Pfarrheim. Aus dem Mietzins – der Hospizverein erwirbt das Grundstück auf Erbpacht – könnten auch weitere Rücklagen für die Pfarrei getätigt werden.

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