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Augsburg

22.12.2018

Er lässt die Osram-Geschichte in Augsburg weiterleuchten

Die Ansage auf der Kiste ist eindeutig: „Werk Augsburg, niemals wegwerfen.“ Rolf Frenzel arbeitete seit 1985 für Osram und später Ledvance. Nun will er die Geschichte des Werks bewahren.
Bild: Silvio Wyszengrad

Mit der Schließung des heutigen Ledvance-Werkes ist ein Stück Augsburg in Gefahr. Rolf Frenzel hat Dokumente, Werbetafeln und ganz besondere Leuchten gerettet.

Auf den meisten Kisten und Kartons, die an diesem Nachmittag in einer Ecke im Foyer des Textil- und Industriemuseums (Tim) stehen, liegt eine Staubschicht. Überall blitzt das Osram-Orange aus den Kisten. Glühbirnen, Blitztechnik, Leuchtstoffröhren. Dazwischen alte Werbeaufsteller – blau und in Großbuchstaben Osram vor weißer Glühbirne auf orangfarbenem Hintergrund.

Rolf Frenzel hat diese Stücke Augsburger Industriegeschichte an das Museum übergeben. Jahrelang standen die Kartons in Schränken im ehemaligen Osramwerk, das an Ledvance überging, oder die Exponate lagen über die einzelnen Abteilungen verteilt herum. „Ich dachte mir, das kann man nicht einfach wegwerfen“, sagt Frenzel, der über drei Jahrzehnte im Werk tätig war.

Werbung von Osram und andere Stücke Augsburger Industriegeschichte

Also fing er an die Stücke zu sammeln, die von einer bewegten Firmengeschichte erzählen. Als im Oktober die Produktion bei Ledvance eingestellt wurde und das Ausräumen des Werk begann, nahm er Kontakt mit dem Stadtarchiv und dem Tim auf. Das Archiv bekommt alle schriftlichen Dokumentationen und Archivmaterial. Unter anderem auch eine Sammlung aller Stellenanzeigen, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt von Osram inseriert wurden. Das tim nimmt sich der gegenständlichen Exponate an. Karl Borromäus Murr, Leiter des Museums in Augsburg, freut sich, dass die Exponate in das Museumsdepot kommen. „Es ist schön, wenn jemand wie Rolf Frenzel einen historischen Sinn hat und solche Dinge sorgfältig aufbewahrt“, sagt Murr und zeigt auf eine Kiste auf die Frenzel mit einem dicken Edding „Niemals wegwerfen“ geschrieben hat.

Der Leiter des Texttil- und Industriemuseums, Karl Borromäus Murr, freut sich über die neuen Exponate.
Bild: Silvio Wyszengrad

Darin viele kleine Schachteln, die von einem Kapitel des Augsburger Werks zeugen, das heute kaum mehr jemand mit dem Glühbirnenhersteller in Verbindung bringt. Von 1932 bis 1982 wurden im Werk in der Berliner Allee sogenannte Vacu-Blitze für Fotoapparate hergestellt. Zunächst waren die Birnen, mit denen geblitzt wurde, riesig. Nach und nach wurden sie kleiner und effizienter entwickelt.

Seit 1985 arbeitete Frenzel für Osram und später Ledvance. Zuletzt viele Jahre als Leiter des Qualitätswesens. Eine seiner ersten Tätigkeiten für seinen Arbeitgeber hat er dem Tim in Form einer Schautafel überlassen. Zu sehen ist der Aufbau einer Energiesparlampe und deren Entwicklungsschritte.

„Eigentlich kann man sagen, dass die Energiesparlampe in Augsburg erfunden wurde“, sagt Frenzel. Die Idee sei damals zwar nicht ganz neu gewesen, aber die Entwicklung vieler Details sei maßgeblich vom Werk in Augsburg ausgegangen. „Am Anfang hat eine Energiesparlampe noch um die 45 Mark gekostet“, erinnert sich Frenzel. „Reklame für das Produkt gab es damals nicht. Die Produktion wäre gar nicht hinterher gekommen.“

Die letzte Leuchtstoffröhre aus Augsburg ist ein besonderes Exponat

Ein ganz besonderes Stück liegt unscheinbar oben auf einer Kiste: Die letzte in Augsburg produzierte T5 Leuchtstoffröhre. „Die hat ein Produktionsleiter auf die Seite gelegt“, sagt Frenzel. Er selbst konnte nicht mit anschauen, wie die letzte Lampe gefertigt wurde. „Ich bin gegangen, wie einige andere auch.“ Weil viele Emotionen und Erinnerungen in den Sachen stecken, ist Frenzel froh, dass sich das tim und das Stadtarchiv den Exponaten annehmen. „Mir wäre es sehr schwer gefallen, die Sachen wegzuschmeißen.“

Für Ernst Höntze, zuständig für das Sachgebiet Industrie im Tim, fängt jetzt die Arbeit an. Zunächst werden alle Stücke gesichtet. Dabei muss besonders darauf geachtet werden, dass kein Ungeziefer mit den Kisten in die Depots gelangt. Deshalb kommen alle Gegenstände in eine Art Quarantäne, bevor sie grob erfasst, historisch eingeordnet und mit einer kurzen Beschreibung versehen in die Depots sortiert werden. „Oft entdecken wir erst beim genauen Erfassen die spannenden Dingen“, sagt Höntze. „Eine Glücksrittersache“, ergänzt Murr. Je nach Ausstellung und Leihanfrage werden die Objekte dann für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und anschaulich aufbereitet.

Frenzel hat die meisten Erinnerungsstücke an das Tim abgegeben. „Vielleicht nehme ich mir ein zwei alte Lampen als Erinnerung mit nach Hause“, sagt er. „Sonst habe ich viele Scans, Fotos und Dokumente digitalisiert. Damit kann ich jederzeit in der Geschichte schwelgen, wenn ich will.“

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