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Augsburg

07.03.2019

Familiärer Rahmen für Pflege, Genuss und Gesang

Die Altenpflege Augsburg eröffnete dieser Tage die Tagespflege am Seniorenzentrum Servatius im Hochfeld. Es wird in zwei Komponenten gekocht und bald ein „Naschgarten“ angelegt. Mancher Senior singt am liebsten.

„Selbstbestimmung ist alles“, sagt Anita Happacher von der Fachbereichsleitung Pflege. Damit erklärt sie am ersten Tag der Tagespflege im Seniorenzentrum Servatius in der Fritz-Hintermayr-Straße im Hochfeld, dass der eine oder andere Senior der kleinen Kennenlernrunde jederzeit die Zeitungslektüre den Ausführungen von Pflegefachkraft Gabriele Neumann vorziehen darf. Eigentlich hätten sie zu fünft sein sollen. Aber wegen eines Schnupfens blieb einer, der angemeldet war, der Gruppe fern.

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Ganz anders die beiden Herren am Fenster, die die Gesellschaft sichtlich genießen. Sie hören aufmerksam zu, was sie über den „Weg“, den „ersten Schritt“ und das Erreichen eines „Zieles“ von Gabriele Neumann erfahren. Plötzlich stimmt einer von ihnen auf ein Stichwort ein fröhliches Liedchen an: Er trägt „Backe, backe Kuchen“ vor, was als Aufforderung verstanden werden könnte. Denn wie Anita Happacher sagt, wird in der Tagespflege jeden zweiten Tag Kuchen gebacken. Überhaupt wird auf die Verpflegung der Gäste viel Wert gelegt.

Sättigungsbeilagen von den Mitarbeitern

Laut Pflegedienstleiterin Sigrid Klein praktiziert das Haus das sogenannte Zwei-Komponenten-Kochen. Das bedeute, dass Speisen von einem externen Caterer geliefert werden, während die Mitarbeiter die Sättigungsbeilagen selbst zubereiten. Auch Lunchpakete werden auf Wunsch geschnürt, wenn bei den Klienten zu Hause die Küche einmal kalt bleibt.

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Stolz sind die Mitarbeiter auch auf ihr neues Pflegebad mit entsprechenden Hilfsmitteln, um bei der Körperpflege zu helfen. Im Mittelpunkt des Badezimmers steht eine höhenverstellbare Wanne, die wie ein Whirlpool mit Spritz-Düsen ausgestattet ist. Im ganzen Haus sind die Fachkräfte bemüht, „familienähnliche Verhältnisse“ zu schaffen. Das schlägt sich auch im Programm nieder. Während dem Jahreslauf entsprechend Fasching gefeiert wurde, spielen die Tagesgäste miteinander auch Bingo, gehen spazieren oder kegeln. Die Senioren dürfen außerdem im Gymnastikraum einer im Haus niedergelassenen Praxis zur ergotherapeutischen Behandlung oder zur Physio gehen.

Wieder erklingen vertraute Lieder am Nebentisch: Diesmal sind es die „Tulpen aus Amsterdam“. Laut Pflegedienstleitung kennen sich die zwei Sänger seit 50 Jahren – ja, sind sogar gut befreundet. Der eine sei ihr Schwiegervater Oswald Klein, 90, der andere Hans Wirth, 84. Auch das gehört zur familiären Stimmung in der Tagespflege.

Stadt reagiert auf den steigenden Bedarf

Mit ihr reagiert der städtische Eigenbetrieb laut Pressesprecherin Daniela Frumert auf den steigenden Bedarf für Betreuung alter Menschen. Es sind Senioren, die zwar noch weitgehend selbstständig zu Hause leben können, aber trotzdem der Unterstützung bei der Pflege und dem Erhalt ihrer sozialen Kontakte bedürfen. Häufig müssen sie einfach nur erinnert werden, wie sie sich waschen oder anziehen sollen, vor allem aber wann.

Das freundlich eingerichtete Haus verfügt über Ruhe- und Schlafräume, über eine Küchenzeile, einen gemütlich eingerichteten Aufenthaltsraum und ist mit einem beschützenden Demenzfürsorgesystem ausgerüstet. Obwohl die Tagespflege im Erdgeschoss des Seniorenzentrums Servatius zu finden ist, so ist diese Einrichtung dennoch ein abgeschlossener, solitärer Bereich. Wie Daniela Frumert sagt, ist die Zahl der Tagespflege-Einrichtungen in den vergangenen fünf Jahren deutlich gestiegen.

Derzeit stehen ihrer Auskunft nach circa 210 Plätze in Tagespflegen zur Verfügung – teilweise seien sie eingestreut in stationäre Pflegeheime. Auch Susanne Greger, die Werkleiterin der städtischen Altenhilfe, schaut sich an diesem Eröffnungstag in der Einrichtung um und ist von diesem Angebot angetan. Hier bekommen pflegende Angehörige die Gelegenheit, Energie aufzutanken. Und das, indem sie wieder einmal einkaufen oder zum Friseur gehen können, den betreuten Menschen aber in guten Händen wissen.

Noch liegt der Garten am Haus in der Winterstarre. Aber das Personal hat draußen die Bepflanzung eines Hochbeets vor und will einen sogenannten „Naschgarten“ mit Beeren – seien es Erdbeeren oder Stachelbeeren – bestücken. Wenn es wärmer wird und die Sträucher Früchte tragen, können Tagespflege-Gäste zum Naschen ausschwärmen.

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