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Augsburg

08.03.2020

Frauen wehren sich in Augsburg gegen unbezahlte Arbeit

Anlässlich des Weltfrauentags gab es auch in Augsburg eine Demonstration mit rund 150 Teilnehmern.
Bild: Bernd Hohlen

Zum Internationalen Frauentag gingen in Augsburg 150 Demonstrantinnen auf die Straße. Auf die Kinder passten Männer auf.

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März gab es auch in Augsburg eine Frauendemo. Unter dem Motto „Wir kochen schon lange - machen wir einen Auflauf“ hatte das Frauen-Streikkomitee Augsburg dazu aufgerufen. Rund 150 Frauen und auch einige Männer machten sich für die Rechte der Frauen stark. Auftakt der Veranstaltung war am Moritzplatz, von wo der Zug über den Rathausplatz bis zum Dom und wieder zurück ging. An den einzelnen Stationen ergriffen Frauen zu verschiedenen Themen wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmung das Mikrofon.

Dass der Internationale Frauentag dieses Jahr auf einen Sonntag fiel, nahmen die Organisatorinnen zum Anlass, das Thema unbezahlte Arbeit in der Familie in den Fokus der Veranstaltung zu stellen, erklärte Organisatorin Laura Schmidt vom Frauen-Streikkomitee. „Nicht nur bezahlte Arbeit ist Arbeit“, sagte sie. Frauen leisteten in der Woche durchschnittlich neun Stunden mehr unbezahlte Hausarbeit mehr als Männer. Diese „reproduktive Arbeit“ in Form von Erziehung, Pflege und Sorge ermögliche es den Männern erst, ihre produktive Arbeit zu erbringen, so Schmidt.

Frauentag: Der Sonntag sei ein guter Tag zum Streiken

Der Sonntag sei auch ein guter Tag für Frauen zum Streiken, weil sie aufgrund ihrer unbezahlten Arbeit unter der Woche für politische Betätigung gar keine Zeit fänden. Das ganze Jahr über arbeiteten Frauen rund um die Uhr. Auch kochen, putzen, Kinder versorgen oder Eltern pflegen seien anstrengend. Das Motto des diesjährigen Frauenstreiks „Wir kochen schon lange - wir machen einen Auflauf“ zeige auf, wie normalisiert diese ungerechte Arbeitsteilung sei. Das mache die Frauen wütend – deshalb bestreikten sie am 8. März die unsichtbare Arbeit, die Frauen jeden Tag leisten und gingen auf die Straße, heißt es in einer Erklärung der Organisatoren.

Doch auch gegen sexualisierte Gewalt wandten sich die Demonstrantinnen. Mit dem Klimawandel verstärke sich die prekäre Lebenslage von Frauen weltweit, so die Organisatoren. Menschenhandel, Missbrauch und Prostitution nähmen zu. Deshalb gehe man auch für eine geschlechterneutrale Gesellschaft ohne Sexismus, Ausbeutung und Gewalt auf die Straße.

Damit die Frauen wirklich in Ruhe streiken konnten, wurden die Männer eingespannt. Sie bereiteten das gemeinsame Essen nach der Veranstaltung zu und betreuten sogar die Kinder der Teilnehmerinnen. „Meine Kumpels und ich sind angehende Erzieher, wahrscheinlich sind wir deshalb für die Kinderbetreuung angesprochen worden,“ vermutet Philipp Waterschoot, der die Demo zusammen mit Kindern und einem Bollerwagen begleitete. „Wir unterstützen den Weltfrauentag natürlich gerne – ist doch eine gute Sache“, sagte er. Gerade im sozialen Bereich komme man immer wieder mit ungerechten Bedingungen für Frauen in Berührung. „Nur fünf Prozent der Erzieher sind Männer – um die wird sich gerissen und die werden besser bezahlt“, hat er erfahren. Das sei ungerecht. Für die Kinder sei die Demo vor allem Action. „Und sie können hier gleich etwas über Demokratieverständnis lernen“, freut sich der Betreuer.

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09.03.2020

„unbezahlte Arbeit in der Familie“ - (edit/mod/Ausdrucksweise)



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