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16.10.2013

„Für eine Trennung gibt es Gründe“

Im Sommer 2014 verlässt der Schauspieldirektor Markus Trabusch Augsburg. Ihm fällt das nicht leicht. „Ich finde Augsburg eine wirklich tolle Stadt mit einem großartigen Publikum“, sagt er.
Bild: Fred Schöllhorn

Interview Der scheidende Schauspieldirektor Markus Trabusch über seine Zeit in Augsburg und sein Verhältnis zu Intendantin Juliane Votteler, das von verschiedenen Auffassungen geprägt ist

Von Nicole Prestle

Markus Trabusch gab gestern Mittag offiziell seinen Abschied vom Theater Augsburg bekannt. Der Schauspieldirektor traf sich nach der Pressekonferenz mit der AZ zum Interview und sprach über seine Leistungsbilanz nach siebenjährigem künstlerischem Wirken in der Stadt und seine nicht immer einfache Zusammenarbeit mit Intendantin Juliane Votteler. Trabusch verlässt Augsburg im Sommer 2014.

Herr Trabusch, warum verlassen Sie das Theater Augsburg wirklich?

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Trabusch: Also wenn jemand nach sieben Jahren geht, nach so einer Zeit, dann kann man natürlich sagen, das ist eine Ära, die dann mit sieben Jahren auch gut ist. Tatsächlich ist es in meinem Leben so, dass ich immer nach sieben Jahren nach etwas Neuem Ausschau gehalten habe. Auf der anderen Seite kann man einfach nicht verhehlen, dass eine Trennung eben eine Trennung ist. Und dafür gibt’s dann Gründe.

Und welche waren das?

Trabusch: Die liegen meinerseits in einer anderen Auffassung von Führung und damit auch einer anderen Kultur der Führung. Und zum anderen in einer Frage der Abgrenzung von Kompetenzbereichen.

Das heißt, Intendantin Juliane Votteler hat sich in Ihre Arbeit eingemischt?

Trabusch: Zumindest war das immer wieder auch mal strittig. Damit umzugehen ist eine Abwägung: Man kriegt das im Guten manchmal hin, dann ist das vielleicht sogar befruchtend. Aber wenn man das nicht mehr im Guten hinbekommt, wenn das nur noch schwieriger wird, dann sind das eben Fragen, die man sich stellt.

Was war denn konkret das Problem?

Trabusch: Dazu will ich nichts weiter sagen.

In der Pressekonferenz heute hieß es, man trenne sich einvernehmlich...

Trabusch: Das ist tatsächlich einvernehmlich. Trennung meint: Wir wollen beide so nicht mehr weiter. Aber was ich in den sieben Jahren gemacht habe, schien mir heute Morgen in der Pressekonferenz doch etwas zu kurz zu kommen.

Sie sind stellvertretender Intendant, haben Juliane Votteler ein halbes Jahr vertreten, als sie krank war. Hat das zwischen ihr und Ihnen zu einem Bruch geführt?

Trabusch: Das darf und will ich nicht kommentieren. Das ist sehr heikel.

War es damals schwierig, so kurzfristig einzuspringen?

Trabusch: Bevor ich hierher kam, war ich sieben Jahre lang Leiter einer Institution. Es ist ja nicht so, dass das neu gewesen wäre für mich. Das macht man dann halt und es gibt auch Dinge, die daran Spaß machen. Und das ist ja auch wirklich gut gelaufen.

Juliane Votteler hat Ihren Vertrag trotzdem immer nur um ein Jahr verlängert. War das schwierig für Sie?

Trabusch: Ich hatte irgendwie das Zutrauen, dass ich bisher ja immer weitere Jobs gefunden habe, die mich interessiert hatten – egal, wann ich welche Jobs gewechselt habe. Dennoch war das für mich ungewöhnlich und mit der Frage verbunden, warum das so ist.

Hatte das auch einen künstlerischen Hintergrund?

Trabusch: Ob man zum Beispiel die Off-Szene stärker einbindet oder nicht, das ist mit mir in der Vergangenheit nicht mehr diskutiert worden. Diese Frage, wie das noch miteinander weitergeht, ist ja keine, die Anfang Oktober zum ersten Mal besprochen wurde. Da mehrten sich die Anzeichen auf beiden Seiten. Darum hat man sich darüber auch nicht mehr unterhalten.

Ihr Posten soll nicht mehr besetzt werden, Juliane Votteler will die Hierarchien verflachen...

Trabusch: Natürlich stellt sich in einem Betrieb von 375 Mitarbeitern die Frage, wie man die Leitung organisiert. Das kann man sich als Modell in sehr vielen verschiedenen Varianten vorstellen. Verflachung der Hierarchien meint ja aber auch, es gibt nur noch einen Ansprechpartner. Wir sind alle sehr gespannt, wie es weitergeht.

Vergangenen Sommer sagte der städtische Gesamtpersonalrat, am Theater gebe es aus seiner Sicht ein Führungsproblem...

Trabusch: Ich hab davon Kenntnis bekommen, aber mehr weiß ich davon auch nicht. Ich kann und will das nicht kommentieren.

Fällt es Ihnen denn leicht, aus Augsburg wegzugehen?

Trabusch: Es fällt mir nicht leicht. Ich finde Augsburg eine wirklich tolle Stadt mit einem großartigen Publikum. Eine Stadt, in der man sehr gut Theater machen kann.

Dirk Kaftan, Katharina John, nun Sie. Ist es nicht ungewöhnlich, dass so viele Führungskräfte ein Haus wie Augsburg verlassen?

Trabusch: Diese Frage sollte man nicht mir stellen, sondern anderen. Aber Herr Kaftan hatte gerade in Augsburg erst einen neuen Vertrag unterschrieben...

Wie hat denn das Ensemble auf Ihren Weggang reagiert?

Trabusch: Da müssen Sie das Ensemble fragen. Aber der Tag, an dem das in der Presse stand, da waren die Proben auch nicht mehr lustig.

Die Schauspieler waren geschockt, enttäuscht?

Trabusch: Ja, und dann sollen sie da mal eben wieder Höchstleistungen auf der Bühne bringen...

Konnten Sie in sieben Jahren das Schauspiel entwickeln, das Sie wollten, oder wurde Ihnen dreingeredet?

Trabusch: Nein. Das ist schon das Schauspiel, das ich wollte. Dass die Entwicklung jetzt eine völlig andere ist, seit man eine neue Spielstätte hat, ist klar. Das sieht man ja an dieser Spielzeit, was da alles stattfinden kann, bis hin zu ganz extremen Positionen. Man sieht, was diese Spielstätte alles kann.

Sie hätten also gerne noch länger auf der Brechtbühne gearbeitet?

Trabusch: Ach, ich hab’ sie ja am Laufen. In Salzburg bin ich gegangen, da hatte ich gerade ein Gebäude eröffnet. Hier diese zwei Jahre noch mitnehmen zu können, ist schon sehr angenehm.

Sie sind noch bis Sommer 2014 in Augsburg. Das wird keine leichte Zeit werden, oder?

Trabusch: Doch, ich kann mich endlich auf die laufenden Produktionen konzentrieren. Ich komme meinen Leitungsfunktionen dafür in allen Facetten nach. Die Planung für die Zukunft, sowohl inhaltlich als auch personell, damit habe ich aber nichts mehr zu tun.

Und Ihr persönliches Resümee dieser sieben Jahre?

Trabusch: Wir haben die Komödie erst einmal so ernst genommen und so bespielt, dass sie am Schluss eine Auslastung von deutlich über 90 Prozent hatte. Das ist mir gelungen und das war die wichtigste Argumentationsbasis für einen wie auch immer gearteten Zwischenbau. Und natürlich bin ich auf die Brechtbühne stolz.

Sie haben mit bekannten Regisseuren gearbeitet...

Trabusch: Natürlich, die sind alle mit mir gekommen. Und zwar nur mit mir: Anne Lenk, Philipp Gloger... Der kam aus alter Verbundenheit für „Leonce und Lena“ noch einmal nach Augsburg, obwohl er damals bereits für Bayreuth engagiert war. Dann hat man hier jungen Leuten bei ihrer Entwicklung zusehen können. Alle Schauspieler, die jetzt gehen – Judith Bohle, Ulrich Rechenbach, Martin Hermann –, die gehen an größere, reichere Häuser. Das spricht doch für den Schauspieldirektor, oder?

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Sie haben noch keinen neuen Job.

Trabusch: Ich gebe etwas auf, was nicht sofort durch etwas Neues ersetzt wird, ja. Ich freue mich aber auch auf die Zeit zum Nachdenken, weil ich auch wieder in einer Leitungsfunktion an einem Theater arbeiten möchte. Da hilft eine Zeit des Auswertens sehr.

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