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Porträt

23.05.2014

Für sein Stück spricht er wie in der Gosse

Sechs Umzüge hat der Schauspieler Alexander Darkow bereits hinter sich. 2011 ist er nach Augsburg in die Jakobervorstadt gezogen und fühlt sich hier sehr wohl. Vor allem über die Kontaktfreudigkeit der Augsburger freut er sich.
Bild: Peter Fastl

Alexander Darkow ist seit 2011 am Theater engagiert. Als Hakim im Stück „Verrücktes Blut“ gibt er derzeit alles. Mit seinem Spiel will er Menschen zum Nachdenken bringen

Was dieser Hakim so rausrotzt, ist nicht zitierfähig. Erzählt wird im Stück „Verrücktes Blut“ von einer Klasse mit Migranten, denen der Unterricht ihrer Lehrerin völlig egal ist, bis eine geladene Waffe ins Spiel kommt. Das preisgekrönte Stück von Nurkan Erpulat und Jens Hillje steht in vielen Theatern der Republik auf dem Spielplan, auch in Augsburg.

Und es verlangt von den Schauspielern Außerordentliches. „Wir mussten diese brutale Gossensprache ja erst lernen“, so Alexander Darkow. Auch körperlich geht das Stück auf der Brechtbühne mit diversen Rangeleien an die Grenze. Anscheinend überzeugend, es ist so gut wie immer ausverkauft.

Dafür ist der 33-jährige Schauspieler geworden, er will Geschichten erzählen, Menschen zum Nachdenken bringen, Vorurteile durchbrechen und nach Möglichkeit Sichtweisen verändern.

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Geboren ist Alexander Darkow 1980 in Ostberlin, war als Sechsjähriger bei den Pionieren, ging zum Fahnenappell. „Es war Gemeinschaft“, so der Mime im Rückblick. Das Abitur machte er nach der Wende allerdings im Westen, auf einem humanistischen Gymnasium in Wilmersdorf.

Anschließend erlebte er die ganz harte Welt. Zivildienst in einer Methadonambulanz mit integrierter Drogenhilfe in Berlin-Kreuzberg. „So viel Leid und Elend kannte ich nicht und habe das seitdem nie mehr erlebt.“ Vermissen möchte er diese Erfahrung trotzdem nicht. Doch der Berufswunsch stand da längst fest. Schauspieler wollte er werden, seine Eltern, die immer viel mit ihren Kindern im Theater waren, hatten keine Einwände. So bewarb er sich an einigen Schulen; zwei, eine in München und eine in Leipzig, boten ihm einen Studienplatz an. Er entschied sich 2002 für Leipzig. Lernte an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Sprechen, Singen, Tanzen, Fechten, Yoga und Tai Chi. Seine Diplomarbeit drehte sich um „Maria Stuart“.

Nach Rudolfstadt und Heilbronn landete Alexander Darkow 2011 in Augsburg. Seitdem hat er hier gut zu tun. So als O’Hara in „Arsen und Spitzenhäubchen“, als Yang Sun in Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“, als Preuße in „Der Brandner Kaspar“. Und, und, und.

„Es ist ein Traumberuf.“ Trotz aller Entbehrungen, harter Bedingungen und überschaubarer Bezahlung. Sechs Umzüge hat der 33-Jährige bereits hinter sich, lebte immer wieder in WGs. Die größte Herausforderung sei,„alles von sich zu geben und trotzdem sehr diszipliniert zu sein“. Nur so könne man lange in diesem Metier arbeiten.

In Augsburg ist er angekommen. Er hat sich eine Wohnung in der Jakobervorstadt eingerichtet, geht joggen im Siebentischwald, bummelt über den Stadtmarkt und freut sich über die Kontaktfreude der Augsburger. „Im Sommer spielt sich hier das Leben draußen ab, das finde ich sehr schön.“

Einsam fühlt er sich, der bewusst nicht auf Facebook ist, nie. Zumal jetzt auch noch einige seiner besten Freunde von Berlin nach München gezogen sind.

Er weiß, auch die Fuggerstadt wird nur eine Station seines Lebens sein. Gerne würde er mal mit Regisseuren wie Stefan Pucher und Christoph Marthaler arbeiten, gerne mal eine Hauptrolle in einem Shakespeare geben, und wenn ein Theater wieder näher an der Heimat Berlin liegen würde, fände er das auch schön.

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