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Augsburg

28.04.2019

Gebührenbescheid über Beerdigung bringt Augsburger in Rage

Eine Trauerfeier auf dem Westfriedhof. Wer dort einen CD-Player leiht, muss 100 Euro zahlen.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Manfred Saur hat für eine Beisetzung 1300 Euro bezahlt. Dann kam die Rechnung für den CD-Spieler. Saur ärgert sich - und setzt sich dagegen zur Wehr.

Manfred Saur musste im Januar seine Lebensgefährtin Sieglinde Reich auf dem Westfriedhof beerdigen. Im März erhielt der Augsburger eine Rechnung der Stadt im Zusammenhang mit der Trauerfeier. Über einen Posten im Gebührenbescheid ist er allerdings nachhaltig verärgert: Saur soll 100 Euro dafür bezahlen, dass er auf einem CD-Gerät zwei Lieder abspielte. Das will er so nicht hinnehmen.

Am Tag der Beerdigung sei alles reibungslos abgelaufen, erinnert sich der 66-Jährige. Es sei eine würdige Trauerfeier mit vielen Besuchern gewesen. Saur brachte selber eine CD mit, um zwei Songs abzuspielen, die seine Lebensgefährtin früher besonders gern hatte. Dafür benutzte er einen vorhandenen CD-Spieler in der Aussegnungshalle.

Für einen CD-Spieler und zwei Lieder wurden 100 Euro fällig

Als Saur einige Wochen später den Gebührenbescheid von der Friedhofsverwaltung zugestellt bekam, war er entsetzt: Für die Bereitstellung des CD-Spielers samt Lautsprecher wurden 100 Euro berechnet. „Das ist völlig überzogen“, findet er. Es seien zwei Lieder gespielt worden und den Tonträger habe er auch noch selber mitgebracht. Saur rechnet vor, dass er für die Beerdigung über 1300 Euro bezahlt hat. Allein die Benutzung der Aussegnungshalle habe mit 132,50 Euro für 25 Minuten zu Buche geschlagen. „Dass der vorhandene CD-Spieler extra kostet, war mir nicht klar.“ Er hält diesen Preis auch nicht für akzeptabel. Wenn man in einem Hotel einen Tagungsraum miete, sei die technische Ausrüstung in der Pauschale in der Regel inbegriffen, argumentiert der Augsburger.

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Saur will die städtische Forderung in dieser Höhe nicht hinnehmen. Ein Gespräch mit der Friedhofsverwaltung brachte für ihn kein zufriedenstellendes Ergebnis. Deshalb hat er Widerspruch gegen den Gebührenbescheid bei der Regierung von Schwaben eingelegt, um den Streitfall klären zu lassen. Der 66-Jährige sagt, „mir geht es nicht um die 100 Euro, aber irgendwann verlangt die Stadt auch noch Geld fürs Lichteinschalten.“

Bei der Stadt glaubt man gute Gründe für die Gebühr zu haben. „Für die Nutzung unseres CD- Players bringen die Angehörigen oder das beauftragte Bestattungsunternehmen eine CD oder einen Stick an den Friedhof. Unser Mitarbeiter testet daraufhin, ob die Tonträger funktionieren, insbesondere bei selbstgebrannten CDs oder heruntergeladener Musik auf einem Stick“, teilt der Leiter des Friedhofswesens, Helmut Riedl, mit. Vor der Trauerfeier teile der Mitarbeiter dem Geistlichen oder Trauerredner die Anzahl der Musikstücke mit und stimme mit ihm ab, wann die Musik eingespielt werden soll. Es handele sich im Regelfall um zwei oder drei Musikstücke, so Riedl.

Die Stadt argumentiert mit dem enormen personellen Aufwand

Während der Trauerfeier müsse einer der Mitarbeiter ständig anwesend sein, um den CD-Player zum richtigen Zeitpunkt in Gang zu setzen. Nach der Trauerfeier bringe der Mitarbeiter die CD ins Büro der Friedhofsverwaltung, wo diese abgeholt werden kann. „Wird dies von den Angehörigen vergessen, werden sie telefonisch an die Abholung der CD erinnert“, so Riedl. Der Großteil dieser Gebühr setze sich damit aus dem erforderlichen Personaleinsatz zusammen.

In die Gebühr von 100 Euro fließen außerdem die Kosten des CD-Players einschließlich der Lautsprecheranlage mit ein, so die Stadt, ebenso die Kosten für Wartungs- und Reparaturarbeiten. Zudem wird ein Ersatzgerät für den Notfall bereit gehalten, sollte der CD-Spieler einmal ausfallen.

Bis vor zwei Jahren war Musik von bereitgestellten Geräten im Friedhof noch wesentlich preisgünstiger zu haben. Damals kostete es noch 49 Euro. 2017 wurde im Rahmen der vierjährigen Gebührenkalkulation der neue, doppelt so teure Preis festgelegt. Durch die Beschaffung hochwertiger Anlagen und die Einberechnung sämtlicher Personalkosten sei der Betrag entsprechend angepasst worden, so Riedl. Er verweist auch darauf, dass Hinterbliebene zur Trauerfeier ihr eigenes Abspielgerät mitbringen dürfen. In diesem Fall hätten sie sich aber auch um den Ablauf selber zu kümmern. „Personal wird in diesem Fall von uns nicht zur Verfügung gestellt.“

Manfred Saur lässt sich von diesen Argumenten nicht überzeugen. Er wartet nun, was sein Widerspruch bei der Regierung ergibt. Dort sagt ein Sprecher, über die Angelegenheit sei noch nicht entschieden. Maßgebend für die Entscheidung seien die gesetzlichen Vorgaben samt der städtischen Friedhofsgebühren- und -kostensatzung. Sollte Saur nicht Recht bekommen, muss er auch noch mit weiteren Kosten rechnen. „Die Kosten eines Widerspruchsverfahrens sind regelmäßig vom Widerspruchsführer zu tragen, wenn zu seinen Ungunsten entschieden wird“, so der Sprecher. Welcher Betrag dann noch fällig wäre, war bei der Regierung nicht zu erfahren.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.04.2019

Leider geht aus dem Artikel nicht zweifelsfrei hervor, ob bei der Trauerfeierlichkeit die Dienste eines Friedhofamtsmitarbeiters in Anspruch genommen wurden oder nicht. Es klingt aber so als ob das der Fall gewesen sei.

Insofern kann man Unmut von Herrn Saur nicht ganz nachvollziehen. Er verweist auf Tagungsräume, bei denen die Benutzung der technischen Ausstattung inclusive sei. Das mag so sein, allerdings zahlen dann Mieter auch für solche, wenn sie sie gar nicht benötigen. Ist das wirklich besser? Offensichtlich bietet das Friedhofsamt an, dass Angehörige ihr eigenes Gerät zur Trauerfeier mitbringen und sich selbst um den Ablauf kümmern. Dann fallen wohl auch keine Kosten an. Will man mehr Service und sich nicht um den Ablauf selbst bemühen, diesen nicht verantworten (!) sind eben die entsprechenden Aufwendungen zu bezahlen.

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