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Augsburg

27.03.2017

Gehen die Käufer dieser Wohnungen leer aus?

Im ehemaligen „Hohen Meer“ in der Frauentorstraße steht seit langem ein Gerüst. Gebaut wird dort aber nicht mehr.
Bild: Silvio Wyszengrad

Ein Investor kündigt zwei Luxusprojekte für die Stadt an, die Vermarktung läuft gut. Doch plötzlich stockt die Sanierung beider Objekte. Was man sieht, sind Ruinen hinter Gerüsten.

Hans Glück ist ledig. Er hat ein Einkommen von 85.000 Euro brutto und will sein Geld anlegen, zum Beispiel in eine Immobilie. Zum Beispiel in eine Wohnung in der Proviantbachstraße, die gerade gebaut wird, 74 Quadratmeter groß, Kaufpreis: 262.736 Euro. Am Ende könnte sich das für Glück durch potenzielle Mieteinnahmen rentieren, wie eine Berechnung zeigt, die sich im Internet finden lässt.

Hans Glück gibt es nicht, er ist das fiktive Beispiel in einem Prospekt, in dem für das Bauprojekt „Proviantbachgärten“ geworben wird. Drei Altbauten sollen in der Proviantbachstraße saniert werden, 33 Wohnungen entstehen. Ein „Denkmal für gutes Investment“, heißt es im Flyer. Die Krux: In der Berechnung ist von einer geplanten Fertigstellung im Dezember 2014 die Rede. Und da hapert’s.

Wer sich heute die Gebäude anschaut, um die es geht, sieht vieles, aber keine fertig gebaute Immobilie. Die drei Altbauten haben nicht einmal eine echte Fassade, sie sie sind von Baugerüsten umgeben; auf der Baustelle liegen Materialien herum. Was man auch nicht sieht: Bauarbeiter, die etwas machen. Fragt man in der Nachbarschaft, erfährt man, dass dort seit Längerem nichts mehr passiert ist, seit Monaten wohl.

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Seit geraumer Zeit steht alles still

Ein ähnliches Bild zeigt sich derzeit in der Frauentorstraße 32, wo sich früher die Gaststätte „Hohes Meer“ befand. Auch dort soll ein Altbau saniert und umgebaut werden – ein denkmalgeschütztes Haus, das um 1600 errichtet wurde. 13 Luxus-Wohnungen sind dort geplant, doch auch diese Baustelle steht seit geraumer Zeit still. Dabei hieß es bereits 2014, die Wohnungen seien alle verkauft. Noch im Januar 2016 sagte der zuständige Architekt, das Bauprojekt könnte im dritten oder vierten Quartel abgeschlossen sein. Auch da hapert’s. Was beide Bauprojekte noch eint: Es steht derselbe Bauträger dahinter, die Dolphin Trust aus Langenhagen, die früher Dolphin Capital hieß. Ein Projektentwickler, spezialisiert auf denkmalgeschützte Gebäude.

Im Fall des „Hohen Meeres“ beschäftigte die Sanierung zuletzt auch die Justiz. Hintergrund war ein Wasserschaden, den die Bauarbeiten 2015 im Nachbargebäude ausgelöst hatten, im Mozarthaus. Arbeiter hatten im Zuge des Umbaus die Dachrinne entfernt, dadurch sickerte Wasser ins Mauerwerk des Museums, das ein halbes Jahr schließen musste, ehe die Schäden behoben waren. Stadt und die Regio Tourismus, die das Museum betreibt, klagten auf Schadenersatz und bekamen vergangene Woche im Zivilprozess vor dem Augsburger Landgericht Recht. Das Unternehmen muss nun knapp 24000 Euro an die Stadt zahlen und rund 10600 Euro an die Regio Tourismus – für die Einnahmenausfälle in der Zeit der Schließung des Mozarthauses.

Es wird kein Einspruch eingelegt

Zwar könnte Dolphin Trust noch Einspruch gegen das Urteil einlegen, doch darauf wolle man verzichten, teilt eine Sprecherin des Bauunternehmens nun mit. Der Schaden sei ja unstrittig. Und die Verursacherin, die von dem Unternehmen beauftragte Baufirma, sei bereits zum Zeitpunkt der Klage insolvent gewesen, daher war „von unserer Seite bereits absehbar, dass die Kosten für den entstandenen Schaden nicht von der Baufirma getragen werden“. Derzeit befinde man sich mit dem ehemaligen Generalunternehmen im Fall der Frauentorstraße 32 in einem Rechtsstreit.

Auch in der Proviantbachstraße ist ein Haus eingerüstet – doch es tut sich nichts.
Bild: Silvio Wyszengrad

An sich solle das Projekt aber nach wie vor fertiggestellt werden. „Über die Verzögerungen beim Bau in der Frauentorstraße sind auch wir sehr betrübt“, heißt es von Dolphin Trust. Nach Bekanntwerden der Insolvenz habe man eine so genannte Bautenstandsfeststellung durch einen Sachverständigen durchführen lassen und damit seine gesetzliche Pflicht als Bauträger erfüllt. Fortan soll die Sanierung kein Generalunternehmer mehr durchführen, stattdessen sollen Arbeiten einzeln ausgeschrieben werden; das Projekt werde im weiteren Verlauf von einem ortsansässigen Architekten betreut. Einen Zeitplan könne man nicht nennen.

Man hofft, dass es bald weitergeht

Und in der Proviantbachstraße, wo einmal die „Proviantbachgärten“ entstehen sollen? Auch dort, heißt es, habe es Probleme mit einem Generalunternehmen gegeben. Dieses sei nicht insolvent gegangen, jedoch habe man ihm nach mangelhafter Bauausführung gekündigt. Auch in dem Fall, teilt Dolphin mit, hoffe man, dass es bald weitergehe und sei in Verhandlungen.

Die neuen Besitzer warten darauf, ihre Immobilie nutzen zu können. Sei es, um sie zu beziehen, sei es, um sie zu vermieten. Laut Dolphin komme man den vertraglichen Pflichten gegenüber den Käufern nach. Was das bedeutet, hängt vom Einzelfall und der Finanzierungsart ab. Hans Glück muss also noch Geduld haben.

Die hat aber nicht jeder. Ein Interessent, der schon 2013 einen Kaufvertrag für die Mozartstraße 32 unterschrieben hatte, trat im Frühjahr 2014 wieder davon zurück. Die Baufertigstellung, sagt sein Anwalt Klaus Schröter aus München, sei bis Ende 2013 geplant gewesen, es habe also gute Gründe für den Rücktritt gegeben. Sein Mandant, berichtet Schröter, habe effektiv auch alle Kosten wieder zurückbekommen.

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