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Musik

02.05.2015

Groove und Swing in der Altstadt

Elisabeth Göpel und die Swinging Guitars traten im Thing auf.
Bild: Diekamp

Warum die nächste Jazzfreinacht unbedingt kommen muss

Am grünen Band hing an diesem Abend Wohl oder Wehe: Die Einlassbänder, die sichtbar ums Handgelenk gebunden Zutritt verschafften, waren vielerorts schnell ausverkauft oder nur noch handverlesen erhältlich. Kein Zweifel, die erste Augsburger „Jazzfreinacht“ war ein durchschlagender Erfolg. Zehn verschiedene Augsburger Jazzformationen spielten in zehn Altstadtlokalen oder -stätten drei Sets à vierzig Minuten, dazwischen gab es Pausen zum Ortswechsel oder einfach nur Durchatmen. Frische Luft war rar etwa im Annapam oder Thing, im Coq oder der Galerie Schröder. Denn die Locations waren zum Platzen voll, die Stimmung bombig, beim jungen wie beim gereiften Publikum.

Wie im Film „Midnight in Paris“ fühlte sich, wer es ins Kaffeehaus Bohéme hinein schaffte. Dort spielten die Augsburger Dixie-Kultband „Lechtown Kneeoilers“, herrlich stilecht und lebendig mit Banjo, gelegentlichem Sousafon und Blechbläsertrio, und Sieglinde Hahn sang samtig, bravourös facettierend. Auch im Thing klang es nach „Midnight in Paris“, nach „Hot Club de France“ und Django Reinhardt. „Swinging Guitars“ hieß, an das berühmte Pariser Quintett anklingend, die Formation von Gitarrist Buddy Brudzinski mit zwei Gitarren, Kontrabass, Akkordeon und der sinnlich singenden Elisabeth Göpel, die auf der knapp bemessenen Bühnenecke mit Standards wie „All of me“ vergangene Klubzeiten in Erinnerung riefen. Nur die Rauchfreiheit verriet die Gegenwart.

Wenige Meter weiter erfrischte das junge „Trio Zahg“ im Pianohaus Volz mit pop-inspiriertem, poetischem Jazz. Auch hier passten Musik und Location auffallend gut zusammen und war das Publikum zahlreicher, als es die Stühle zuließen. Im Holbeinhaus staute sich die Menge ebenso. Mit Bassist Uli Fiedler, Klarinettist Stephan Holstein, Gitarrist Joseph Holzhauser und Walter Bittner am Schlagzeug spielten Augsburgs Jazz-Koryphäen, bezauberten durch stimmungsdichte, balladeske, swingende Genesen mit Bluesfärbungen, schufen eine besondere Atmosphäre.

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Explosiv war der Sound im Coq: das „Schmidt-Roggenkamp Organ Project“ mit Wolfgang Roggenkamp an Hammond, Saxofonist Alex Schmidt, Paul Brändle (git) und Tilman Herpichböhm (dr) mischte die Bar mit Modern, Bebop und enormem Drive auf, auch hier herrschte Heringsfassdichte – wie im Striese bei dem faszinierenden Quintett „Whispering Grass“, im Restaurant Laxgang mit dem „Liehr-, Bosch- und Zeitner-Trio“, im Annapam mit dem Brasil-Jazz-Quartett „Vatapá“, der Galerie Schröder mit dem außergewöhnlich besetzten Duo „Charlotte fait du Jazz“ und dem Brecht Bistro mit „Jazzentiel“.

Die leitenden Mitglieder des veranstaltenden Jazzclub Augsburg waren begeistert – und erleichtert. Schließlich war dieser Abend quasi eine Uraufführung gewesen und die Resonanz nicht vorhersehbar. Aber trotz leichten Regens strömten die Besucher, aus vielen Türen swingte der Sound und auch die letzten Runden hatten voll besetzte Reihen. Die zweite Jazzfreinacht kann nicht, sie muss kommen.

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