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Augsburg

23.07.2019

Grundschule Göggingen-West: Vereine retten Schülerbetreuung

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Not macht erfinderisch – nachdem für die Mittags- und Ferienbetreuung in der Grundschule Göggingen-West in Zukunft 40 Plätze wegfallen, haben sich Eltern und Vereine zusammengetan.
Bild: Uwe Anspach, dpa

Eltern der Grundschule Göggingen-West erfuhren auf den letzten Drücker, dass die Mittags- und Ferienbetreuung gestrichen wird. Wie dann doch eine kreative Lösung gefunden wurde.

Wenn beide Elternteile berufstätig sind und bei alleinerziehenden Berufstätigen ist die Vorfreude auf die Ferien nicht immer ungetrübt. In den Sommerferien ist die Work-Life-Balance besonders schwer zu meistern, denn kaum jemand kann sich eine sechswöchige Arbeitspause leisten. Eine Herausforderung: In der unterrichtsfreien Zeit pausiert der Offene Ganztag in den öffentlichen Schulen der Stadt. „Unter Umständen bieten jedoch vereinzelte Kooperationspartner der Schulen eine Form der Ferienbetreuung in Eigenregie und gegen Gebühr an“, erklärt Bildungsreferent Hermann Köhler. So war das bisher auch in Göggingen-West. Viele Eltern freuten sich über die Mittags- und Ferienbetreuung, welche die Freunde und Förderer der Grundschule Göggingen-West e.V. anboten.

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Nun erfuhren die Eltern, dass beide plötzlich wegfallen sollten. Die Schule hat sich für das Bayerische Rote Kreuz als neuen Träger entschieden. Die Folge: Ab dem neuen Schuljahr 2019/2020 entfallen 40 Plätze in der Mittagsbetreuung. Eltern bemängeln, dass es im Vorfeld keine schriftliche Ankündigung, geschweige denn eine Infoveranstaltung gab. „Der Wegfall der Betreuung trifft uns ohne Netz und doppelten Boden, da sich niemand frühzeitig um eine Alternative umschauen konnte“, so die Argumentation.

Gleiches gilt für den Wegfall der Ferienbetreuung, welche vor dem Trägerwechsel ebenfalls vom Förderverein übernommen wurde. „Wir waren alle entsetzt“, erinnert sich Isa König. Die Mutter von drei Kindern ist selbstständige Grafikdesignerin. „Unsere Kinder sind noch nicht groß genug, um alleine nach Hause zu kommen und dort auf die Eltern zu warten.“ Betroffen sind nicht nur die Schüler der Grundschule, sondern auch externe Schulkinder, die das Angebot über das städtische Ferienprogramm „Tschamp“ wahrnahmen. „Der Stadtteil verfügt damit über keinerlei nennenswerte Ferienbetreuung mehr“, meint Elternsprecherin Manuela Hoffmann. Von der Schule selbst kamen bisher keine konkreten Lösungsangebote. Insbesondere das zur Verfügung stellen von Räumen innerhalb der Schule, wie bisher üblich, würde die Schulleitung bisher kategorisch ablehnen.

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Lösung dank kollektiver Kreativität

Not macht bekanntlich erfinderisch. Dass nun aus eigener Kraft eine Lösung gefunden wurde, ist der kollektiven Kreativität einer Elterninitiative, zweier Sportvereine und der Stadträte Florian Freund und Jutta Fiener zu verdanken. Der Radsport-Verein Solidarität und der Handballverein Göggingen nutzen Räume im Alten Rathaus. Beide erklärten sich bereit, diese schulnahen Räumlichkeiten nachmittags zur Verfügung zu stellen. Die Vertreter des Bayerischen Roten Kreuzes bescheinigten bei der Besichtigung, dass diese für die Betreuung geeignet sind. Das Ergebnis dieses Teamworks: Die Mittagsbetreuung kann voraussichtlich auf 20 bis 30 Kinder aufgestockt werden und zumindest das kommende Schuljahr planungssicher für die Eltern machen. „Ein tolles Beispiel dafür, wie Ehrenamt und Vereine etwas auf die Beine stellen können“, freut sich Florian Freund. „Das ist funktionierender Stadtteil at its best.“

Auch für den Ferienengpass zeichnet sich eine Lösung ab. Die Eltern haben sich an die Agentur Kinderlachen gewandt, die auch schon in anderen Stadtteilen via Tschamp Ferienbetreuung anbietet. Die Schule bleibt in den Ferien wohl geschlossen, aber „mit ein bisschen Glück können wir auf die Räume der Handballer zurückgreifen“, so Isa König.

Probleme auch an der Friedrich-Ebert-Schule in Göggingen

Dass Eltern plötzlich vor ungeahnten Hindernissen hinsichtlich der nachmittäglichen Betreuung ihrer Kinder stehen, ist kein Einzelfall. Auch an der Friedrich-Ebert-Schule in Göggingen Nordost musste aufgrund von Platzproblemen ein neuer Raum gefunden werden. Bildungsreferent Hermann Köhler verweist darauf, dass „die Stadt die Angebote im Ganztag während der vergangenen Jahre erheblich ausbauen konnte“. Zudem würden „weiterhin verschiedene Varianten erprobt, um für berufstätige Eltern auch während der Schulferien eine verlässliche Betreuung anzubieten.“ Köhler macht deutlich, dass die Ferienbetreuung nicht von den Kommunen alleine geleistet werden könne: „Der Freistaat muss ein geeignetes und finanzierbares Konzept für eine Ferienbetreuung im schulischen Umfeld entwickeln.“ Höchste Dringlichkeit sieht Bettina Geiger-Fischer vom Elternbeirat der Grundschule Göggingen-West: „Die Hausfrauengeneration gibt es nicht mehr – jeder arbeitet“, ist die selbstständige Bauingenieurin überzeugt.

Sozialreferent und Bürgermeister Stefan Kiefer kennt das Problem. „Erst ab 2025 ändert sich die Lage, dann besteht ein Rechtsanspruch auf ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote im Grundschulalter, auch in Ferienzeiten“, erklärt der Referent. „Bisher stellt Tschamp, das Ferienprogramm der Stadt Augsburg einen wertvollen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf dar.“ Rund 14.000 Teilnehmer pro Jahr nutzen dieses Angebot.

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