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Prozess

13.02.2015

Im Knast 1800 Euro gewonnen

 

Weil das Geld in Freiheit nicht lange reichte und er kaum etwas verdiente, wurde ein Mann zum Einbrecher

Alexandru L., 27, kann von sich nicht behaupten, bislang viel Glück im Leben gehabt zu haben. Der Rumäne wollte in Deutschland arbeiten, Geld verdienen. Er wurde bei einer kleinen Baufirma für geringen Lohn ausgenutzt, war als Flaschensammler unterwegs, stahl später Kleider und Lebensmittel, um sich über Wasser zu halten, saß mehrmals während der vergangenen beiden Jahre im Gefängnis. Wieder einmal auf freiem Fuß, setzte er drei Euro bei einer Fußballwette ein. Als er erfuhr, dass Glücksgöttin Fortuna ihm endlich einmal hold war, saß er ausgerechnet wieder im Knast. Er hatte tatsächlich 1800 Euro bei der Dauerwette gewonnen.

An das Geld kam er zunächst nicht, denn der Tippschein befand sich – wie er selbst – hinter Gittern. Sein Anwalt half, löste den Gewinn schließlich ein. Der unerwartete Geldsegen war nach seiner Entlassung freilich schnell aufgebraucht. Und so suchte sich Alexandru L. wieder eine neue „Erwerbsquelle“. Er brach nachts in eine Firma für Bürotechnik in Pfersee ein und stahl drei Laptops und acht Festplatten im Wert von 2500 Euro, die er in einem Second-Hand-Markt für 500 Euro verscherbelte. Weil er am Tatort seine DNA-Spur zurückließ, wurde er wieder inhaftiert.

Im Prozess vor Strafrichter Walter Hell beklagt der schmächtige Rumäne (Verteidiger: Klaus Rödl), dass er bei seinem früheren Arbeitgeber sechs Tage in der Woche schuften musste und dafür im Monat ganze 400 Euro Lohn bekam. Er habe nur gestohlen, weil er wieder einmal kein Geld hatte.

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Bei Gericht stößt die Geschichte des Rumänen nur bedingt auf Verständnis. „Sie sitzen da wie ein Häufchen Elend, sind möglicherweise selbst betrogen worden. Aber Einbruch ist kein Bagatelldelikt. Einbrecher müssen eingesperrt werden“, verdeutlicht Richter Hell und weist auf die hohe Zahl von Wohnungseinbrüchen im Raum Augsburg hin, die Angst in der Bevölkerung hinterlassen hätten.

Und so kommt es, wie es kommen muss: elf Monate Gefängnis lautet das Urteil. Und noch eines schreibt ihm das Gericht ins Stammbuch: „Straftäter wie Sie prägen den schlechten Ruf von Menschen, die aus armen Ländern nach Deutschland kommen“.

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