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Augsburg

20.08.2020

Immer mehr Infizierte: Wie kann sich Augsburg vor Corona schützen?

In Augsburg steigen die Corona-Fallzahlen deutlich. Auf dem Messegelände befindet sich das Corona-Testzentrum. Doch Rufe nach weiteren Einrichtungen werden laut.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Viele Menschen kommen vom Urlaub zurück nach Augsburg. Einige bringen das Coronavirus mit sich. Das Gesundheitsamt betrachtet die Lage als beherrschbar – noch.

63 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in sieben Tagen, das ist die städtische Bilanz vom Donnerstagvormittag. Allein an diesem einen Tag meldete die Stadt 22 neue Infizierte – mehr Fälle pro Tag registrierte man nur am 3. April. Noch liegt Augsburg mit 21 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zwar unter dem bayerischen Grenzwert von 35, bei dessen Erreichen erneut Einschränkungen im öffentlichen Leben gelten würden. Dennoch wirken sich die steigenden Zahlen bereits in einigen Bereichen aus.

Das Augsburger Gesundheitsamt kontrolliert die Corona-Quarantäne

Von den 22 am Donnerstag neu gemeldeten Fällen sind laut Auskunft des Gesundheitsamts 19 Reiserückkehrern zuzuordnen. Zehn der positiv Getesteten kamen aus dem Kosovo, drei aus Kroatien. Wie berichtet, ist der Balkan damit in Augsburg ein großes Thema. Zwei Personen konnte bislang laut Gesundheitsamt kein Infektionsort zugeordnet werden.

 

Laut Umwelt- und Gesundheitsreferent Reiner Erben (Grüne) hat die Stadt, Stand Mittwoch, in den vergangenen zehn Tagen 132 Kontaktpersonen Corona-Infizierter getestet. Sie werden, nach Kontaktaufnahme durch das Gesundheitsamt, im städtischen Testzentrum auf dem Messegelände untersucht. Insgesamt hätten sich bis Mittwoch 1785 Personen nach ihrer Rückkehr aus einem Risikogebiet beim Gesundheitsamt gemeldet.

In Quarantäne befanden sich 183 Personen. Die Einhaltung der Quarantäne kontrolliere das Gesundheitsamt durch tägliche Telefonanrufe, sagt Erben. Von einer Infektion betroffen seien in der Stadt derzeit Urlauber aus allen Altersgruppen.

Das Infektionsgeschehen könne momentan gut nachverfolgt werden, sagt Erben. „Die Problematik besteht weniger in der tatsächlichen Fallzahl als in der betroffenen Personengruppe und der Art des Infektionsgeschehens.“ Hintergrund: Ausbrüche in öffentlichen Einrichtungen oder nach Großveranstaltungen gehen laut Erben mit einem deutlich höheren Arbeitsaufwand für das Gesundheitsamt einher.

Coronavirus beschäftigt das Augsburger Gesundheitsamt weiterhin stark

Dort arbeiten derzeit rund 50 Beschäftigte im Bereich der Corona-Nachverfolgung. Laut Erben plant man derzeit, mehr geschultes Personal für eine mögliche Intensivierung des Geschehens in Reserve zu haben. Die Überstunden aus den ersten Monaten der Corona-Pandemie habe man in Phasen „relativer Ruhe“ zum Teil bereits wieder abbauen können. Was allerdings auf der Strecke blieb, waren die eigentlichen Aufgaben des Amtes wie die Beratung bei sexuell übertragbaren Infektionen oder Präventionsprojekte. Hier arbeite man aktuell an Lösungen, erklärt der Gesundheitsreferent.

Markus Beck ist Vorsitzender des schwäbischen Ärzteverbandes und betreibt selbst eine Hausarztpraxis. Bei ihm können sich Menschen kostenlos im Rahmen der bayerischen Teststrategie auf Corona testen lassen. Eine Übersicht, welche Ärzte das in Augsburg anbieten, findet man auf der Startseite der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Suchmaske „Arzt-/Psychotherapeutensuche“.

 

Beck sagt, „in den vergangenen 14 Tagen hat sich die Zahl der Getesteten etwa verdoppelt“. Dabei handele es sich vor allem um Reiserückkehrer, Menschen mit Erkältungssymptomen und jene, die eine Bescheinigung für den Arbeitgeber brauchen. Auch von Kollegen höre er, dass die Anzahl der Tests in den Praxen zunehme. Bisher sei das alles gut zu handhaben, erklärt Beck. Problematischer könne es im Herbst werden, wenn die Anzahl der Atemwegsinfektionen zunehme und sich vermutlich vermehrt Menschen auf Covid-19 testen lassen wollen.

Eine zentrale Teststation für alle, zur Entlastung der Hausarztpraxen, wäre dann wünschenswert, sagt Beck. Erben erklärt, dass die Stadt bei diesen „Testzentren für alle“ noch auf die Vorgaben der Staatsregierung warte – bisher gebe es nur Ankündigungen für ein solches.

Urlaubsrückkehrer können sich an der Autobahn auf Corona testen lassen

Am Donnerstag sprach das Auswärtige Amt zwei Reisewarnungen für Kroatien aus – sie gelten für die südlichen Regionen Sibenik-Knin und Split-Dalmatien. Wer dort im Urlaub ist, muss sich nach seiner Rückkehr auf Corona testen lassen. Sladjan Bubic war davon nicht betroffen. Der Augsburger war mit seiner Familie in der kroatischen Stadt Rijeka, sie liegt im nördlichen Istrien, im Urlaub.

Buergerrecherche 

Auf der Heimreise hat er dennoch laut eigener Aussage einen Corona-Test machen lassen: „Etwa 30 Kilometer hinter der deutschen Grenze gibt es eine Teststation. Das Ganze hat vielleicht eine halbe Stunde gedauert.“ Per Smartphone habe er seine Adressdaten hinterlassen, ehe ein Mitarbeiter einen Rachenabstrich vornahm.

Das Ergebnis habe er binnen 24 Stunden erhalten, es war negativ. Bubic sagt, er halte diese Teststationen für eine gute Einrichtung. Danach habe man Gewissheit. Im Urlaub habe er gesehen, dass vor allem junge Menschen sich wenig um die Corona-Regeln scherten. Sie würden „Party machen“ wollen.

Im Uniklinikum liegt ein Corona-Patient auf der Intensivstation

Insgesamt wurden in Augsburg seit Mitte März 650 Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. 576 Personen gelten inzwischen wieder als genesen, 58 als aktuell erkrankt, 16 Personen sind gestorben. Im Uniklinikum liegt derzeit laut Sprecherin Kristina Holtzsch nur ein an Covid-19 erkrankter Patient. Dieser muss allerdings auf der Intensivstation beatmet werden.

Gesundheitsreferent Erben sagt, auch wenn derzeit Urlaubsreisende im Fokus der Corona-Fallzahlen stünden: „Nicht nur im Urlaub, auch in Augsburg ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus nicht auszuschließen.“ Die Stadt bitte darum, auch weiterhin die geltenden Infektionsschutzmaßnahmen einzuhalten.

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