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Wohnen

30.01.2019

In Augsburg gibt es Hochhäuser mit Seele

Aus den 70er-Jahren stammen die Hochhäuser des Schwabencenters. Rund 900 Menschen leben hier.
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Aus den 70er-Jahren stammen die Hochhäuser des Schwabencenters. Rund 900 Menschen leben hier.
Bild: Annette Zoepf

Obwohl die Augsburger Hochhäuser in die Jahre gekommen sind, haben sie ihre Fans. Manche Bewohner identifizieren sich regelrecht mit „ihrem“ Gebäude.

Viele Wohnungen auf relativ wenig Platz – auf den ersten Blick scheinen Hochhäuser eine Lösung für die aktuelle Wohnungsnot zu sein. Trotzdem geht Augsburg zurückhaltend mit dem Thema um. Der Hotelturm wurde 1971 anlässlich der Olympiade fertiggestellt, das Schwabencenter oder das Wohnhochhaus an der Sportanlage Süd stammen aus den 60er- und 70er-Jahren. Doch obwohl die Häuser in die Jahre gekommen sind, haben sie ihre Fans. Manche Bewohner identifizieren sich so mit „ihrem“ Hochhaus, dass sie sich gar nicht vorstellen können, woanders zu leben.

Das Wohnhaus von Edwin Miess wurde wie der Hotelturm zur Olympiade gebaut und 1973 eröffnet. Hier lebt Miess seit 25 Jahren, seine Mitbewohner sind nur für einige Monate bis zu wenigen Jahren im Haus. Miess ist Hausmeister in der Wohnanlage Lechbrücke des Studentenwerks Augsburg und teilt sich das Haus mit rund 260 Studenten aus der ganzen Welt. Während die Studenten auf 16 Quadratmetern leben, ist die Hausmeisterwohnung 70 Quadratmeter groß. Hier hat Miess mit seiner Frau zwei Kinder großgezogen – teilweise lebte auch noch ein Hund im Appartement.

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Der Hausmeister liebt die gute Lage der Wohnanlage, schätzt die Nähe zur Innenstadt und zum Lech. „Wir haben schalldichte Fenster, sodass man den Verkehrslärm kaum hört“, berichtet der 55-Jährige. Die Studenten, die Miess als „Schützlinge“ bezeichnet, leben hier oft nur ein halbes Jahr. Dreiviertel von ihnen seien heute Auslandsstudenten, die über Austauschprogramme wie Erasmus für einige Zeit in Augsburg studierten. Asiaten, Inder, Dänen und Finnen, natürlich EU-Studenten wie Franzosen, Spanier und Griechen lebten hier gemeinsam mit deutschen Studenten unter einem Dach.

Der Hausmeister hat ein gutes Verhältnis zu den Studenten

Der Hausmeister ist erste Anlaufstelle – sei es für Weggehtipps, Ärzte oder einfach als Kummerkasten. „Ein Spanier hat letztens gesagt, mit dem Hausmeister kann man gut reden“, berichtet er augenzwinkernd. Allerdings sei es auch anstrengend, 24 Stunden im Haus zu sein. „Ich kann nicht die Türe hinter mir schließen, die Arbeit ist immer da“, so Miess. Früher hatte er mit seiner Familie ein Wohnmobil, damit sie wenigstens am Wochenende der Arbeit den Rücken kehren konnten.

Das gute Verhältnis zu seinen Studenten musste sich Miess erst erarbeiten. „Früher war das ein Katz-und-Maus-Spiel“, erinnert er sich. Die Studenten wollten feiern, der Hausmeister hatte die Aufgabe, Auswüchse zu unterbinden. Die Stimmung war angespannt. „Heute haben wir ein Verhältnis auf Vertrauen, das die Studenten auch nicht brechen“, sagt der Hausmeister. Die Bewohner hätten sich aber auch stark geändert.

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Wilde Parties gebe es fast nicht mehr, statt gemeinsam zu feiern blieben die Studenten heute lieber für sich. „Die Parties haben schlagartig aufgehört, als das Internet aufgekommen ist“, erinnert er sich. Miess schätzt „sein“ Hochhaus. „Es gibt sicherlich schönere Studentenwohnheime“, sagt er, „aber dieses hier hat Seele.“

Keinen anderen Wohnort als das Schwabencenter mag sich Ludwig Grau vorstellen. Er gehört zu den ersten Mietern des Hauses – seit 47 Jahren lebt er in derselben Wohnung. „Ich bin ein Schwabencentler durch und durch“, sagt er. In seinem Wohnturm zählt man 171 Klingelknöpfe, doch die wenigsten seiner Nachbarn kennt Grau persönlich. „Früher habe ich das bedauert, aber jetzt mit fast 80 bin ich introvertierter und lebe gerne mehr für mich allein“, sagt er. Vor allem die Versorgung im Schwabencenter schätzt der Rentner. „Wo kann ich mir sonst morgens in Hausschuhen eine Breze oder ein Nusshörnchen besorgen“, sagt er. Auch die Nähe zum Eiskanal und zum Siebentischwald hebt er hervor. „Ich bin im Spickel geboren – das hier ist quasi mein natürliches Umfeld“, so der Rentner.

In Göggingen steht das wohl älteste Hochhaus

Das wohl älteste Hochhaus der Stadt steht in Göggingen und gehört der Wohnbaugesellschaft des Landkreises. Das Haus an der Karl-Nagel-Straße hinter dem Berghof ist mittlerweile 62 Jahre alt. Es wurde gebaut, um die Wohnungsnot nach dem Krieg zu lindern – zwischen 1950 und 1959 baute die WBL über 2000 Wohnungen.

Dass Augsburg in Zukunft wieder mehr auf Hochhäuser setzt, ist unwahrscheinlich. Zwar erlaubt die Stadt in ausgewählten Bebauungsplänen höhere Häuser, um Neubauquartiere quasi mit Wahrzeichen auszustatten. Doch sind die Gebäude im Bau teuer – besonders Hochhäuser über 60 Meter müssen besonders strenge Anforderungen bei Statik und Brandschutz erfüllen. Zwei Hochhäuser sind allerdings in Planung. Kuka will einen Büroturm mit 80 Metern errichten, eine Projektgesellschaft namens A-town High plant ein knapp 60 Meter hohes Gebäude im Innovationspark.

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