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Augsburg

29.09.2015

Jobcenter: Es hagelt weiter Beschwerden

Das Augsburger Jobcenter in Oberhausen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Seit fast einem Jahr gibt es großen Ärger, weil Hartz-IV-Empfänger lange auf ihr Geld warten müssen. Die Verantwortlichen beteuern, die Bearbeitungszeiten hätten sich verkürzt.

Beim Augsburger Jobcenter läuft es immer noch nicht rund. Seit Anfang des Jahres beschweren sich Hartz-IV-Empfänger, dass sie wochen- oder sogar monatelang auf ihr Geld warten müssen. Eine von ihnen ist 52, studierte Diplompädagogin. Sie war selbstständig tätig, konnte aber nach einem Unfall ihre Arbeit nicht mehr ausüben. Sie sagt: „Ich habe das Gefühl, dass ich vom Jobcenter komplett ignoriert werde.“ Anfang Juli habe sie einen Antrag auf Hilfe zum Lebensunterhalt beim Amt für Soziale Leistungen abgegeben, dieses habe ihn kurz darauf ans Jobcenter weitergeleitet. Nichts sei geschehen. Das sollte anders laufen, wenn man sich die Aussagen der Verantwortlichen anhört.

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Geschäftsführer: "Spürbar schneller"

So sagt Eckart Wieja, Geschäftsführer des Jobcenters, man sei „spürbar schneller“ geworden: „Wir sind momentan bei einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von Neuanträgen bei 18 Tagen, sofern die Antragsunterlagen vollständig vorliegen. ,Ausreißer’ in Einzelfällen mit längeren Bearbeitungsdauern sind nicht auszuschließen. Dies liegt dann aber in den meisten Fällen daran, dass Antragsunterlagen nicht komplett sind.“

Auslöser der Probleme gab es mehrere. Zum Jahreswechsel wurden deutschlandweit in den Jobcentern ein neues Computersystem eingeführt. Dazu mussten Mitarbeiter von Hand Kundendaten übetragen – ein zeitfressende Aufgabe. Zusätzlicher Aufwand entstand durch ein neues Vier-Augen-Prinzip bei der Bearbeitung von Anträgen.

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Da von dem Problem Menschen, auch Familien, betroffen sind, die ohnehin wenig Geld oder Rücklagen haben, müssen viele Schulden machen, um zu überleben. So auch die Diplompädagogin. Bei ihr kommt hinzu, dass sie nach ihrem Unfall noch unter starken Schmerzen leidet, selbst Zuzahlungen für Medikamente bedeuten für sie ein Problem.

In Augsburg sind Stadt und Arbeitsagentur Träger des Jobcenters. In der Trägerversammlung haben sie reagiert und zehn zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und den Parteiverkehr eingeschränkt, damit Mitarbeiter mehr Zeit zur Bearbeitung der Anträge haben. Denn die Situation war nicht nur für die Kunden ein Problem. Die Mitarbeiter waren überlastet und frustriert. Personalräte von 60 bayerischen Jobcentern beschwerten sich bereits Anfang des Jahres in einem offenen Brief über die „unzumutbaren“ Zustände und forderten mehr Personal. In Augsburg warfen Mitarbeiter das Handtuch. Andere konnte man überreden, erst später in andere Ämter zu wechseln.

Reinhold Demel, Vorsitzender der Agentur-Geschäftsführung, und Sozialreferent Stefan Kiefer sehen jedoch Verbesserungen: „Die Talsohle ist deutlich durchschritten, vor allem, wenn wir an die Monate Januar bis April denken, als die Bearbeitungszeit von Neuanträgen bei durchschnittlich 25,3 Tagen lag.“

Hinweis: Nachfragen hilft nicht

Ein 42-jähriger Augsburger berichtet allerdings etwas anderes. Er habe im Juli den Antrag gestellt, im August angeforderte Unterlagen nachgereicht. Seitdem habe er nichts gehört. Bekannte zahlen ihm die Strom- und Telefonrechnung, geben ihm Essen. Er berichtet, im Jobcenter spreche man von sechs Wochen Wartezeit. In den Gängen seien Berichte der Augsburger Allgemeinen ausgehängt, die die Situation schildern. Das werde mit dem Hinweis verbunden, Nachfragen verlängere die Wartezeit noch mehr. Die Menschen stünden extrem unter Druck. Eine andere Abteilung funktioniere dagegen: Er habe von der Stellenvermittlung bereits sieben Jobangebote bekommen und sich darauf beworben. Allerdings habe er entweder Absagen oder gar keine Antwort erhalten.

Sozialreferent Kiefer versucht, Verbesserungen über den Bayerischen Städtetag durchsetzen. „Die Situation in Augsburg stellt nach meinem Austausch mit den Sozialreferenten der anderen bayerischen Großstädte keine singuläre Situation dar, sondern ist im Grunde vergleichbar mit allen großstädtischen Jobcentern“, sagt er. Der 52-jährigen Sozialpädagogin nutzt das nichts. Sie sagt nur: „Ich warte jeden Tag auf Post.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.09.2015

Die Mitarbeiter im Jobcenter machen ihre Arbeit hervorragend!

Der Fisch stinkt vom Kopfe her!

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30.09.2015

„Generalität“ und Macht der Jobcenter Zum Artikel Augsburger Allg. 30.9.2015 Von Lutz Lange NÖRDLINGEN: Die Einschätzung der allgemeinen Lage im Jobcenter Augsburg trifft wohl eher auch auf andere Center im Ries zu. Kleine Erfolge schönreden hilft den Leistungsempfängern recht wenig. Ganz klar, wenn man als "Kunde" mit einer Nummer bezeichnet wird, hat man in der unsichtbaren Warteschlange gefälligst ohne Worte geduldig auszuharren. Eigentlich erwartet der geprügelte Empfänger staatlicher Gelder, dass ein Jobcenter als "Zahlmeister" ohne Schulterstücke der helfende Dienstleister ist .
In Nördlingen jedenfalls fühlt sich augenscheinlich jeder Mitarbeiter(in) als General. Im Umkehrschluss zu den erduldeten Wartezeiten trifft man dort auf menschenleere Gänge, angsteinflößende Ruhe, unbesetzte Stühle und einen auf Nachtschaltung laufenden Computer zur allgemeinen Nutzung, scheinbar. Was soll das, wenn wie anderswo die Liste mit Anforderungen der Büroler akribisch abgearbeitet wird und nichts passiert. Keine Reaktion, keine Antwort- einfach nichts! Ist das nun Schwerfälligkeit, Deinteresse oder gar Faulheit, die in Frechheit gipfelt? Ist das Überheblichkeit, eingeschränkte Denkweise, Unmenschlichkeit oder gibt es auch in Nördlingen eine interne Dienstanweisung, die man besser nicht kommentiert.
Seit Juli wartet ein Hartz IVler auf das rechtlich zustehende Geld für Miete+ anteilige Nebenkosten als Untermieter. Zur Begründung des Antrages wurden Festlegungen im SGB/BGB aufgelistet und gültige Grundsatzurteile von Gerichten zur Sache angeführt, die den Antragsteller eindeutig das Recht auf ein Untermietverhältnis zusprechen. Alle gestellten Forderungen des Nördlinger Jobcenters wurden erfüllt. Nichts passiert, bis auf Frust der Vermieterin, die keinen Cent sieht.
Ich glaube, hier muss unbedingt die vorgesetzte Dienststelle die Mit-Arbeiter in der altehrwürdigen Großen Kreisstadt aus dem Dornröschenschlaf unsanft wecken, damit sich die blank geputzen Arbeitstische mit Akten füllen, die nach Erledigung schreien, die einen Fall, ja, einen Menschen verkörpern. Dabei ist das jetzt noch die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Wenn erst die Migranten die Flure füllen, dann sage ich Prost - Mahlzeit und nichts zu fressen.

Eigentlich sollte dieser nicht einzeln geartete Sachverhalt im Regierungsbezirk und speziell im Ries den bisher betrogenen sowie verlassenen Hartz IV Empfänger veranlassen, seine Kontakte im Bundeskanzleramt zu nutzen, damit angefangen vom Landrat über Bürgermeister die Hierachie der Jobcenter endlich zum Laufen kommt, ihre Aufgaben in angemessener Zeit erfüllt werden, Tricks bei Seite gelassen und Leistungsberechtigte als gleichwertige Mitbürger behandelt werden.

Noch schlimmer ist eigentlich ein zweites Fazit. Mit diesem Arbeitsstil der Jobcenter, fehlender Kontrollorgane sowie Willkürfreiheit in Handlungs- sowie Entscheidungsspielräumen der „Generalität“ im Center gehen zwischenmenschliche Beziehungen und Arbeit mit Herz endgültig baden.

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