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Seniorenheim Lechrain

07.05.2015

Körperverletzung im Seniorenheim? Klagen haben keinen Erfolg

2013 eröffnete das Seniorenzentrum Lechrain. Ein Jahr später hagelte es Vorwürfe von Angehörigen. Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung wurden nun eingestellt.
Bild: Anne Wall

Im Haus Lechrain sollen Senioren schlecht behandelt worden sein. Einige Angehörige stellten Anzeige. Diese verlief nun im Sande – obwohl klar ist, dass es Probleme gab.

Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung an elf Bewohnern des städtischen Seniorenzentrums Lechrain eingestellt. Begründung: Die Ermittlungen konnten kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten von Mitarbeitern oder Verantwortlichen beweisen. Mehrere Angehörige hatten sich vergangenes Jahr an unsere Zeitung gewandt, einige stellten Anzeige.

Sie warfen dem Haus schlechte Pflege wegen Personalmangels vor: hilflose Menschen, die stundenlang in urindurchnässter oder verschmutzter Kleidung sitzen gelassen worden seien, Demente, die entkamen und verwirrt durch die Straßen irrten, Hautausschläge, Abmagerung, Infektionen bei Bewohnern.

Auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der das Haus 2014 zweimal kontrollierte, stellte „Defizite in zahlreichen Bereichen“ fest, wie Heike Franzen-Krapoth, Leiterin des Bereichs Externe Qualitätssicherung beim MDK, unserer Zeitung gestern bestätigte. Allerdings reichen laut Matthias Ni- ckolai, Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg, festgestellte Missstände in einem Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung nicht aus. Vielmehr müsse zum Beispiel nachweisbar sein, dass diese auch zu Gesundheitsschäden führten. Und das sei in diesem Fall nicht gelungen.

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Das Haus hatte offenbar Anlaufschwierigkeiten

Das Verfahren lief laut Nickolai ein Jahr lang, die Staatsanwaltschaft hatte Pflege-Dokumentationen beschlagnahmt und ausgewertet, mit Personal, Heimleitung und Angehörigen gesprochen. Bewohner zu befragen, ist in der auf Demente spezialisierten Einrichtung nicht möglich. Die Stadt hatte das Haus erst im Sommer 2013 als Vorzeigeprojekt an der Lechhauser Robert-Bosch-Straße eröffnet. Es war bereits im Vorfeld umstritten – unter anderem wegen seiner Größe von 180 Plätzen. Offensichtlich gab es Anlaufschwierigkeiten, häufigen Personalwechsel, später wurde auch die Leitung ausgewechselt.

Sozialreferent Stefan Kiefer zeigte sich gestern froh, dass der Strafvorwurf klar vom Tisch sei. Er räumte ein, dass es in dem Haus Probleme gab, sieht aber nun die Mitarbeiter vom Vorwurf einer Körperverletzung entlastet. Der Eigenbetrieb Altenhilfe habe Konsequenzen gezogen, unter anderem personell. Außerdem habe ein Supervisor sich der Mitarbeiter angenommen, es gab Schulungen in Organisation und Beschwerdemanagement. Das Haus verordnete sich selber eine Oberbelegungsgrenze von 100 Plätzen; diese ist aber mittlerweile aufgehoben. Laut Kiefer soll es nach und nach belegt werden. Als Alternative werde die Zusammenarbeit mit einem externen Partner geprüft, über den er sich allerdings noch ausschweigt. Das ist auch eine finanzielle Frage: Der Eigenbetrieb ist hochdefizitär. Für das Gebäude zahlt er fast eine Million Euro Miete im Jahr an die niederbayerische Baufirma, die es errichtet hat.

Experten von außerhalb unterstützen das Heim

Die MDK-Expertin Heike Franzen-Krapoth bescheinigt der Einrichtung ebenfalls erhebliche Verbesserungen. Dies habe schon die zweite Prüfung im Jahr 2014 ergeben. Nicht nur sei die Leitungsebene ausgetauscht worden, sondern die Altenhilfe habe auch einen externen Experten zu Hilfe gerufen, was wegen der damit verbundenen Kosten nur wenige Einrichtungen tun. So gab es bei der Wiederholungsprüfung nur noch vereinzelt Verbesserungspotenzial. 2015 fand keine Kontrolle statt, die städtische Heimaufsicht begleite das Haus aber engmaschig.

Eine weitere Folge des Pflegeskandals: Die Stadt installierte für vorerst ein Jahr einen ehrenamtlichen Ombudsmann für die Seniorenheime. Der hatte in den bisher zwei Monaten seiner Tätigkeit laut Kiefer nicht viel zu tun: „Der große Ansturm blieb aus.“

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