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Augsburg

31.01.2019

Kult-Club Kantine verlässt das Reese-Areal

Für den Augsburger Rapper Errdeka sind die Auftritte in der Kantine ein Heimspiel. Doch auch viele andere Künstler sind immer wieder gerne in den Klub in der ehemaligen Reese-Kaserne zurückgekehrt.
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Für den Augsburger Rapper Errdeka sind die Auftritte in der Kantine ein Heimspiel. Doch auch viele andere Künstler sind immer wieder gerne in den Klub in der ehemaligen Reese-Kaserne zurückgekehrt.
Bild: Bernd Rottmann

Seit 2002 gibt es die Musikkantine in Augsburg-Kriegshaber, jetzt entstehen auf der Fläche Wohnungen. Getanzt wird künftig in der City.

Abschied nehmen tut immer weh. Für Sebastian Karner und Jürgen Lupart, den alle Lupo nennen, ist es bereits der zweite Abschied. Bis 2008 betrieben sie die „alte“ Kantine, die nur wenige hundert Meter von der jetzigen Musikkantine in der ehemaligen Reese-Kaserne entfernt lag. Doch das war nur eine Zwischennutzung. Und auch die Heimat der zweiten Kantine wurde nur ein Gastspiel, das aber immerhin über zehn Jahre andauerte.

Als sie 2008 mit ihrem Klub in das ehemalige Kasernengebäude zogen, wurden sie in den Kulturpark West integriert, dessen Mietvertrag zunächst bis ins Jahr 2017 lief. Die beiden Inhaber hatten anfangs alle Hände voll zu tun. So fand zwar eine Altlastensanierung in dem Gebäude statt, doch danach fand das Duo nur noch den reinen Rohbau vor. Kein Boden, kein Putz, keine Elektrik... „Fertig wird man in so einem Gebäude natürlich nie. Aber damals mussten wir noch ein Jahr richtig Arbeit reinstecken“, sagt Jürgen Lupart.

Anfangs hatte die Kantine viele Freiheiten

Daneben wurde aber schon recht bald gefeiert: Die Gäste der Kantine besuchten Parties und Konzerte und schätzten vor allem auch den lauschigen Biergarten des Klubs, in dem es eine Feuerstelle gab. „Anfangs hatten wir hier viele Freiheiten und auch viel Spaß. Wir konnten kleine Open-Airs im Biergarten feiern und haben niemanden gestört“, erinnert sich Sebastian Karner. Doch je näher die Wohnbebauung auf dem Reese-Areal rückte, desto häufiger war es mit dem freizügigen Feiern auch vorbei.

Jürgen Lupart und Sebastian Karner nehmen Abschied.
Bild: Silvio Wyszengrad

In den vergangenen zehn Jahren habe sich ohnehin viel im Nachtleben verändert. „Netflix ist King“, bringt es Booker NT, Jürgen Endres, auf den Punkt. Junge Menschen würden sich mehr zu Hause Filme und Serien streamen und bei weitem nicht mehr so viel weggehen. „Früher waren auch Subgenres, wie Rockabilly- oder Gothic-Abende gefragt. Doch es geht immer mehr in Richtung Mainstream.“ Gitarrenmusik habe sich neben Indie total verabschiedet. Gefragt sind neben elektronischer Musik vor allem Formate wie eine 90er-Jahre-Party. „Das machen dann allerdings alle und das ist nicht gut, wenn sich alle angleichen“, betont Sebastian Karner. Der Fokus liege auf der Bühnenshow, die egal ob Party oder Konzert aufwendig betrieben werden müsse. Das Angebot an Konzerten habe in Augsburg in den vergangene Jahren stark zugenommen. „Wer will, kann jeden Abend auf ein Konzert gehen.“

Die Kantine zieht an den Königsplatz

Nachdem das Ende des Kulturparks nahte, suchten die Geschäftspartner nach einer anderen Location und bemühten sich anfangs um das Reinigergebäude auf dem Oberhauser Gaswerkareal. Doch die Pläne zerschlugen sich. Wieder begann die Suche nach einem anderen Standort für die neue Kantine, die die dritte Musikkantine werden wird. Karner und Lupart wurden fündig: Sie übernahmen den Yum-Club, der 2017 in die Insolvenz schlitterte. Für die Kantine geht es nun in die Innenstadt: Im März eröffnet sie am Königsplatz.

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