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Augsburg

29.12.2020

Laute Musik: Ärger über Störgeräusche im Grottenau-Gebäude eskaliert

In die frühere Grottenau-Post sind städtische Ämter und das Leopold-Mozart-Zentrum der Universität eingezogen. Jetzt gibt es Schallprobleme.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Nach einem Ortstermin und einer Simulation kommt jetzt eine Schallmessung in dem sanierten Gebäude. Vertragen sich Verwaltung und Musikbetrieb in einem Gebäude?

Die unerwünschte Begleitmusik für städtische Mitarbeiter im Grottenau-Gebäude ist offenbar nicht so einfach abzustellen. Fachleute der Stadt sind seit Wochen dabei, die Probleme genauer zu ermitteln. Nun sollen auch externe Experten eingeschaltet werden, um das Ärgernis in den Griff zu bekommen. Auslöser der umfangreichen Untersuchung sind massive Klagen von Bediensteten. Sie fühlen sich durch den Musikbetrieb der Universität gestört, der im selben Gebäude wie der neue Verwaltungsstandort untergebracht wurde. Die Musikstudenten und Dozenten waren Anfang Dezember eingezogen. Auch sie sind jetzt empört.

Im ehemaligen Postgebäude in der Grottenau ist auch die Musikhochschule untergebracht: Das Üben der Studenten stört mitunter andere im Gebäude.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die ehemalige Hauptpost in der Grottenau war von der Stadt Augsburg gekauft, modernisiert und in diesem Sommer in Betrieb genommen worden. Die Sanierung des denkmalgeschützten Komplexes mitten im Augsburger Zentrum kostete 29,3 Millionen Euro. Schallschutz war ein wichtiges Thema. Denn die Stadt nutzt das Gebäude in den beiden unteren Stockwerken als Verwaltungsstandort für rund 155 Mitarbeiter.

In 90 Räumen der Grottenau in Augsburg steht ein Flügel oder Klavier

Die beiden oberen Etagen werden von der Universität belegt. Das Leopold-Mozart-Zentrum hat kürzlich seinen Unterrichtsbetrieb mit rund 100 Lehrbeauftragten und 250 Studierenden aufgenommen. In etwa 90 Räumen steht ein Flügel oder Klavier. Geübt wird auch mit Streich- und Blasinstrumenten sowie Schlagwerk - also im Prinzip mit allen Instrumenten, die man für ein Orchester braucht.

Das Problem: Seit in der Grottenau musiziert wird, klagen viele der dortigen städtischen Mitarbeiter über unerträgliche Geräuschbelästigungen und Konzentrationsprobleme. Komplexe Büroarbeit sei so nicht mehr möglich. Im Vorfeld hatten Vertreter der Stadt immer wieder versichert, die beiden gegensätzlichen Nutzungen in der Grottenau seien möglich und machbar.

Schallschutz in der Grottenau: Simulation war nicht ausreichend

Die große Sanierung des historischen Gebäudes lief unter der Regie der früheren Liegenschaftsreferentin Eva Weber (CSU), die nun Oberbürgermeisterin ist. Ihr Nachfolger im Wirtschaftsreferat, Wolfgang Hübschle, hat zugesagt, dass die Klagen von Mitarbeitern ernst genommen werden sollen. Es sei sofort nach der ersten Beschwerde am 7. Dezember gehandelt worden. Nun zieht er eine erste Zwischenbilanz.

"Wie angekündigt, haben wir in einem weiteren Gespräch mit Fachleuten die Situation vor Ort angehört, um einen konkreten persönlichen und ersten fachlichen Eindruck von der Situation zu bekommen ", so Hübschle. Vertreter des Leopold-Mozart-Zentrums (LMZ) der Universität hätten einen Übungsbetrieb simuliert. Das Ergebnis war offenkundig aber noch nicht ausreichend. Der Referent sagt, es sei noch eine genauere räumliche und funktionale Eingrenzung notwendig. Diese könne aber nicht binnen weniger Tage erfolgen.

Die Stadt hat nun auch eine Schallmessung durch externe Experten in Auftrag gegeben. Die Aktion soll am 29. Januar und am 5. Februar laufen. Die Untersuchungen sollen eine Grundlage für weitere Maßnahmen sein. Parallel klärt die Stadt auch noch andere offene Fragen. So gibt es genaue Vorgaben zur Raumbelegung und Vorschriften zur Nutzung des Baudenkmals - für das Leopold-Mozart-Zentrum ebenso wie für die städtischen Dienststellen.

Studenten sind empört über Kritik: Üben gehört zum Musikstudium

Bei der Sanierung der früheren Grottenau-Post wurde viel unternommen, um Lärmprobleme zu vermeiden. Hübschle sagt, die Aufteilung im Gebäude sei das Ergebnis detaillierter Planungen zusammen mit Fachleuten. Die Kosten für den Schallschutz sollen erheblich gewesen sein. Bei der Stadt geht man weiterhin davon aus, dass sich die beiden Nutzungen im Gebäude verträglich organisieren lassen Es gibt jedoch auch andere Fachleute, die glauben, dass man in einem alten Gebäude dieser Bauart das Lärmproblem nie ganz in den Griff bekommen werde.

Empört über die Kritik sind Musikstudenten. Linda Heder und Marie Koenigsbeck schreiben, sie seien fassungslos, dass ihr Beruf als "unerwünschte Begleitmusik“ bezeichnet werde. "In einem Land, das für seine Kultur anerkannt wird, das 129 Berufsorchester hat, ist das eine niederschmetternde Antwort auf die Ausbildung professioneller Musiker." In Auftritten und Konzerten würden unzählige Stunden an Übungsarbeit stecken. Dass der Prozess bis dorthin nicht nur für Musiker anstrengend sei, sondern auch für potenzielle Mithörende, sei den Studenten bewusst.

Noch sind die Umbauarbeiten in der alten Hauptpost nicht abgeschlossen, doch die ersten Räume werden bereits genutzt.
40 Bilder
Fast fertig: So läuft der Umbau der alten Hauptpost in der Grottenau
Bild: Lea Binzer und Bernd Hohlen

Linda Heder und Marie Koenigsbeck schreiben weiter: Allen Beteiligten sei von vornherein klar gewesen, dass das Gebäude sowohl von städtischen Behörden als auch vom LMZ bezogen werde. "Dass eine Ausbildungsstätte für Musiker kein Ort der Stille sein kann, sollte selbstverständlich sein. Ebenso die Tatsache, dass ein Konzert ohne Üben nicht stattfinden kann."

Die Musikstudenten der Uni betonen, dass sie keineswegs den Büroalltag in der Grottenau stören wollen. Sie seien aber davon ausgegangen, dass ein Gebäude, bei dem von Anfang an klar war, dass es von unterschiedlichen Parteien genutzt werden wird, am Ende ausreichend schallgeschützt sein würde. "Auch wir gehen in diesem Haus schlicht und einfach unserem Beruf nach", so die beiden Studentinnen.

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29.12.2020

Unvorstellbar!
Sanierungskosten knapp 30 Millionen
Und jetzt machen Musikstudenten dort Musik - für die Verwaltung in den Etagen darunter konzentrationseinschränkender Lärm.
Ein weiteres Schilda-Projekt (und das nicht gerade billig) der Ära Gribl unter Verantwortung der heutigen Frau Oberbürgermeister.

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