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Leerstände: Der Wandel in der Augsburger Innenstadt ist nicht zu stoppen

Leerstände: Der Wandel in der Augsburger Innenstadt ist nicht zu stoppen
Kommentar Von Jörg Heinzle
14.12.2019

Plus Der Online-Handel macht den Läden in Augsburg zu schaffen. Das muss aber kein Grund für Pessimismus sein.

Die Innenstadt? Für die Sportartikel-Kette Decathlon ist das kein Thema. Der Händler mit mehr als 80 Filialen in Deutschland unternimmt einen neuen Anlauf, um in Augsburg einen Markt zu eröffnen – und zum zweiten Mal ist es ein Standort fernab von der Innenstadt, in Randlage. Dieses Mal in der Nähe des EGM-Kauflands in Lechhausen. Verwehren kann man das dem Sporthändler wohl nicht. Und es gibt auch keinen Grund dazu. In der Innenstadt gibt es kaum mehr Sporthändler, die man schützen müsste. Sport-Scheck, ansässig in der City-Galerie, befindet sich auch nicht in klassischer Innenstadt-Lage.

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Der Handel in Augsburg befindet sich im Umbruch

Allzu viel Hoffnungen, dass ein großer Sporthändler doch noch direkt in die Innenstadt zieht, sollte man sich nicht machen. Und nur deshalb Decathlon draußen im Gewerbegebiet zu verhindern, ergäbe keinen Sinn. Man muss es in einem größeren Zusammenhang sehen – und akzeptieren: Einen echten Boom im Innenstadt-Handel wird es nicht mehr geben. Der Onlinehandel wächst und wächst. Etwa im Bereich Mode: Hier gaben die Menschen im Deutschland im Jahr 2018 bei Interneteinkäufen laut Handelsverband rund 13,2 Milliarden Euro für Kleidung, Schuhe und Accessoires aus. Eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr. Das ging zulasten der stationären Händler. Sie büßten im vorigen Jahren rund 1,1 Milliarden Euro an Umsatz ein. Der Handel befindet sich in einem dramatischen Umbruch. Und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich am Online-Trend etwas ändert. Im Gegenteil.

Augsburg steht noch gut da. Es gibt in den Einkaufsstraßen noch viele attraktive Geschäfte. Und in der Altstadt hat sich in den vergangenen Jahren eine spannende Mischung aus kleinen Läden, Büros und Handwerk entwickelt. Die Altstadt profitiert dabei von ihrer Lage zwischen City-Galerie und Stadtzentrum. Auch in der Maximilianstraße sind eine Reihe von Häusern saniert worden – und beherbergen attraktive, hochwertige Geschäfte. Die Stadtpolitik hat dazu auch wesentlich beigetragen. Vor allem durch die großflächige Neugestaltung der Fußgängerzone, des Königsplatzes und teilweise auch der Maxstraße. Die Innenstadt wirkt seither deutlich attraktiver.

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Leerstände gibt es in Augsburg auch in Toplagen

Doch wer mit offenen Augen durch die Innenstadt geht, kann die Leerstände – teils auch in Toplagen wie der Annastraße – dennoch nicht ausblenden. Außerdem scheint sich das Karussell im Handel immer schneller zu drehen. Es war schon immer so, dass Geschäfte kommen und gehen. Die Geschwindigkeit aber hat merklich zugenommen. Kleinere, inhabergeführte Geschäfte sind auf dem Rückzug. Ketten übernehmen. Doch die Frage bleibt: Wie lange noch? Auch die Modemarken drängen ins Internet. Teils hat man sogar das Gefühl, sie arbeiten bewusst daran, Kunden vom Geschäft ins Internet zu drängen – etwa mit speziellen Rabatten und Angeboten, die es nur online gibt.

Während im ehemaligen Esprit-Laden in der Annastraße übergangsweise ein Outlet untergebracht ist, steht gegenüber die ehemalige Woolworth-Immobilie seit Langem leer.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Was das für die Innenstadt bedeutet? Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass der Status quo erhalten bleibt. Natürlich wird es weiter Geschäfte geben. Auch familiengeführte Unternehmen wie das Modehaus Rübsamen haben es geschafft, am Markt zu bestehen. Auch deshalb, weil sie ebenfalls im Internet verkaufen. Aber man darf sich nichts vormachen: Die Mühe, Leerstände zu füllen, wird nicht weniger werden. Tendenziell wird es, trotz aller Bemühungen der Stadt, einen Rückgang bei den Geschäften geben.

Es kommt in Augsburg nicht nur auf Geschäfte an

Das muss man aber nicht als Weltuntergang sehen. Ist eine Innenstadt wirklich nur dann attraktiv, wenn sie vollgestopft ist mit Geschäften? Manche Straßen, auch in Augsburg, sind in den vergangenen Jahrzehnten durch den kollektiven Kaufrausch auch ziemlich eintönig geworden. Dominiert allein von Geschäften. Wo sich nun Lücken auftun, besteht auch die Chance auf Veränderung. Das innerstädtische Wohnen kann wieder ausgebaut werden. Es ist besser, leer stehende Geschäftshäuser in Wohnungen umzubauen, als sie mit zugeklebten Schaufensterscheiben vor sich hin darben zu lassen. Auch die Gastronomie besetzt jetzt Flächen, die früher dem Einzelhandel dienten. In Augsburg haben viele neue Lokale eröffnet. Essengehen gewinnt an Stellenwert. Auch Dienstleistungen, Büros und Ateliers machen eine Straße attraktiv. Es ist auch an der Zeit, Kunst und Kultur stärker in die vom Kommerz dominierte Innenstadt zurückzuholen – mit Galerien oder einer Theaterbühne. Möglich kann das werden, wenn das Mietniveau angesichts des Rückzugs des Einzelhandels sinkt. Die Innenstadt muss, das sagen Forscher, zum Erlebnisraum werden, wenn sie Zukunft haben will. Auch Familienfreundlichkeit ist wichtig. Was Spielplätze auf zentralen Plätzen angeht, hat Augsburg noch ziemlichen Nachholbedarf. Das sieht auch das Einzelhandelsgutachten, das im Auftrag der Stadt erstellt wurde,so.

Es gibt also noch einiges zu tun. Und es wird sich viel verändern. Aber es gibt keinen Grund, die Zukunft der Innenstadt nur pessimistisch zu sehen.

Mehr zum Handel in Augsburg lesen Sie hier:

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15.12.2019

Wohninnenstädte, ohne Handel und Arbeitsplätze, sind mausetote Schlafsiedlungen. Bei der heutigen Lärmallergie und Klagefreudigkeit sind Kunst mit ein paar dutzend Besuchern und Gastro mit Beschränkungen kein Ersatz.
Regional/Lokal und unbeschränkt global ist ohne greifende Regeln unvereinbar. Die Innenstädte dürfen es gerade ausbaden.
Wenns etwas positives wollen, müssen sie die Strukturen Gemeinschaftstauglicher gestalten, im Gesamtpaket des Lebens.
Wort zum Sonntag....

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15.12.2019

Das Auto wird in der Innenstadt in den nächsten Jahren immer weiter an Bedeutung verlieren. Und die Citygalerie hat für ihre Größe eine miserable Anbindung an den ÖPNV, ist praktisch vollständig von der Schleifenstraße und dem eigenen Shuttleservice abhängig. Der Gegentrend ist schon eingeläutet und aus gutem Grund werden viele neue Einkaufspassagen an Bahnhöfen gebaut. Freue mich darauf, dass wieder Leben in die Stadt zurückkehren wird.

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