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Augsburg

16.01.2015

Marcus Prinz von Anhalt muss für vier Jahre ins Gefängnis

Im Steuerstrafprozess gegen Marcus Prinz von Anhalt ist am Freitag das Urteil gefallen.
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Im Steuerstrafprozess gegen Marcus Prinz von Anhalt ist am Freitag das Urteil gefallen.
Bild: Ulrich Wagner

Im Steuerstrafprozess gegen Marcus Prinz von Anhalt ist ein Urteil gefallen. Der "Protz-Prinz" muss für vier Jahre ins Gefängnis.

2014 hätte ein sehr gutes Jahr werden können für Marcus Prinz von Anhalt. Die Schweizer Firma Mediakreis hatte ihm geholfen, seine Facebook-Seite mit über zwei Millionen Fans zu einer der erfolgreichsten im deutschsprachigen Raum zu machen und diesen Erfolg auch in Geld umzumünzen. 240.000 Euro sollen für Werbung auf dieser Internetseite geflossen sein. Und dann war der Beginn der Dreharbeiten eines US-Senders für eine eigene Fernsehserie in Amerika geplant. Es kam aber etwas dazwischen.

Mitte April wurde der ehemalige Metzger Marcus Eberhardt, heutige Bordellbetreiber und Adoptivprinz wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung verhaftet. Und das neue Jahr fängt auch nicht gut an. Am Freitagabend hat die 10. Strafkammer des Augsburger Landgerichts Marcus von Anhalt zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt.

Der 48-Jährige hat nach Überzeugung des Gerichts Steuern in Höhe von rund 800.000 Euro hinterzogen. Er hat auf verschiedene Firmen Luxusautos angemeldet und abgesetzt, die Nobelschlitten aber vor allem privat genutzt, so das Gericht. Die ursprüngliche Zahl von 14 Fahrzeugen aus der Anklage wurde vom Gericht auf sechs Autos reduziert. Darunter ist ein Maybach, ein Rolls Royce, ein McLaren SLR und ein Porsche GT. Über Briefkastenfirmen in der Schweiz habe ein Freund dem Prinzen zudem „Scheinrechnungen“ gestellt, für die keine Leistungen erbracht wurden, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale. Von Anhalts Firmen haben die Summen aber als Betriebsausgaben geltend gemacht.

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Marcus von Anhalt ist mehrfach vorbestraft

Dass die Wirtschaftsstrafkammer eine im Vergleich zum Fall Uli Hoeneß höhere Haftstrafe bei deutlich weniger Steuerschaden verhängte, liegt an mehreren Faktoren: Marcus von Anhalt ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Zuhälterei, Trunkenheitsfahrt mit 1,8 Promille und Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen – er hatte Polizisten den Hitler-Gruß gezeigt. Er hat kein Geständnis abgelegt und ist nach Ansicht des Gerichts bei seinen Taten sehr zielgerichtet vorgegangen: „Er hat eine Vielzahl von Verschleierungstaktiken angewendet“, so Richter Natale.

Der Angeklagte, der während des Prozesses locker gewirkt und immer wieder in den Gerichtssaal zu seinen Freunden und Geschäftspartnern gegrinst hatte, nahm das Urteil mit häufigem Kopfschütteln. Er ist überzeugt, dass die Justiz bei ihm besonders streng vorgeht, weil er sein Geld im Rotlichtmilieu verdient. Seine Verteidiger David Herrmann, Jan Bockemühl und Ariande Hepp kündigten an, in Revision zu gehen.

Kuriosität am Rande: Die letzte Zeugin, eine Ulmer Finanzbeamtin, hatte noch am Freitagvormittag beschrieben, wie ihre Behörde bei einer Betriebsprüfung einer anderen Anhalt-Firma 2010 nichts an der steuerlichen Geltendmachung eines Rolls Royce und eines Porsche Turbo auszusetzen hatte. Fast getreu dem von Anhalt’schen Motto: „Der beste Lude hat den besten Benz.“

Luftbild Augsburg / Blick auf den Klostergarten von St. Stephan / daneben die JVA in der Karmelitengasse. Bild: Ulrich Wagner
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Bild: Archiv, Fred Schöllhorn, Ulrich Wagner, Frank Mächler/ dpa, Uwe Anspach/ dpa
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