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Augsburg

16.08.2019

Maroder Bau am Milchberg: Jetzt gibt es Pläne für die "Alte Schmiede"

In der "Alten Schmiede" am Milchberg wurden früher Pferde beschlagen, ältere Augsburger können sich noch gut daran erinnern. Nun steht das Gebäude leer.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Das Baudenkmal im Ulrichsviertel sieht vernachlässigt aus. Viele Augsburger machen sich deshalb Sorgen. Nun plant der Eigentümer ein ungewöhnliches Projekt.

Es ist ein außergewöhnliches Gebäude, in vieler Hinsicht. In der "Alten Schmiede" am Milchberg wurden früher mitten in Augsburg Pferde beschlagen. Ein Wandbild, das den Hufschmied bei der Arbeit zeigt, erinnert noch daran. Doch das ist lange her. Heute steht das Haus leer. Es wirkt marode. Im Verein Ulrichsviertel macht man sich schon länger Sorgen um das wertvolle Baudenkmal. Jetzt haben Vereinsmitglieder Alarm bei der Stadt geschlagen.

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Liselotte Mayer-Felsenstein sagt, viele Anwohner seien über den Zustand des Gebäudes beunruhigt. Der Verein werde von Bürgern immer wieder auf das Haus aufmerksam gemacht und aufgefordert, tätig zu werden. Denn die Mitglieder setzen sich schon seit Langem dafür ein, dass denkmalgeschützte Bauten in Augsburg erhalten und instandgesetzt werden. Vorsitzende Ulrike Danner kann die Sorgen um die Alte Schmiede gut nachvollziehen. Nach allem, was von außen zu sehen ist, sei der Zustand sehr bedenklich, sagt sie. Die Fassade blättert, aus den Dachrinnen wächst Gras. Im Verein befürchtet man, das Gebäude könnte auch einen Schaden am Dach haben. Das wäre fürs Baudenkmal besonders gefährlich.

Verein will Kontakt zum Hausbesitzer

Danner und ihre Mitstreiter haben ein großes Problem: Der aktuelle Eigentümer der Alten Schmiede sei für den Vereinsvorstand nicht greifbar. Auch in der Nachbarschaft seien weder der Name noch die Telefonnummer bekannt. Ohne Adresse könne man ihn nicht einmal anschreiben. Der Vereinsvorstand hat sich deshalb entschlossen, die Untere Denkmalschutzbehörde bei der Stadt zu alarmieren. Er will wissen, wie es mit dem Baudenkmal weitergehen soll – und ob es eine Zukunft hat.

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12 Bilder
Die Alte Schmiede am Milchberg
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Alte Schmiede ist ein geschichtsträchtiger Ort in Augsburg. Das kann man auf einer Infotafel am Gebäude nachlesen. Das Anwesen gehörte ursprünglich zum Kloster St. Ulrich und Afra. Das Kloster gab die Schmiede als Zinslehen an "geeignete Handwerker" weiter. Schon 1184 soll die Hufschmiede in einer schwäbischen Chronik erwähnt worden sein. Der östliche Anbau geht nach Untersuchungen des verbauten Holzes auf das Jahr 1466 zurück. Die wechselnden Besitzer der Schmiede sind namentlich ab etwa 1580 nachweisbar.

Auch bei der Stadt hat man ein Auge auf dieses besondere Baudenkmal. Gerhard Huber von der Unteren Denkmalschutzbehörde ist zuversichtlich, dass es in guten Händen ist. In einem Brief an den Verein teilt er mit, der aktuelle Eigentümer schätze das Gebäude und sorge für dessen Erhalt. Derzeit suche der Besitzer behutsam nach einer neuen Nutzung. Der finanzielle Gewinn stehe dabei nicht im Vordergrund.

Neue Pläne fürs Gebäude

Aktuell entwickeln Studenten der Hochschule Augsburg ein Projekt: Es werde von der Unteren Denkmalschutzbehörde "ausdrücklich begrüßt und unterstützt", so Huber. Beim Verein Ulrichsviertel ist man mit dieser Antwort aber noch nicht zufrieden. Schon seit zwei Jahren sei die Rede davon, dass Architekten der Hochschule ein Vorhaben in der Alten Schmiede laufen hätten, sagt Liselotte Mayer-Felsenstein. Bislang könne man aber nicht erkennen, dass beim Erhalt des Bauwerks etwas vorangehe.

Eine Nachfrage unserer Redaktion an der Hochschule ergibt: Das Projekt "Alte Schmiede" ist am Laufen und steuert offenbar auf die Zielgerade zu. Professor Christian Bauriedel sagt, "mit der Schmiede beschäftigen wir uns in der Tat schon einige Semester." Es habe verschiedene studentische Arbeiten zu Nutzungskonzepten, Umbauvorschlägen, Denkmalschutz, Genehmigungen und Statik gegeben, und zwar in Zusammenarbeit mit den zuständigen Bau- und Denkmalämtern.

Bauriedel sagt weiter, es sei zwar ein sehr kompliziertes Gebäude. Es sei aber baulich in Ordnung und habe "extrem viel Charme". Nach Einschätzung der beteiligten Hochschulteams aus den Bereichen Architektur, Energieeffizienz und Bauingenieurwesen wäre eine komplette Sanierung der Alten Schmiede zum modernen Wohn- und Geschäftshaus oder zur Gastronomie allerdings nicht möglich, ohne sehr stark in die historische Bausubstanz einzugreifen. Dies sei mit dem Denkmalschutz wohl nicht vereinbar und auch nicht gewollt.

Das Baudenkmal steht unterhalb von St. Ulrich.
Bild: Silvio Wyszengrad

Zusammen mit dem Eigentümer habe man nun ein anderes Konzept entwickeln können, das sinnvoll und kreativ sei – und mit minimalen baulichen Eingriffen auskomme, so Bauriedel. Angedacht sei, eine Art "Gründerschmiede" mit studentischen Arbeitsräumen einzurichten. Ob daraus am Ende ein offizielles Hochschulprojekt werden könnte, ist offen. Im Oktober wolle man mit der Hochschulleitung sprechen, sagt der Professor.

Denkmal von den Großeltern geerbt

Und was sagt der Eigentümer der Alten Schmiede zu den Plänen? Bernhard Heilmann hat das Gebäude von seinen Großeltern geerbt. Er erzählt, er habe mehrfach Angebote von Kaufinteressenten bekommen. Alle habe er ausgeschlagen. Sein Ziel sei, das historische Gebäude in Familienbesitz zu halten und zu einer "kleinen Perle" zu machen. Nun gehe es darum, eine finanziell überschaubare Lösung für eine neue, verträgliche Nutzung zu finden. "Dafür arbeite ich mit der Hochschule zusammen." Online-Bildergalerie

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Dieser Hausbesitzer verdient jede Unterstützung

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