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Ulm

24.05.2018

Mit Fassbinder und Dietl durch München

Jetzt auch Autor: Florian Schröder.
Bild: Jens Kramer

Der Pop-Art-Künstler und Musiker Florian Schröder hat sein erstes Hörbuch aufgenommen. Es ist eine Hommage an die bayerische Landeshauptstadt. Und ziemlich umfangreich.

Alles beherrscht Florian Schröder eben doch nicht: zum Beispiel französisch. Aber auf seine fragwürdige Aussprache von „Fauxpas“ oder „Jean-Luc Godard“ angesprochen, muss der 38-Jährige lachen – und hat gleich eine Antwort. Er sei dann eben wie Werner Herzog. Der große Filmemacher, der seinen deutschen Akzent auch nach Jahrzehnten im internationalen Geschäft nicht abgelegt hat. Schröder, Filmfan durch und durch, hat keine Angst vor den großen Namen.

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„Sage mir deine Freunde“, das erste Hörbuch des aus dem Ort Heroldstatt (Alb-Donau-Kreis) stammenden Künstlers, wimmelt geradezu von ihnen. Da erscheint Ich-Erzähler Martin Dekowa, in der Geschichte übrigens ein Ulmer, im Traum der Regisseur Rainer Werner Fassbinder, da heißt die verflossene Liebe Helena mit Nachnamen von Klenze, wie der Architekt, dessen klassizistische Bauten bis heute das Bild Münchens prägen. „Sage mir deine Freunde“ handelt von der bayerischen Landeshauptstadt und ihrer Schickeria, von der von einst, die Helmut Dietl in seinen Fernsehserien zeigte, aber auch von der von heute. Denn der Protagonist ist ein zynischer Werber, der auf der Suche nach dem nächsten Trend in Begleitung einer jungen, ehrgeizigen Praktikantin durch Galerien, Clubs und andere Brennpunkte der besseren Gesellschaft streift. Die Stadt München, so der Dietl-, Herzog- und Fassbinder-Verehrer Schröder, „bietet sich als Bühne an, weil man dort sehr gut Menschen beobachten kann“. Der Roman sei aber auch eine Liebeserklärung an die Stadt, „wie an einen Sommer, der zu Ende geht“.

Bekannt wurde Schröder durch grafische Kunst und Musik

Dass Schröder jetzt auch noch Romanautor ist, mag manche überraschen. Ihn selbst eigentlich auch. Denn bekannt ist der 38-Jährige in der Region für ganz andere Projekte: Unter dem Namen „Wokasoma“ macht er grafische Kunst in der Tradition der Pop-Art, als Stimme des Duos Opus Leopard pflegt er deutschsprachigen Sprechgesang mit deutlicher Falco-Schlagseite, er hat schon Musikvideos und Kurzfilme gedreht. „Sage mir deine Freunde“, so erzählt Schröder, habe als Konzept für eine Fernsehserie begonnen. Aber als er selbst das Drehbuch schreiben wollte, sei er dabei „total gescheitert“. Er schwenkte um auf die Romanform – es funktionierte.

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Nachdem auch seine Freunde von dem Ergebnis angetan waren, entschloss er sich zur Veröffentlichung. Verleger habe er gar nicht groß angegangen, sagt er. Weil er selbst Literatur gerne als Hörbuch genießt, entschloss er sich, selbst eines zu machen.

Die Aufnahme fand im Studio von Sascha Klammt (alias Quasi Modo von Kinderzimmer Productions) statt – und dauerte eine Woche. „Ich habe das unterschätzt“, gesteht Schröder. Es ist aber auch ein Mammutwerk geworden: „Sage mir deine Freunde“ hat eine Laufzeit von zehn Stunden.

Trotz dieser Strapazen: Florian Schröder ist glücklich mit dem Ergebnis – und hat das Schreiben lieb gewonnen. Jetzt mache er eben Pop-Art mit den Mitteln der Literatur. Das Beste daran sei: Anders als beim Film brauche man zum Schreiben überhaupt kein Budget „und kann sogar noch selber performen“, freut sich der Autor. „Der Roman war für mich ein Befreiungsschlag. Nie wieder stelle ich mich hinter eine Kamera.“

Ob aus „Sage mir deine Freunde“ eine Serie wird, ist übrigens noch nicht klar. „Das ist noch in der Schwebe“, sagt Schröder. Es stört ihn nicht weiter: Er schreibt schon am nächsten Roman. Der soll in Ulm spielen.

„Sage mir deine Freunde“ ist bei gängigen Download- und Streaming-Portalen verfügbar, unter anderem bei Audible, Spotify und Apple Music.

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