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Augsburg

12.12.2020

Modellprojekt: Augsburger Kita könnte im Lockdown Kinder zu Hause betreuen

In der Kita St. Simpert in Augsburg gibt es Tablets für die Kinder.
Bild: Daniel Weber

Plus Die Kita St. Simpert im Textilviertel könnte im Falle eines harten Lockdowns Kinder auch zu Hause betreuen. Als eine der ersten Einrichtungen in Augsburg nimmt sie an einem Modellprojekt teil.

Sollte es noch einmal zu einem harten Lockdown kommen, dann wäre die Kita St. Simpert im Textilviertel dafür gerüstet. Die Kinder könnten dann auch zu Hause betreut werden, denn sie und ihre Erzieherinnen haben Erfahrung mit Videokonferenzen und verfügen auch über die nötige Ausrüstung mit Tablet-Computern. Seit Herbst 2019 nahm die Einrichtung an dem Modellprojekt „Stärkung der Medienkompetenz in der frühkindlichen Bildung“ teil – als eine der ersten in Augsburg.

Ausgeschrieben wurde das Projekt 2018, als die Bundesregierung große Anstrengungen unternahm, die Digitalisierung von Schulen und Kindergärten zu fördern. Kita-Leiterin Kerstin Rada-Öner erhielt eine Rundmail des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) und beschloss spontan, sich zu bewerben. Ihr leuchtete ein, dass Kinder die neuen Medien nicht nur passiv konsumieren, sondern bewusst und kreativ damit umgehen sollten.

Kita St. Simpert im Augsburger Textilviertel arbeitet mit Tablets

Kinder sind heute von klein auf in ihren Familien mit Smartphones oder Tablets konfrontiert, so Rada-Öner. Manche Eltern benutzen die Geräte, um ihren Nachwuchs ruhigzustellen, indem sie einfach Filme ablaufen lassen. Zudem sah sie eine Chance, den Kindern zu vermitteln, dass sie selbst entscheiden, welche Informationen von ihnen – vor allem Bilder – ins Internet gestellt werden. Meist waren die Kitakinder aber nicht im Internet, sondern es gab Apps, mit denen zum Beispiel kleine Szenen animiert werden können.

Das lief so ab: „Wir ließen die Kinder ein Krokodil malen. Dann haben wir in einer Kinderkonferenz darüber gesprochen, was das Krokodil tun könnte. Eventuell kamen damit weitere Figuren dazu. Mit dem Tablet haben wir die Szenen abfotografiert und den Ton dazu aufgenommen. Mit der App wurde das dann zu einem kleinen Film“, erzählt Rada-Öner. Es gab dabei Aufgaben an die Kinder zu verteilen: Jemand war für das Stativ zuständig, ein anderes Kind für das Einspannen des Tablets, und wieder andere entschieden, aus welcher Perspektive die Bilder fotografiert wurden. „Das Tablet war für uns ein Hilfsmittel, um selbst kreativ zu werden, zum Spielen oder zum Lernen“, betont Rada-Öner.

Medienkompetenz: Kita-Kinder wählen sich in Videokonferenz ein

Krippenkinder, die bis zu drei Jahre alt sind, konnten noch keinen Film produzieren. „Aber Ein- oder Zweijährige verstehen schon viel“, sagt dazu die Kitaleiterin, „sie können ein Tablet noch nicht bedienen, aber wir haben ihnen gezeigt, was man damit machen kann.“

In der Kita St. Simpert in Augsburg gibt es Tablets für die Kinder. Damit können sie spielend die Welt erforschen und zum Beispiel das Rascheln der Blätter aufnehmen.
Bild: Daniel Weber

Dann kam im März der Lockdown, und praktisch von einem Tag auf den anderen konnten die Kinder nicht mehr in die Kita kommen. Das Modellprojekt lief aber noch. „Da kamen wir auf die Idee, mit einem Livestream zu arbeiten.“ Kinder die mitmachen wollten, konnten sich zu Hause mit Hilfe ihrer Eltern in eine Videokonferenz einwählen und damit den Kontakt zu ihren Freunden und den Erzieherinnen halten. Hilfestellung leistete auch ein Mediencoach, den das IFP gestellt hatte.

Livestreams dienen im Corona-Lockdown als Alternative

Eine halbe Stunde lang waren die Krippenkinder dran, dann die Älteren. Die Tagesstruktur, die in der Kita gilt, wurde im Livestream eingehalten. Zudem gab es Regeln, damit nicht alle durcheinander redeten. Diese Art „Homeschooling“ kam bei den teilnehmenden Kindern laut Rada-Öner sehr gut an, und auch von den Eltern gab es viel positive Resonanz.

„Wir sind stolz darauf“, sagt sie zusammenfassend, „dass wir schon so früh angefangen haben. Dadurch konnten wir das Livestreaming besser umsetzen als andere Kitas, die sich im Lockdown erst mit der Technik vertraut machen mussten.“

Hören Sie sich dazu auch unsere Podcastfolge über die kinder(un)freundliche Stadt Augsburg an:

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