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Augsburg

29.06.2020

Moderne Gesellschaft: Der Regionalbischof warnt vor ausgeprägter Ichbezogenheit

Eine Gemeinschaft, in der es einen Grundkonsens gibt – darin besteht für Regionalbischof Axel Piper die christliche Ökumene. Die fast 500 Jahre alte Confessio Augustana ist ein Manifest dazu.
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

Plus Zum Jubiläum eines besonderen Ereignisses in Augsburg ermahnt Regionalbischof Axel Piper die Bürger zu mehr Toleranz. Es geht um ein fast 500 Jahre altes Bekenntnis.

Eine Gemeinschaft, in der es einen Grundkonsens gibt – darin besteht für Regionalbischof Axel Piper die christliche Ökumene. Er sieht sie als ein Beispiel für ein gutes Zusammenleben an, „in dieser Zeit, in der sich scheinbar manche Menschen diesem Grundkonsens überhaupt nicht verpflichtet fühlen“. Vielmehr in Behauptung ihrer persönlichen Freiheit „ihr Süppchen kochen gegen Staat und Institutionen“. Was ein fast 500 Jahre altes Bekenntnis damit zu tun hat.

Regionalbischof Axel Piper sieht in der Ökumene ein Beispiel für ein gutes Zusammenleben.
Bild: Ulrich Wagner

Zu Zeiten der Confessio Augustana, deren Unterzeichnung vor 490 Jahren am Sonntag in Heilig Kreuz mit einem Festgottesdienst gedacht wurde, gab es den Verständigungswillen und die Diskussionskultur, „die heute unsere Demokratie und die Ökumene auszeichnet“, nicht. Umso dankbarer registriert der Regionalbischof, was aus jenem Klima der Angst, der Abgrenzung, religiöser Unterdrückung und religiös motivierter Gewalt heute geworden ist.

Gutes Zusammenleben dank Toleranz, Realismus und Augenmaß

„Mehr Toleranz, Realismus, Augenmaß wäre das Entscheidende für unsere Tage“, folgerte Piper daraus. Weil Menschen mit anderen Menschen heute unbarmherzig umgehen und wer nicht denkt wie sie, „wird gleich abgestempelt“. Die Confessio Augustana sei deswegen hochaktuell, auch außerhalb der Kirche. „Weil sie auch in unseren Urteilen Realismus und Toleranz einfordert.“ Gemeinschaft in ihrem Sinne sei eine Lerngemeinschaft – miteinander, voneinander „wohlwissend, dass wir so vieles nicht wissen und wissen können“. Die größte Gefahr, so Piper, sei im Moment nicht Corona, „sondern die ausgeprägte Ichbezogenheit der Menschen“.

Oberbürgermeisterin Eva Weber hob in ihrem Grußwort den Mut der Confessio-Verfasser hervor, dass sie formulierten, was sie verändern und wie sie Gesellschaft anders organisieren wollten. In der heutigen Stadt gelte es, sich aufeinander einzulassen und darum zu ringen, wie wir miteinander leben wollen. Freiheit bedeute, nicht nur die eigenen Fesseln abzuwerfen, sondern auch die Freiheit der anderen zu respektieren.

Der katholische Stadtdekan Helmut Haug betonte unter dem Eindruck einer ökumenischen Trauerfeier für drei Schülerinnen und die Mutter zweier Mädchen, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen: „In wesentlichen Dingen des Lebens trennt uns nichts. Wir sind alle Menschen – auch in der Zerbrechlichkeit unseres Daseins. Die vielen Krisen derzeit in der Welt sollten Christen enger zusammenbringen, ihre hoffnungsvolle Botschaft zu bezeugen.“

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