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Skeptiker-Konferenz

02.06.2019

Mondlandung ein Fake? Wissenschaftler entkräften solche Mythen

Ist der Mann auf dem Mond nur eine Fälschung? Wissenschaftler wie der Kernphysiker Holm Hümler versuchen, solche Verschwörungstheorien zu widerlegen.
Bild: Nasa, dpa

Verschwörungstheorien werden immer beliebter. Bei der "Skepkon" treffen sich Wissenschaftler, die solche Mythen entkräften wollen. Was hilft gegen Panikmache?

Falls noch in diesem Jahr der Vesuv explodieren sollte, magnetische Pole und Erdplatten sich ruckartig verschieben, der Planet kippt und Menschen millionenfach ins Unglück stürzen – dann hatte die Apokalyptikerin Rose Stern wohl doch recht. Aber: "Das ist alles sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich", sagt die Geowissenschaftlerin Lydia Baumann. Die junge Doktorandin aus Hamburg steht in Augsburg auf der Bühne, vor fachkundigem Publikum. Geduldig, mit Diagrammen und Karten, widerlegt sie die Untergangstheorie, die Stern eben noch in einem Interviewclip auf der Leinwand des Saals verkündet hatte.

Magnetische Polwanderungen sind normal, erklärt Baumann. Sie geschehen, wenn es schnell geht, innerhalb von mehreren hundert Jahren – oder aber binnen Jahrmillionen. Und die Folgen für die Menschheit? Höchstens kleine Funkstörungen in unserer digitalen Infrastruktur. Die Apokalypse ist abgesagt. Und die "Skepkon" hat soeben begonnen.

Lydia Benecke erklärt, warum Verschwörungstheorien so verlockend sind

Im Kongress am Park tagt die GWUP, die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften", mit ihrer Skeptiker-Konferenz, der "Skepkon". Wissenschaftler zeigen und diskutieren hier, wie sie Mythen entkräften: von Prophezeiungen des Nostradamus bis zu den Versprechungen der Homöopathie. Jeder Skeptiker hat seine eigene Methode.

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Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke ist eine prominente Figur im Kampf gegen diese Mythen, sie äußert sich in Fachmagazinen ebenso wie im Unterhaltungsfernsehen. In ihrem Vortrag in Augsburg zerpflückt sie eine Theorie, die weite Kreise zieht: Brutale satanische Sekten, die angeblich von Eliten, bis hin zur Bundesregierung, gedeckt werden. Beweise? Fehlanzeige. "Das menschliche Gehirn nimmt Informationen, die emotional aufgeladen sind, viel schneller und intensiver auf", sagt Benecke. Dazu gehört auch die Annahme, dass Impfungen Autismus auslösen. Im Internet kursieren Videos, mit dramatischer Musik unterlegt, die zu untermauern versuchen, was wissenschaftlich nicht belegbar ist.

"Wenn Überschriften und Bilder bewusst Angst, Wut oder Trauer erzeugen, kann das schon ein kleines Indiz für eine Verschwörungstheorie sein", sagt Benecke. Was den meisten Theorien zugrunde liegt, sei ein "dichotomes Weltbild" – eine Anschauung, die sich schwarz-weiß in Gut und Böse teilt. Ein kleiner Kreis von Eingeweihten bäumt sich vermeintlich gegen die Verschwörung einer mächtigen Elite auf. "Seit dem 11. September und mit der zunehmenden Kommunikation im Internet verbreiten sich diese Theorien immer stärker." Beneckes Gegentaktik: "Fakten sammeln und Unlogik aufdecken." Dazu verfasst sie oft ellenlange Posts auf Facebook, die auf solche Mythen Antwort geben.

Beliebte Verschwörungstheorie: Die Mondlandung 1969 war ein "Fake"

Dann gibt es auch Typen wie den Kernphysiker Holm Hümmler, der im Nasa-Weltraum-Hoodie auf die Bühne hüpft. Spielerisch, mit Playmobil-Männchen im Weltraumanzug, widerlegt er die beliebte Theorie, dass die Mondlandung 1969 eine Fälschung war. Hümmlers Methode: Wissen und Humor. Eine Option, wenn jede Bemühung um eine nüchterne Debatte ins Leere läuft.

Tatsächlich scheint bei diesen Mythen eine Art Alchemie zu wirken: Fantasie, Angst und Placebo-Effekt werden zu Geld – zum Beispiel auch in der Branche der Homöopathie. Über Globuli scherzen die "Skepkon"-Teilnehmer. Doch wie ernst es wird, blitzt auch auf: Die Moderatorin liest eine Mail eines besorgten Menschen vor, der an Suizid denkt – denn der Weltuntergang stehe ja kurz bevor. Ein Aussteiger, der bei einem Verschwörungs-TV-Kanal gearbeitet hatte, erzählt in einer Telefonschalte – anonym und mit rauschig verzerrter Stimme –, welches wirtschaftliche System dahintersteckt. Ein Gast musste absagen: ein Mann, der bei der Heilung einer Krebserkrankung zuerst auf Homöopathie vertraute.

Das Experimental-Physiker-Duo "Methodisch inkorrekt" beendet den ersten von drei "Skepkon"-Tagen. Die Männer bieten eine Show, in der es knallt und aus einer Vakuum-Kanone Konfetti regnet. Doch am Ende zeigen sie auf der Leinwand das Ergebnis einer Umfrage der Organisation "Wissenschaft im Dialog": "Wie sehr vertrauen Sie auf Wissenschaft und Forschung?" Ein großer Graubereich bestimmt das Tortendiagramm: Ganze 40 Prozent sind unentschlossen, ob sie der Wissenschaft trauen sollen. Die Physiker sagen: "Um diese 40 Prozent müssen wir kämpfen."

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