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Augsburg

15.11.2012

Polizeibeamte sollen Unschuldigen geschlagen haben

Ein 57-jähriger Speditionsunternehmer gibt nicht auf: Obwohl er mit mehreren Strafanzeigen scheiterte, will er Schmerzensgeld, weil Polizisten ihn misshandelt haben sollen.
Bild: Alexander Kaya

Polizisten stürmten vor knapp vier Jahren die falsche Wohnung und fesselten einen Unschuldigen. Obwohl seine Chancen schlecht stehen, fordert der Mann jetzt Schmerzensgeld.

Die Sache liegt inzwischen vier Jahre zurück, doch sie lässt Uwe N., 57, nicht los. Eigentlich hatte der Speditionsunternehmer nur Pech. Polizisten stürmten seine Wohnung, weil sie vermuteten, dass dort eine Frau misshandelt wird. Doch es war ein Irrtum, die Beamten sind zur falschen Adresse gefahren. Uwe N. sagt, er sei von den Polizisten verprügelt und gequält worden. Die Beamten bestreiten das. Seither beschäftigt der Fall die Justiz. Uwe N. will nicht nachgeben.

Was ist geschehen? Am 19. Juli 2008 geht bei der Einsatzzentrale der Polizei ein Notruf ein. Der Anruf kommt von einem Handy und dauert nur kurz. Eine Frau ist zu hören, sie schreit um Hilfe. Die Beamten in der Zentrale ermitteln die Adresse, auf welche der Handyvertrag läuft. Zwei Funkstreifen fahren zu dem Haus im Domviertel.

Beamte sollen den Mann gefesselt und geschlagen haben

Ab hier gehen die Schilderungen auseinander. Uwe N. sagt, er habe in Unterhose seine Türe geöffnet. Er hatte kurz zuvor eine Operation an der Schulter und lag zudem mit einer Infektion im Bett. Die Polizisten seien sofort auf ihn losgestürmt. Sie hätten ihn mit Fäusten und Schlagstöcken traktiert, ihn mit mehreren Tritten in die Kniekehlen auf den Fußboden befördert, gefesselt und später mit dem Gesicht gegen eine Wand gedrückt. Ein Beamter habe ihn mehrmals aufgefordert „zu reden“, ein anderer haben dabei immer wieder kräftig an den Handschellen gezogen.

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Uwe N. sagt: „Ich war ja frisch an der Schulter operiert, ich habe vor Schmerzen geschrien.“ Außerdem habe er überhaupt nicht gewusst, was die Polizisten von ihm wollen. Erst nachdem klar war, dass es sich um eine Verwechslung handelt, hätten die Beamten wieder von ihm abgelassen. Einer der Polizisten habe ihm den Fall erklärt und sich auch bei ihm entschuldigt.

Uwe N. ist unschuldig

Der Grund für die Verwechslung: Das Mobiltelefon, von dem der Notruf abgesetzt wurde, war eines von zahlreichen Handys, die Uwe N. zu der Zeit auf sich zugelassen hatte. Er hatte sie an seine Speditionsfahrer vergeben. Hinterher zeigte sich, dass es tatsächlich die Freundin eines Fahrers war, die bei der Polizei angerufen hatte.

Uwe N. hatte damit nichts zu tun. Er erstattet Strafanzeige wegen der angeblichen Misshandlungen. Doch die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen die Polizisten ein. N. wandte sich an die Generalstaatsanwaltschaft, aber auch hier sah man keinen Grund, gegen die Beamten vorzugehen. Denn die räumen zwar ein, dass der Einsatz „unglücklich“ gelaufen ist und N. „fixiert“ werden musste. Sie beteuern aber alle, dass N. von ihnen weder geschlagen und noch gequält worden sei.

Der Speditionsunternehmer soll sich aggressiv verhalten haben

Er habe sich, so berichtet eine Beamtin, sofort sehr aggressiv verhalten und die Polizisten nicht in seine Wohnung gelassen. Die Beamten dachten zu dem Zeitpunkt aber, dass in seiner Wohnung eine Frau in Gefahr ist, und wollten deshalb sofort dort hinein. Unklar bleibt, wie ruppig der Einsatz ablief – teilweise machten die Beamten auch Erinnerungslücken geltend.

Daher folgte die Retourkutsche der Augsburger Staatsanwaltschaft umgehend. Sie klagte Uwe N. wegen falscher Verdächtigung an. Dass der 57-Jährige in erster Instanz freigesprochen wurde, hielt die Anklagebehörde nicht davon ab, weiterhin gegen ihn vorzugehen. Doch auch in der nächsten Instanz, am Landgericht, wurde N. wieder freigesprochen.

Notfalls will sich der 57-Jährige bis zum obersten Gericht klagen

Der 57-Jährige will die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Nachdem er mit seinen Anzeigen gegen die Polizisten gescheitert ist, hofft er nun auf Schmerzensgeld. Das stehe ihm zu, meint er. Deshalb klagt er mit seinem Anwalt Axel Weisbach nun gegen den Freistaat. Mindestens 5000 Euro fordert er. Deshalb mussten die beteiligten Polizeibeamten kürzlich noch einmal vor dem Landgericht aussagen – sie versichern nach wie vor, der Mann sei nicht misshandelt worden.

N. weiß, dass seine Chancen, den Prozess zu gewinnen, nicht gut stehen. Notfalls, kündigt er an, werde er sich bis zum obersten Gericht durchklagen.

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