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Gesellschaft

14.03.2018

Referent reagiert auf Kritik am Integrationsbeirat

Der Augsburger Integrationsbeirat organisierte unter anderem Frühlingsfeste auf dem Rathausplatz. Von Feierlaune ist im Gremium derzeit aber keine Rede.
Bild: Michael Hochgemuth

Reiner Erben glaubt nicht, dass das Gremium gespalten ist. Auch von anderer Seite wird der ausgeschiedene Vorsitzende des Gremiums skeptisch gesehen.

Im Integrationsbeirat der Stadt Augsburg kracht es derzeit gewaltig. So ist die öffentliche Wahrnehmung. Der Vorsitzende Maximilian Rothermel, der das Amt nur wenige Monate innehatte, zog sich zurück. Seinen Abschied verband er mit einer harschen Kritik an den jetzigen Strukturen im Beirat. In einem Leserbrief, der am Dienstag in unserer Zeitung veröffentlicht wurde, hieß es unter anderem: „Der Beirat war hier bereits ab der Entstehung zerrissen und somit handlungsunfähig, aufgeteilt in zwei Fraktionen: Jene Beiräten die unbequeme, unpopuläre und somit echte Integrationsarbeit leisten wollten, und jene Beiräten, die auf Veranstaltungen und Cocktailpartys lediglich Beschwichtigungspolitik in der Vertretung ihrer Parteien oder Verbände leisten wollten. Doch ein Integrationsbeirat, der sich so instrumentalisieren lässt, hat jede Existenzberechtigung verwirkt.“

Keiner wird instrumentalisiert

Politischer Adressat dieser Kritik ist Referent Reiner Erben (Grüne), der neben dem Bereich Umwelt auch das breite Themenfeld Migration abdeckt. Mit der Kritik von Rothermel konfrontiert sagt Erben: „Ich habe selbst an einer ganzen Reihe von Sitzungen der Vollversammlung und des Vorstandes des Integrationsbeirats teilgenommen. Dabei habe ich nicht den Eindruck gewinnen können, dass die Arbeit des Beirats von Lobby-Verbänden oder politischen Parteien beeinflusst wird.“ Im Gegenteil: Gerade von den beiden stellvertretenden Vorsitzenden Marjia Jehle und Malika Bashirova würden einseitige parteipolitische Darstellungen kritisch gesehen. Auch aus den Veranstaltungen des Beirats, wie zum Beispiel einer Podiumsdiskussion im Vorfeld der Bundestagswahl, oder den Stellungnahmen des Beirats zu verschiedenen Themen könne er die angesprochene Aufspaltung oder Instrumentalisierung des Beirats nicht ablesen.

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Rothermel hatte intern im Beirat Ärger bekommen, weil er sich in sozialen Netzwerken intensiv mit dem Islam auseinandersetzte. Vereinfacht gesagt kann man von einer „Islamkritik“ sprechen. Er habe zudem versucht, Mitglieder des Vorstands und des Umfelds in seine Richtung zu beeinflussen, sagt Marget Spohn, Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt: „Hier geht es nicht darum, dass eine Religion nicht kritisiert werden darf.“ Veranstaltungen, die sich kritisch mit der Rolle von Religionen auseinandersetzen, führe man immer wieder selbst durch. Spohn sagt in Richtung Rothermel: „Es besteht aber ein sehr großer Unterschied zwischen einer fundierten Kritik an einer Religionsgemeinschaft und Polemik.

Eine verzerrte Diskussion

 Die Aufgabe des Vorsitzenden ist es, integrativ zu wirken und gemeinsam Schwerpunkte zu entwickeln. Vorsitzender zu sein bedeutet nicht, seine eigene persönliche Meinung zum Maß aller Dinge zu stilisieren und keine abweichende Meinung mehr zuzulassen.“ Das Bild des Gremiums in der öffentlichen Wahrnehmung und auch deren bisher geleistete Arbeit werde durch die Diskussion deutlich verzerrt, heißt es im Büro für Migration. Die Diskussion müsse auf die Sachebene zurückgeführt werden und die bisher geleistete Arbeit sichtbar werden. Erben sagt: „Wir haben hoch engagierte Augsburger mit Migrationshintergrund, Fachleute in unterschiedlichen Bereichen, die in ihrer freien Zeit dafür eintreten möchten, dass Integration in Augsburg weiterhin gelingt. Dies sei die Aufgabe des Beirats: „Dieses Gremium wird nicht an den Äußerungen einzelner Personen scheitern.“

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