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Augsburger Geschichte

11.01.2018

Römische Kaiser sind in Augsburg präsent

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6 Bilder
Münzen hinterließen die Römer in Augsburg zu Tausenden. Auf dem silbernen Denar ist Kaiser Severus Alexander (er regierte von 222 bis 235) abgebildet.
Bild: Sammlung Häußler

Antike Herrscher blicken nicht nur im Rathaus von den Wänden. Es gibt zahlreiche Huldigungen an die frühen Stadtherren. Sogar beim Umbau des alten Hauptkrankenhauses tauchten Münzen auf.

Der bronzene Augustus über dem Brunnen auf dem Rathausplatz ist der in Augsburg populärste römische Kaiser. Wenige Meter davon entfernt sind im Rathaus weitere Herrscher des Römischen Reiches mit Büsten und Fresken präsent. Sie erinnern daran, dass Augusta Vindelicum zum Römischen Reich gehörte. Im unteren Fletz sind über Portalen und in Nischen zehn mit Namen versehene Kaiserbüsten angebracht, in den Treppenaufgängen vier weitere. Stadtgießer Wolfgang Neidhard goss sie zwischen 1620 und 1626. Sie überstanden 1944 die Bombardierung und den Brand. Erst danach wurden sie abgenommen und im Keller des Maximilianmuseums verwahrt.

Authentisch wie Plastiken

Im rekonstruierten Goldenen Saal des Rathauses malte der Augsburger Hermenegild Peiker an die Nordwand überlebensgroße römische Kaiser in Freskomanier. Ihre Gesichter könnten ebenso authentisch sein wie Plastiken: Kaiserporträts sind auf Münzen aus der Lebenszeit der Herrscher des Römerreiches überliefert. Diese winzigen Abbildungen dienten in späterer Zeit als Vorlagen für Bilder und Büsten.

Geldstücke mit Porträts

Die antiken Münzen waren Zahlungsmittel und zugleich Werbeträger. Jeder römische Kaiser brachte Geldstücke mit seinem Porträt in Umlauf, um sich im gesamten römischen Herrschaftsgebiet und darüber hinaus bekannt zu machen. Man erfuhr so seinen Namen und wie er aussah. Fundmünzen bilden längst eine wichtige Quelle für die Forschung. Schon die Fugger und der Humanist Konrad Peutinger sammelten sie. In Augsburg werden in den archäologischen Sammlungen und Depots in der ehemaligen AKS über 10000 Bronze-, Kupfer-, Messing-, Silber- und Goldmünzen aus römischer Zeit verwahrt. Bei jeder Grabung im Bereich der Römerstadt kommen weitere zutage.

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Die römische Frühgeschichte in Augsburg erzählen 380 Münzen aus dem Militärlager an Wertach und Hettenbach. Die jüngste dort gefundene Münze wurde in den Jahren 15 oder 16 nach Christus in den Verkehr gebracht. Aus den Anfängen der Römersiedlung auf der hochwassersicheren Hochterrasse stammen Münzen aus der Regierungszeit von Kaiser Augustus (27 vor Christus bis 14 nach Christus).

Der Schatzfund von 52 Goldmünzen, geborgen am 6. September 1978 an der Stephansgasse, enthält Prägungen der Kaiser Nero (54-68) bis Marcus Aurelius (161-180). Auch vom Ende der römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum künden Münzen. Ein Fundkomplex von 260 Bronzemünzen wurde 1981 am Springergässchen 8 gehoben. Diese antiken Zahlungsmittel wurden überwiegend unter den Kaisern Valentinian II. (375-382), Theodosius I. (379-395) sowie seinen Söhnen Arcadius (383-408) und Honorius (393-423) geprägt. Um 400 nach Christus waren sie deponiert und vom Besitzer nicht mehr aus dem Versteck geholt worden.

Kleingeld im Kies

In Brunnen und Zisternen, in den Überresten römerzeitlicher Straßen, Befestigungen und Häuser sowie in antiken Friedhöfen bergen die Archäologen nach wie vor Münzen. 216 Geldstücke waren es allein im Bereich des „Römermarktes“ bei St. Stephan. Etwa 3000 römerzeitliche Kleinmünzen lagen im Kies und Schwemmsand eines Lecharms unterhalb des einstigen Kastells. Beim Umbau des ehemaligen Hauptkrankenhauses kamen sie vor wenigen Jahren ans Tageslicht. Höchstwahrscheinlich wurden sie als Opfergaben an Reiseschutzgötter beim Überqueren der Brücke ins Wasser geworfen.

Nur wenige Münzen sind als antike Zeitzeugen im derzeitigen „Römerlager“ im Zeughaus ausgestellt. Einige der auf den Zahlungsmitteln abgebildeten Kaiser sind dort als Großplastiken präsent: Der Gipsabguss einer Marmorstatue von Kaiser Augustus empfängt die Besucher. Römischen Kaisern begegnet man in Augsburg nicht nur in Museen und im Rathaus. Im Treppenhaus des städtischen Verwaltungsgebäudes Rathausplatz 1 sind sieben auf Glas gemalte Kaiserköpfe als „Großdias“ in Fenster eingefügt.

Im „Köpfhaus“ am Fuggerplatz blicken ebenfalls sieben römische Kaiser auf die Gäste im Kaffeehaus „anno 1578“ herab. Sie sind identifiziert und mit Namen versehen. Die Antike ist auch im Innenhof des „Antoniushofs“ (Maximilianstraße 57) präsent. Hier schmückten ursprünglich acht Kaisermedaillons die Arkaden. Sie waren im 16. Jahrhundert angebracht worden. Drei der plastischen Porträts sind noch erhalten. Caligula (er regierte 37-41 nach Christus), Galba (68-69) und Otho (69) blicken lädiert, aber noch erkennbar in den Hof.

Ermordeter Diktator

Büsten von fünf Römerkaisern befinden sich im Tonnengewölbe der Durchfahrt des „Höhmann-Hauses“ neben dem Schaezlerpalais. Sie sind dort unübersehbar. Versteckt hinter einem Baum dagegen ist an der Nordmauer des Hofgartens der einstigen fürstbischöflichen Residenz „Julius Caesar“ ein steinernes Porträtmedaillon mit diesem Namen. Der im Jahr 44 vor Christus ermordete römische Diktator wird von Porträts der Kaiser Maximilian I. (1459- 1519) und Karl V. (1500-1558) flankiert. Diese drei historischen Relikte aus dem 16. Jahrhundert befanden sich ursprünglich an dem 1976 abgebrochenen Gebäude Kohlergasse 5.

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